Wilhelm von Bode oder Jakob von Falke (1825- 1897) eignete er sich eine umfassende Kenntnis der Kunstgeschichte und der Sammeltätigkeit an. Es scheint, als hätte er sich den Rat seines Ahnen, des Fürsten Karl Eusebius von Liechtenstein (1611- 1684), zu Herzen genommen. In einer Erziehungs- schrift an seinen Sohn, «Werk von der Architek- tur», mahnte Karl Eusebius diesen: «Und haben di- sergestaldt von allem Raren geredet, die Unsrigen nach Geniegen darinnen zu informieren und zur Curiositet (Kennerschaft und Sammelleidenschaft) zu persvadieren und das Nachfolgen aufzuerlegen, damit sie dem Adl und dem fürstlichen Stand ge- mes Curiosi (Kenner und Sammler) sein megen und verbleiben zu ihrem und aller Nachkimblingen hechsten Ruhm».9 Nach Angaben von Wilhelm von Bode tätigte Jo- hann II. die ersten wichtigen Erwerbungen für die Galerie Liechtenstein kurz vor 1870.10 Er erwarb zwei Porträts von Gerard ter ßorch (1617-1681) und ein grosses Gemälde von Meindert Hobbema (1638-1709) auf Anraten von Experten. Allerdings stellten sich die Porträts von ter Borch als vollkom- men überteuert heraus und der Hobbema als Fäl- schung.11 Derartig enttäuscht von seinen Beratern war der Fürst von nun an auf sein eigenes Urteil angewiesen und vertraute in Kunstangelegenheiten nur noch Wilhelm von Bode. Wenig später nahm die Entstehung der Samm- lung der Wiener Biedermeiermalerei ihren glückli- cheren Anfang. Das erste Ankaufsdatum eines Öl- gemäldes während der Regierungszeit des Fürsten ist vom Bild Johann Matthias Ranftls (1804-1854) «Der Hund des Holzhackers» aus dem Jahr 188212 überliefert. Seit 1894 trat Johann II. mit grosszügigen Schen- kungen der Wiener Biedermeiermalerei an die Öf- fentlichkeit; die bedeutendste Schenkung von über 30 Gemälden, ging im gleichen Jahr an das Histori- sche Museum der Stadt Wien. Seit spätestens 1910 wurde die Wiener Biedermeiermalerei auch in der Galerie Liechtenstein gezeigt.13 Im Jahr 1927 wur- de das letzte Werk der Wiener Biedermeiermalerei angekauft und in der Galerie Liechtenstein ausge- stellt. 
Die Darstellung der Sammlerpersönlichkeit Jo- hanns IL von Liechtenstein wäre nicht vollständig, ohne seine Rolle in Kunstpflege und Wissenschaf- ten zu betonen. Der Fürst war Mitglied in den ver- schiedensten Organisationen,14 so war er, um nur einige zu nennen, Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste,1S Ehrenmitglied der k. k. Zen- tralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale,16 Mitglied des Kuratoriums des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie,17 Ehrenpräsident der k. k. heraldischen Gesellschaft «Adler», die sich für die Pflege der historischen Hilfswissenschaften ein- setzte,18 und Protektor des Kaiser Franz Josef-Mu- seums für Kunst und Gewerbe in Troppau.1,J Johann war es auch, der erstmals eine umfas- sende «Geschichte des fürstlichen Hauses Liechten- stein» in Auftrag gab. Das dreibändige Werk er- stellte Jacob von Falke, Bibliothekar des Fürsten von Liechtenstein und Berater in Kunstfragen, im Jahr 1877.20 Am 11. Februar 1929 starb Johann II. von Liech- tenstein auf seinem Schloss in Feldsberg in Mäh- ren. Ihm zu Ehren veranstaltete die Genossen- schaft der bildenden Künstler Wiens, zu deren Stif- tern und Ehrenmitgliedern der Fürst gehört hatte,21 im Stiftersaal des Wiener Künstlerhauses eine Trau- erfeier.22 Das lange Leben des Fürsten, der so unermüd- lich um die Kunst und die Geschichte bemüht ge- wesen war, hat die Sammlung Liechtenstein bis heute geprägt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Galerie Liechtenstein in der Rossau in Wien ge- schlossen. Um die Kunstwerke vor den unmittelba- ren Kriegseinwirkungen zu schützen, wurden sie zu Beginn des Jahres 1945 in das neutrale Fürsten- tum Liechtenstein gebracht und auf Schloss Vaduz deponiert. 4
        

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