nach folgt die nicht weniger prosaische Beschrei- bung: «Eine Frau mit einem Kinde am Arm und ein bar- füßiger Knabe, der Gebetbuch und Schuhe trägt, gehen zur Kirche, die sich rechts im Hintergrunde zwischen Bäumen erhebt».1*2 Eine ungleich treffendere Beschreibung liefert hin- gegen Baumstark: «Rührend-sentimental gibt sich Ranftls Gemälde als Schilderung von ländlicher Sonntagsstimmung und behüteter Kindheit auf rechtem Pfad».]S3 Eines der beliebtesten Themen der Genremaler aber war die Hochzeit, die in verschiedenen Sze- nen, auch als Zyklus, dargestellt wurde. Johann II. zeigte zwei Gemälde von Eduard Rit- ter: «Einschreibung zur Trauung»184 und «Das Hoch- zeitsmahl».185 Die verschiedenen Ereignisse einer Hochzeit eignen sich hervorragend dazu, Geschich- ten zu erzählen. Solche Hochzeitsbilder sind aller- dings nicht mehr zu vergleichen mit der hundert Jahre früher entstandenen gesellschaftskritischen Gemälde- beziehungsweise Stichfolge der «Marria- ge ä la Mode» von William Hogarth. Die Auffassung hatte sich grundlegend geändert. Nicht unmorali- sche Heiratsabsichten oder falscher Lebenswandel waren im Biedermeier Thema, vielmehr wurden Mahnungen und Symbole für eine gute und segens- reiche Lebensführung in diese Zyklen verpackt.18'' Als weiterer grosser Genremaler des Wiener Bie- dermeier war Friedrich Treml (1816-1852) in der Galerie vertreten. Seine Werke wurden besonders von der Wiener Aristokratie sehr geschätzt. Als Schüler und Freund von Peter Fendi - er heiratete 1842, nach Fendis Tod, dessen Nichte - war Treml von Fendi stark beeinflusst.187 Doch wie bei Ranftl haben auch seine Genrebilder keinen hohen mora- lischen Anspruch.188. «Die Glockenweihe»189 ist eine besonders reiz- volle Darstellung dörflichen Geschehens. Die Men- schen treffen sich zur feierlichen Weihe der neuen Kirchenglocke. Auf einem von Pferden gezogenen Wagen wird die blumengeschmückte Glocke vor die Kirche gebracht. Der Pfarrer und seine Ministran-ten 
warten bereits vor dem Kirchenportal. Neben dem Wagen laufen zwei mit Blumen bekränzte Mädchen in weissen Kleidern, die von der Glocke herunterfallende rosa Seidenbänder halten. Die Dorfbewohner, in Sonntagstracht gekleidet, neh- men am Ereignis teil; einige von ihnen sind ehr- fürchtig auf die Knie gefallen. Da die von der Sonne hell erleuchteten Figuren im Vorder- und Mittel- grund farblich miteinander kontrastieren, tragen sie zu einer gewissen Geschäftigkeit im Bild bei. Die Wiedergabe des Geschehens in einer sonntäg- lich sauberen Stimmung verherrlicht bürgerlich fromme Werte. Als einziges Beispiel des Militärgenres in der Ga- lerie Liechtenstein sei nachfolgend ein Soldaten- stück, «Dragoner beim Kartenspiel»190 (Abb. 31), von Treml angeführt. In einem Wachlokal sitzen Dragoner in ihren weissen Uniformen beim Kartenspiel. Die Runde wird von Kerzenlicht und vom Licht des Mondes, das durch das Portal scheint, erhellt. Einer der Sol- daten sitzt bereits auf seinem Pferd, Helm und Ge- wehr tragend, um seine Wachrunde anzutreten. Er wirft noch einen letzten Blick auf den Stand des Kartenspiels, bevor er geht. Treml nutzte durch die Nachtdarstellung den Kontrast der dunklen Wach- 182) Ebenda. 183) Baumstark 1983. S. 38. 184) 1851; Öl auf Holz, 36 x 28 cm (Kronfeld, S. 221, Nr. 2107). Das Gemälde befindet sich heute nicht mehr in der Sammlung. 185) 1851; Material nicht angegeben, 36 x 28.5 cm (Kronfeld, S. 223, Nr. 2116). Das Gemälde befindet sich heute nicht mehr in der Sammlung. 186) Vgl. dazu Etzlstorfer. Hannes: Eduard Ritter. In: Wiener Bieder- meier. München, 1992. T. 175: «Abschied der Braut», 1850. Öl auf Holz, 48 x 60 cm. Privatbesitz, Wien. 187) Brugger, Ingried: Friedrich Treml. In: Wiener Biedermeier. München, 1992, T. 152-164. - Im Folgenden zitiert als: Brugger. 188) Frodl 1987, S. 27. 189) 1846; Öl auf Leinwand. 66 x 52,7 cm (Kronfeld, S. 219, Nr. 2093). Das Gemälde befindet sich heute in Wiener Privatbesitz. Eine Reproduktion des Bildes zwecks Abbildung in diesem Aufsatz war leider nicht zu bekommen. 190) 1840; Karton. 26 x 23 cm. 44
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.