FÜRST JOHANN IF UND SEINE SAMMLUNG DER WIENER BIEDERMEIERMALEREI / ROSWITHA FEGER KÜNSTLERBILDNISSE In der Galerie Johanns II. waren nur sehr wenige Biedermeierporträts ausgestellt. Das Bildnis war aber, wie Landschaft und Genremalerei,203 eine der Hauptgattungen der Wiener Biedermeiermalerei. Fast jeder Maler war auch Bildnismaler, denn das Selbstbewusstsein des neu erstarkten Bürgertums sorgte in diesem Bereich für genügend Aufträge. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden so viele Bildnisse wie nie zuvor und auch danach nicht mehr.204 Das Bildnis im Biedermeier zeichnet sich durch eine ebenbürtige Auffassung des Malers zum Por- trätierten aus, durch eine ehrliche und einfühlsame Beschreibung. Der Hintergrund bleibt neutral ohne ikonographisches Beiwerk, um den Menschen als solchen herauszustellen. Eher selten sind Räum- lichkeiten oder beispielsweise ein Schreibtisch an- gedeutet. Die dargestellten Personen sind hell und gleichmässig von einer entfernten Lichtquelle be- leuchtet. Sie agieren nicht, sondern lassen sich im fast lebensgrossen Brustbild frontal, wie vor einem Spiegel sitzend, malen.205 Unter den wenigen Bildnissen der Galerie Liech- tenstein zeichnen sich dennoch die Künstlerbild- nisse als eine Werkgruppe ab. Dargestellt sind Künstler, von Künstlern gesehen, oder auch Selbst- bildnisse, die sich damit inhaltlich von den Bürger- porträts abheben. Neben den Landschaften von Ferdinand Georg Waldmüller hatte Fürst Johann II. in seiner Galerie auch ein Bildnis des Künstlers ausgestellt, jenes von Karl von Moreau (1758-1841)20r' (Abb. 37), Ar- chitekt und Historienmaler in Wien. Die psychologische Erfassung des Gesichts von Moreau gelingt Waldmüller durch grosse Nähe zum Dargestellten. So war es möglich, jede Einzelheit zu berücksichtigen. Waldmüller schuf, durch die in Schwarz und Weiss gehaltene, mit etwas Rot ak- zentuierte Kleidung aus Samt und Seide und durch den hohen, aus Jackettrevers, Westenkragen und Jabot bestehenden Schulteraufbau, eine durchaus würdevolle Personendarstellung, die nicht wertfrei gemalt wurde. 
Eines der Künstlerporträts in der Galerie Liech- tenstein stellt Peter Fendi dar (Abb. 38).207 Sein Künstlerfreund Friedrich Amerling hatte es ge- macht. Es ist ein Brustbild in knappem Bildaus- schnitt mit neutralem, nur flüchtig gemaltem Bild- hintergrund und ohne schmückende Attribute. Auch der Mantel von Fendi ist eigentlich nur ange- deutet, genauso wie das Haar mit schnellem Pinsel- strich teilweise eher skizziert als gemalt ist. Alles lenkt die Konzentration auf das Gesicht. Im Drei- viertelprofil wiedergegeben, ist es eine Charakter- studie von höchster Einfühlsamkeit. Während die gedrungene Statur des Malers sein körperliches Gebrechen, eine Rückgratverkrümmung, wieder- gibt, kann in seinem Gesicht die damit verbundene psychische Verfassung abgelesen werden. Amerlings Künstlerbildnisse waren nicht zum Verkauf bestimmt, sondern reihten sich in seinem Atelier zu einer Galerie seiner Freunde.208 Das Selbstbildnis des Malers Johann Dallinger von Dalling (1782-1868)2W (Abb. 39) entstand wohl 199) Schröder. Klaus Albrecht: Franz Eybl. In: Wiener Biedermeier. München, 1992. Tafel 96. Schröder macht seine Feststellungen zu einer identischen Version des Bildes mit dem Titel «Die Erdbeerver- käuferin von Hallstatt». Ol auf Holz, 42 x 33,8 cm. Wien, Privatbesitz (ebenda). 200) 1854: Aquarell, 31 x 21 cm. 201) Öl auf Karton auf Leinwand, 25.5 x 18.5 cm. 202) Brugger, Ingried: Das Bildnis als Handlungsträger. In: Wiener Biedermeier. München, 1992. S. 53. 203) Dass die Genremalerei als Gattung des Biedermeier verstanden werden darf, stellt Georg Himmelheber in Frage. Es ist hier aber nicht der Ort, dieser Frage nachzugehen, zumal die Sammlung Liechtenstein immer mit den Augen des Fürsten Johann betrachtet werden muss und der Vergleich von seiner Rezeption und der heutigen nur erklärend angestellt werden darf. Vgl. dazu Himmel- heber, Georg: Kunst des Biedermeier. In: Kunst des Biedermeier 1815-1835. Kat. Ausst. München, 1988, S. 41 f. 204) Ebenda, S. 41. 205) Ebenda. 206) 1822; Öl auf Leinwand. 55 x 44 cm. 207) 1833: Öl auf Leinwand, 52 x 42 cm. 208) Baumstark 1983, S. 24. 209) Um 1820; Öl auf Holz. 31 x 25 cm. 51
        

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