FÜRST JOHANN II. UND SEINE SAMMLUNG DER WIENER BIEDERMEIERMALEREI / ROSWITHA FEGER Der Sammler FÜRST JOHANN II. VON UND ZU LIECHTENSTEIN Als Fürst Johann II. von und zu Liechtenstein 1858 regierender Fürst des Hauses Liechtenstein wurde, ging auch die Sammlung der Fürsten von Liechten- stein - eine der bedeutendsten und traditionsreich- sten privaten Kunstsammlungen Europas - in sei- nen Besitz über. Seinerseits erweiterte er die Sammlung Liechtenstein durch bedeutende Werke. Insbesondere aber fügte Johann II. der Sammlung zahlreiche Werke der Wiener Biedermeiermalerei hinzu. Johann II. erblickte auf Schloss Eisgrub in Süd- mähren am 5. Oktober 1840 als ältester Sohn des Fürsten Alois II. von Liechtenstein (1836-1858) und der Fürstin Franziska, geborene Gräfin Kinsky, das Licht der Welt.1 Als künstlerischen Beitrag zur standesgemässen Erziehung eines Erbprinzen ge- noss Johann Zeichenunterricht, der ihm der Land- schaftsmaler Josef Höger (1801-1877)- erteilte. So wurde der Erbprinz schon früh mit der biedermei- erlichen Malerei vertraut. Nach der schulischen Ausbildung besuchte Johann die Universitäten Bonn und Karlsruhe. Durch den plötzlichen Tod seines Vaters Alois am 12. November 1858 sah sich Johann bereits mit 18 Jahren vor die Aufgabe der Regentschaft des Fürstentums Liechtenstein und der Verwaltung ei- nes der grössten Grundbesitze Österreich-Ungarns gestellt. Fürst Johann II. war nun Oberhaupt des traditionsreichen niederösterreichischen Adelshau- ses Liechtenstein und im Besitz zahlreicher Schlös- ser in weiten Teilen der Donaumonarchie. Er über- nahm ausserdem eine umfangreiche Bibliothek3 und vor allem die grossartige Kunstsammlung des Hauses Liechtenstein. Seinen Hauptwohnsitz nahm der Fürst im Stadt- palast der Liechtenstein,4 dem Majoratshaus an der Schenkenstrasse (heutige Bankgasse, Anmerkung der Verfasserin) in Wien. Oft reiste er zu seinen Be- sitzungen, insbesondere zu seinem Geburtsort Eis- grub. 
5 Da Johann II. regierender Fürst eines souverä- nen Staates war, seinen Wohnsitz aber in der 
Hauptstadt Österreichs hatte, hielt er sich dort in politischen Angelegenheiten sehr zurück,6 auch wenn er das politische Geschehen aufmerksam verfolgte. Seine Zurückgezogenheit veranlasste Wilhelm von Bode (1845-1929), Direktor der kö- niglichen Museen zu Berlin und Berater des Fürs- ten in Kunstangelegenheiten, den Fürsten in seiner Würdigung zum 50-jährigen Regierungsjubiläum in der «Neuen Freien Presse» als den «allbekann- ten großen Unbekannten» zu bezeichnen.7 Erfreute er sich doch in Wien und im Fürstentum Liechten- stein trotz seiner ausgesprochenen Menschenscheu grosser Popularität. Der Fürst beschäftigte sich hauptsächlich mit der Verwaltung seiner Güter, pflegte historische In- teressen und widmete sich mit grosser Liebe seiner Kunstsammlung. Zu ihrer Erweiterung und Ergän- zung erwarb er Gemälde und Skulpturen während zahlreicher, vor allem nach Italien führender Rei- sen. Des Öfteren reiste Johann auch nach England, um Ausstellungen und Privatsammlungen zu be- sichtigten.8 Durch seine Reisen und den Kontakt zu bedeutenden Persönlichkeiten der Kunstwelt, wie 1) Informationen zur Biographie Johanns II. wurden, wenn nicht anders vermerkt, dem Aufsatz: Wilhelm, Franz: Fürst Johann II. von Liechtenstein. In: Neue österreichische Biographie 1815-1918. Bd. VII. Wien, 1931, S. 180-190 entnommen. 2) Artaria, Dominik: Fürst Johann Liechtenstein als Sammler. Internationale Sammler-Zeitung 21 (1929), Nr. 5. S. 49. 3) Falke, Jakob von: Lebenserinuerungen. Leipzig, 1897. S. 167 f. - Im Folgenden zitiert als: Falke 1897. 4) Erbaut von Domenico Martineiii (1650-1718), seit 1694. Baum- stark, Reinhold: Meisterwerke der Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein. Zürich. München 1980. S. 10. - Im Folgenden zitiert als: Baumstark 1980. 5) Reichel, Eduard: Johann IL Fürst von und zu Liechtenstein. Eisgrub, 1932, S. 140. - Im Folgenden zitiert als: Reichel. 6) Press, Volker; Willoweit, Dietmar (Hrsg.): Liechtenstein - Fürstli- ches Haus und staatliche Ordnung. 2. Aufl. München, Vaduz, Wien, 1988. S. 70 f. 7) Bode, Wilhelm von: Fürst Johannes iL von Liechtenstein als Kunstmäcen. Neue Freie Presse (Wien) vom 12. November 1908. - Im Folgenden zitiert als: Bode 1908. 8) Bode. Wilhelm von: Mein Leben. Bd. II. Berlin, 1930. S. 46. - Im Folgenden zitiert als: Bode 1930. 3
        

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