liehen Wohnzimmers propagierten die in bieder- meierliche Ideale Flüchtenden vor allem das Natur- gefühl und den Heimatsinn dieser harmonischen, aber auch verklärt gesehenen Epoche.263 Die Biedermeierrezeption ging also von den gei- stesgeschichtlichen Entwicklungen aus und wurde parallel zur künstlerischen Wiederentdeckung und Rezeption von diesen auch weiter getragen. 
DIE WIENER BIEDERMEIERMALEREI IN DER GALERIE LIECHTENSTEIN IM VERGLEICH ZUR BIEDERMEIER- REZEPTION ZU LEBZEITEN JOHANNS II. Im folgenden werden bedeutende Ausstellungen und Kritiken der Wiener Biedermeiermalerei und die darin vorgenommenen Wertungen einzelner Maler, Gattungen und Werke insofern untersucht, wie sie mit dem Bestand der Wiener Biedermeier- malerei der Galerie Liechtenstein verglichen wer- den können. Auf diese Weise sollen mögliche Ein- flüsse auf die Sammeltätigkeit Johanns II. festge- stellt werden, um so die Vorstellung vom Kunstbe- griff Johanns II. weiter einzugrenzen. DIE WIENER SEZESSION (1898) UND LUDWIG HEVESIS KUNSTKRITIK - EINE WALDMÜLLER-EUPHORIE Die Wiener Biedermeiermaler wurden von anderen Künstlern wieder entdeckt. Im April 1897 schlös- sen sich die Sezessionisten - ehemals Mitglieder der Künstlerhaus-Genossenschaft - als eigenstän- dige Vereinigung zusammen.264 Sie wollten sich nicht mehr mit der Ansicht der Akademie einver- standen erklären, wonach Kunst nach ihrem kom- merziellen Erfolg beurteilt werden sollte. Stattdes- sen sollte sie aus reinem Idealismus und im Be- wusstsein der Erfüllung einer höheren Aufgabe entstehen. So setzten sich die Sezessionisten zum Ziel, das Niveau der österreichischen Kunst zu he- ben, um mit den Entwicklungen im Ausland Schritt halten zu können. Ihre Bemühungen führten zum Symbolismus und dem damals «Stilkunst» genann- ten Jugendstil, aber auch zur modernen Lichtmale- rei mit ihren realistischen und naturalistischen Tendenzen. August von Pettenkofen verehrten die Sezessionisten als wahren Vor-Impressionisten, ebenso Emil Jakob Schindler wegen seiner licht- übergossenen Gemälde.265 «Secessionismus» wurde in den Anfängen also immer wieder mit dem Be- griff «Freilichtmalerei» vermischt266 - schliesslich war die Entwicklung eines österreichischen im- 64
        

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