ben, eine graue Luft».116 Gauermann hat die Hirtin, die mit dem Rücken zum Betrachter sitzt, nicht er- wähnt. Hauptdarsteller sind die Tiere, aber viel- mehr noch, die Stimmung. Solche Weidenidyllen in kleinem Format, mit weitem Horizont, sind typisch für das Spätwerk des Künstlers."7 Atmosphäre, durch Tageszeiten verändertes Licht und eine all- mähliche Ton in Ton Malerei, akzentuiert durch im Licht aufleuchtende Flächen, kennzeichnen Gauer- manns Malerei in diesen Werken. Der heutige Betrachter würde die Werke Gauer- manns, die in der Galerie zu sehen waren, eher als Genrestücke verstehen denn als Landschaften. Ei- nerseits malte Gauermann Szenen aus dem alltägli- chen Leben der Bauern, narrativ bis ins kleinste Detail, andererseits tritt die Landschaft nie vor dem menschlichen Handeln zurück. Schon den Zeitgenossen war die Schwierigkeit der Gattungszuordnung bekannt. Zur Erläuterung ist es notwendig, im Folgenden eine längere Passa- ge des Bildhauers Johann Preleuthner aus der «Wiener Zeitschrift» wiederzugegeben: «Ich setzte Friedr. Gauermann mit seinen Bildern der diesjährigen Ausstellung mit Vorbedacht an die Spitze der Landschaftsmaler... . Ich weiß, daß die- ser Meister mehr Gewicht auf das legt, was sonst nur als Staffage gilt und daß deßhalb seine Schöp- fungen nicht als reine Landschaften betrachtet wer- den. ... Meines Erachtens gehören zur Landschaft alle Kunsthervorbringungen, in denen die Natur- szene, das Landschaftliche darin, den Hauptein- druck hervorbringen soll. ... Wer wird nicht von Staunen ergriffen, wenn er vor dieses Künstlers  hin- tritt, und die darin herrschende Bewegung der Na- tur, den herannahenden Kampf der Elemente, und die dadurch begründete Anstrengung von Men- schen und Thieren sieht».118 Die Begründung Preleuthners ist plausibel. Auch Fürst Johann II. fasste die Gemälde Gauermanns vermutlich eher als Landschaften auf, da die mei- sten Titelbezeichnungen der Gauermanngemälde in der Galerie Liechtenstein das Wort «Landschaft» beinhalten. 
Nicht nur im Werk von Friedrich Gauermann wirkt das barocke Effektstück weiter, sondern auch in den Regenlandschaften Ignaz Raffalts (1800- 1875) hat es das Hochbiedermeier überdauert."9 Die Atmosphäre als bestimmendes Kompositions- element, als eigentliches Bildthema, war in der Ga- lerie Liechtenstein in den Werken Ignaz Raffalts zu sehen. Raffalt hatte ebenfalls, von 1820 bis 1825, von Josef Mössmer Unterricht erhalten;120 durch Mössmer wurde das Erbe Brands auch an ihn wei- tervermittelt. Das schönste Beispiel in der Samm- lung ist die «Flusslandschaft»1-1 (Abb. 17), heute auch «Bootsfahrt nach dem Regen» bezeichnet. Nach Kronfeld beschränkt sich die Stimmung auf atmosphärische Vorgänge, vergleichbar mit der Wetter- und Unwetterpoesie, wie sie Nikolaus Lenau (1802-1850), Dichter der Schwermut und Vergänglichkeit, liebte.vu Die gewaltigen Wolkenge- bilde, durch die dramatisch die Sonnenstrahlen brechen, ebenso der tiefe Horizont mit der flachen Landschaft, sind Anleihen aus der holländischen Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts. Doch die biedermeierliche Stimmungsauffassung ist aufhei- ternd und verheisst Sonnenschein. Der Regen ist abgezogen, das Wasser hat sich beruhigt, und die Bauern können nun übersetzen und das im Wald gesammelte Holz ins Dorf bringen. DIE WIEDERENTDECKUNG DER NATUR Eine der wichtigsten Leistungen der Biedermeier- landschaft war die realistische Wiedergabe der Na- 11 6) Ebenda. I I 7) Feuchtmüller 1987. S. 86. 118) Zitiert nach Feuchtmüller 1987, S. 39. Aus: Wiener Zeitschrift 1838. S. 317. 119) Pötschncr. Peter. Wien und die Wiener Landschaft. Salzburg, 1978. S. 90. 120) Baumstark 1983. S. 117. 121) 1849; Öl auf Holz, 35 x 45 cm. 122) Kronfeld. S. 210. Nr. 2040. 28
        

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