kurz nach 1820, als Daliinger vom fürstlich-liech- tensteinischen Galerie-Inspektor zum Direktor er- nannt worden war. Wie damals üblich, hatte er nicht nur die Aufgaben der Galerieverwaltung inne, sondern war als Künstler auch für die Restaurie- rung der Gemälde zuständig. Die Kirschholzmöbel, der Stuhl und die Staffelei, die Innendekoration - vermutlich des Palais Liechtenstein in der Herren- gasse in Wien - und auch seine Kleidung weisen auf die Stellung Dallingers in fürstlichem Dienst. Bewusst- gibt dieser sich aber auch als Künstler zu erkennen. Mit Malstock, Pinsel und Palette vor ei- nem Werk sitzend, schaut der Künstler für einen Moment von seiner Arbeit, er malt an einem Tier- stück, auf. Als ein Werk von Leopold Stoeber (1807-1832) hat sich heute das zur Zeit Johanns II. noch Franz Stoeber zugeschriebene «Selbstbildnis im Kreise der Eltern und Geschwister»210 (Abb. 40) herausge- stellt. Es ist das Bildnis einer Künstlerfamilie. Die Familie Stoeber hat sich in ihrem Wohnzimmer versammelt, um ein Werk des Sohnes Leopold zu betrachten. Mit Pinsel, Palette und Malstock in der Linken, mit der anderen Hand auf das Bild deutend erklärt er das Werk seinem Vater Christoph Ignaz, Vergolder und Schriftenmacher von Beruf, und sei- nen Brüdern Christoph und Franz; letzterer sollte selber Künstler werden. Die Mutter Anna Stoeber, geb. Kammer, sitzt auf einem Stuhl und blickt den Betrachter direkt an. Zu ihren Füssen sitzt der sechsjährige August und blättert im Skizzenbuch des älteren Bruders, während Friederike ihrer dreijährigen Schwester Franziska ein Blumenkörb- chen reicht.211 Stoeber wählte hier die Form des biedermeierlichen Familienporträts, das die Perso- nen als Handelnde darstellt und damit wieder in ei- nen genrehaften Zusammenhang stellt. Allerdings malte er zugleich sich selbst; auf diese Weise schuf er eine Mischform von Familienporträt, Selbstbild- nis und Genrestück. Mit der Erörterung der Künstlerbildnisse ist die Untersuchung des Bildbestandes der Wiener Bie- dermeiermalerei in der Galerie Liechtenstein abge- schlossen. Resümierend ist festzustellen, dass die systematische Ordnung der Werke nach Gattungen 
auch den Sammlungsprinzipien des Fürsten ge- recht werden konnte. So sammelte der Fürst Bilder von Künstlern, die, wie Waldmüller, in verschiede- nen Gattungen zu Hause waren, hauptsächlich in einer bestimmten Gattung, oder er verstand, wie bei Gauermann, das Werk mehrheitlich als einer bestimmten Gattung zugehörig zu betrachten. Aus- serdem versuchte Johann, die Hauptkünstler der wichtigen Gattungen der Wiener Biedermeiermale- rei in der Galerie vertreten zu haben, wie es sich bei den Landschaften von Waldmüller und Gauer- mann zeigte. Die Genrestücke sind zwar durch eine Vielzahl von Künstlern repräsentiert, doch auch hier waren vor allem die Hauptkünstler Fendi und Ranftl vertreten. Bildnisse sah der Fürst stark in inhaltlichem Zu- sammenhang. Entweder sollten Aussagen über die dargestellte Person durch genrehafte Umgebung oder Kleidung gemacht werden, oder es waren Künstlerbildnisse, die durch die Darstellung von Berufskollegen oder als Selbstbildnisse einen sub- jektiven Bezug herstellten. 54
        

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