EINE LIECHTENSTEINERIN IM KZ: BARONIN VALESKA VON HOFFMANN / PETER GEIGER 1 Einleitung Vom Schicksal der Baronin Valeska von Hoffmann, welches hier zu erzählen und zu erhellen ist, war bisher nichts bekannt. 1894 in Wien geboren, wur- de sie 1932 Liechtensteinerin, und zwar Bürgerin der Gemeinde Eschen. Sie wohnte nie hier, den Leu- ten im Fürstentum und in Eschen war sie unbe- kannt. Sie lebte von 1932 an mit ihrem Ehemann, Baron Philipp von Hoffmann, in Meran. 1943 wurde sie als Jüdin ins Konzentrationslager verschleppt. Sie überlebte das KZ. Sie kehrte nach Meran zurück, wo sie 1954 starb. Ihr Gemahl war schon 1943 ver- storben. Nachkommen hatten sie keine.1 Heute finden wir das Ehepaar von Hoffmann im Familienbuch der Gemeinde Eschen knapp auf zwei Zeilen verzeichnet, nämlich im Anhang unter der Rubrik «Neue Eschner Geschlechter ab 1900», dort heisst es: «von Hoffmann Philipp Maria Ward *26.11.1874 fl943 » Kosalek Elisabeth Maria * 04.03.1894 f Ol.05.1954»* Der Mädchenname lautet richtig «Koralek» (nicht «Kosalek»). Den beiden Vornamen «Elisabeth Ma- ria» ist noch «Valeska» voranzustellen, was ihren Rufnamen «Walli» abgab. Sie ist am 5. (nicht 4.) März 1894 geboren, wie aus andern Unterlagen mehrfach ergeht.3 Die Quellen sind vom Verfasser im Zuge jahrelan- ger Forschungen zur Zeitgeschichte zusammenge- tragen worden. Erst schien das Ehepaar Hoffmann in den Quellen nur gelegentlicher Aufmerksamkeit am Rande wert - bis sich dem Verfasser vor Jahren bei einem Archivaufenthalt in Bonn die NS-Verfol- gung der Liechtensteinerin auftat. Danach hielt er stets ein Auge auf ihr Schicksal und suchte es detail- liert zu klären. Archivunterlagen haben sich vorab im Liechtensteinischen Landesarchiv in Vaduz, im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Bonn (heute Berlin) und auch im Gemeindearchiv Eschen gefunden. Weitere archivalische Auskünfte lieferten das Zivilstandsamt in Vaduz, der Internationale Suchdienst des Roten Kreuzes in Bad Arolsen, das Dokumentationsarchiv des österreichischen Wider- standes in Wien, die Israelitische Kultusgemeinde Wien, das Archiv der Mahn- und Gedenkstätte Ra-vensbrück 
in Fürstenberg (ehemals DDR), die Ge- denkstätte Bergen-Belsen in Lohheide, das Archiv des Instytut Pamieci Narodowej in Warschau, dann in Meran das Museo Civico, das Archivio Municipale und das Ufficio del libro fondiario (Grundbuchamt), schliesslich das Archiv der in Bozen erscheinenden Zeitung  sowie die Universitätsbiblio- thek Innsbruck. Persönliche Angaben aufgrund eigener Erinne- rung konnte dem Autor Frau Karoline Kornprobst- Bauer, Meran, liefern, vermittelt durch ihren Sohn, Herrn Dr. Rudolf Kornprobst, Meran. Sie hatte eini- ge Jahre nach 1945 bei Frau von Hoffmann noch ein Haushaltspraktikum absolviert. Weitere Einzelhinweise fanden sich in verschie- denen Quellenpublikationen. Einblicke in die KZ- Verhältnisse ergaben zahlreiche publizierte Erleb- nisberichte von Überlebenden, etwa jener von Mar- garete Buber-Neumann, «Als Gefangene bei Stalin und Hitler» (1949), sowie die reichliche Sekundärli- teratur, hier etwa das Buch von Grit Philipp und Mo- nika Schnell, «Kalendarium der Ereignisse im Frau- en-Konzentrationslager Ravensbrück 1939-1945» (Berlin 1999). Besonders zu erwähnen ist zur Situation und Ver- folgung der Meraner Juden das Buch von Federico Steinhaus, «Ebrei/Juden, Gli ebrei dell'Alto Adige negli anni trenta e quaranta» (Firenze 1994). Auf- schlussreich ist auch das Werk «II Libro della Memo- ria» von Liliana Picciotto (Milano 1991/2002), wel- ches die jüdischen Deportierten aus Italien ver- zeichnet. In beiden Büchern findet Valeska von Hoff- mann Erwähnung. 1) Dieser Jahrbuchbeitrag ist die erweiterte Fassung des öffentlichen Vortrags vom 5. April 2003, gehalten anlässlich der Jahresversamm- lung des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein in Kuggell. 2) Eschner Familienbuch. Herausgegeben von der Gemeinde Eschen. Zusammengestellt und redigiert von Adolf Meier, Jürgen Schindler und Erich Allgäuer, Eschen, 1997. Bd. II. S. 465. 3) Liechtensteinisches Landesarchiv (LEA), RF 126/9 und 183/339. - Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Mitteilung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (Matrikelführerin H. Weiss) an den Verfasser, 17. Juni 2002. 99
        

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