FÜRST JOHANN II. UND SEINE SAMMLUNG DER WIENER BIEDERMEIERMALEREI / ROSWITHA FEGER einem Atemzug genannt. Erst nach der Jahrhun- dertwende konnten stilistische Zuordnungen ge- macht werden. Die historische und nationale Be- deutung dieser Kunst war, wie schon die Entwick- lung der Rezeption zeigte, immer der Bewertung ihrer künstlerischen Qualität vorrangig. Fürst Johann II. hob sich mit der Sammlung der Wiener Biedermeiermalerei von anderen Samm- lern des 19. Jahrhunderts ab. Diese wandten sich vor allem der zeitgenössischen Kunst des jeweils eigenen Landes zu. Auf diese Weise sollten die Künstler und damit die nationale Kunstproduktion gefördert werden. Fürst Johann II. war als Samm- ler und Mäzen eher auf Kunst-, denn auf Künstler- förderung bedacht. Als letzter Punkt bleibt die Ursache der Sammel- motivation Fürst Johanns II. zu klären. Sie kann nur einfühlend in die Sammlerpersönlichkeit er- schlossen werden. Einen ersten Hinweis bietet das erste erhaltene Ankaufsjahr 1882 eines Bildes von Johann Matthias Ranftl. In diesem Jahr war die Wiener Ringstrasse seit sieben Jahren vollendet und die Bürger feierten im Gewinn- und Geld- rausch die Gründerzeit. Diese schnelle, auf Prunk und Reichtum ausgerichtete, der Industrie und dem Fortschritt huldigende Zeit muss nicht nur in Johann II. die Erinnerung an ein beschaulicheres, stilleres und vermeintlich ehrlicheres Alt-Wien ge- weckt haben, das den Prachtbauten der Ringstras- se immer mehr weichen musste. In dieses nostalgische Moment greift auch das Traditionsbewusstsein des Fürsten. Es veranlasste Johann weiterhin die Kunst der Maler zu sammeln, die ihn in seiner Kindheit immer begleitet hatten, von denen er Zeichenunterricht erhalten und die sein Vater so gefördert hatte. Allerdings wollte er ihre Werke unter einem neuen wissenschaftlichen Aspekt verstanden wissen. Der ausgeprägte Patriotismus des Fürsten er- scheint als Quintessenz der nostalgischen Erinne- rungen und des Traditionsbewusstseins. Das histo- rische Empfinden, mit dem Johann II. die Wiener Biedermeiermalerei betrachtete, und ihre patrioti- sche Wertung durch LIistoriker wie Ilg, fanden ihren Ausdruck in der Schenkung an das Histori-sche 
Museum, die damit einen Meilenstein im neu- en national-historisch begründeten Selbstbewusst- sein der Zeit setzte. 75
        

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