2 Herkommen Hinzugekommen ist Anschauung vor Ort durch den Verfasser. So hat er im Jahre 2001 Fürstenberg und das ehemalige Konzentrationslager Ravens- brück besucht. Im März 2003 hat er in Meran-Maja Alta das einstige Wohnhaus des Ehepaars Hoffmann ausfindig gemacht. Bilder führen in diesem Beitrag Schauplätze und Dokumente vor Augen. Ein Foto von Philipp von Hoffmann hat sich im Landesarchiv in Vaduz gefunden. Nach verwinkelten Recherchen konnte der Autor auch Fotos von Valeska von Hoff- mann aufspüren, nicht in Archiven, sondern bei Frau Karoline Kornprobst-Bauer in Meran.4 Seit dem Herbst 2002 veröffentlicht die in Bozen erscheinende Zeitung  Einzelberichte zu den verfolgten und ermordeten Südtiroler Juden. Anlass ist eine Spendeninitiative zur Errichtung ei- nes Gedenksteins am jüdischen Friedhof in Bozen, unter dem Motto «Wider das Vergessen: Ein Stein für ...». Das Motto nimmt Bezug auf den jüdischen Brauch, als Besucher einen kleinen Stein auf das Grabmal zu legen, als Zeichen bleibenden Geden- kens.5 Die Nachzeichnung des Schicksals von Frau von Hoffmann - welche der Autor in der Generalver- sammlung des Plistorischen Vereins für das Fürsten- tum Liechtenstein am 5. April 2003 mündlich und et- was knapper vortragen durfte - mag auch in diesem Sinn verstanden werden, wider das Vergessen. Im Folgenden wird eine streng chronologische Darstellung gewählt. Diese liegt am nächsten beim Leben, so wie dieses im Kontext von Zeit und Ereig- nissen ablief. Die Fakten sind detailgenau abgeklärt. Verbleibende Lücken werden benannt und nicht durch Spekulation gefüllt. Mit dem Schicksal einer Person und ihrer Familie werden ganz verschiedene Welten berührt. Die fol- gende Darstellung wechselt von einer Welt zur an- dern. Eine davon war Liechtenstein. Nahes und Fer- nes war miteinander verknüpft, Makro- und Mikro- geschichte durchdrangen sich. Sicherheit zerbrach klirrend. Abgründe menschlicher Bosheit taten sich auf, im Grossen wie im Kleinen. Daneben stand auch Rettendes. Im folgenden Kapitel führt uns schon das Herkommen des Ehepaars Hoffmann in weit auseinander liegende Welten, Gesellschaften und Familien. 
FREIHERR PHILIPP VON HOFFMANN Philipp Maria Ward von Hoffmann (1874-1943) hat- te, als er 1932 Liechtensteiner wurde, eine unge- wöhnliche Laufbahn hinter sich. Er war bis dahin Sachse, Bayer und Deutscher, Jurist und Diplomat gewesen. Der dritte Vorname «Ward» kam von sei- ner amerikanischen Mutter. Das Passfoto von 1942 zeigt ein selbstbewusstes Gesicht.6 Philipps Grossvater, Ludwig Ferdinand von Hoff- raann, aus Sachsen-Altenburg stammend und 1841 als Freiherr geadelt, hatte im 19. Jahrhundert in New York die Bank «L. von Hoffmann & Co.» gegründet. Philipps Vater Richard von Hoffmann war dann in je- ner Bank tätig. Er heiratete Lydia Ward aus Boston und zog 1870 mit ihr nach Rom, wo die Eheleute die «Villa Mattei» erwarben. In Rom kam am 26. Novem- ber 1874 Philipp von Hoffmann zur Welt. Er hatte eine Schwester, Anna, und einen älteren Bruder, Fer- dinand. Die Familie siedelte mehrmals um, 1880 nach Freiburg im Breisgau, 1884 an den Genfersee, 1888 wieder nach Rom, schliesslich 1890 nach Me- ran, wo die «Villa Paulina» erworben wurde. Philipp von Hoffmann wurde nach Würzburg aufs Gymnasium geschickt. Er leistete vor der Jahrhun- dertwende in Berlin seinen Militärdienst, schloss 1901 das Jura-Studium ab und wurde schliesslich bayrischer Diplomat. Er wirkte von 1908 bis 1913 als Attache an der bayrischen Gesandtschaft in Pe- tersburg, danach den Weltkrieg hindurch und bis 1920 an der bayrischen Gesandtschaft in Wien als Legationsrat und schliesslich Geschäftsträger. Ver- schiedene Orden und militärische Auszeichnungen wurden ihm zuteil. 1920 konfiszierte das siegreiche Italien den Römer Besitz der deutschen Familie Hoffmann, die Villa Mattei. Dafür wurde 1924 in Meran die «Villa Pauli- na» wieder freigegeben, in Anerkennung der «phi- lanthropischen» Verdienste der Familie in Italien. Nach dem Tod der Eltern und der zwei Geschwister war Philipp von Hoffmann ab 1929 Alleinbesitzer des Erbes, zu dem der Meraner Sitz gehörte.7 Der adelige Legationsrat im Ruhestand hielt auf Formen und gepflegten Lebensstil. 1932 wurde er Bürger von Eschen. Wir betreten die liechtensteinische Welt. 100
        

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