HISTORISCHER VEREIN FÜR DAS FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN 2002 Vorarlberger Sprachatlas mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein TÄTIGKEITSBERICHT 2002 Zu Beginn des Berichtsjahrs mussten die Druckvor- lagen für die dritte Lieferung von Band III (Morpho- logie) hergestellt werden. Sehr arbeitsaufwendig waren die restlichen fünf Karten für den Konsonan- tismus, wofür das gesamte Originalmaterial - für Liechtenstein rund 30 000 Einzelbelege - exzerpiert werden musste. So konnte unter anderem auch der walserische Wandel von germ. «s» zu «sch» heraus- gearbeitet werden, der auch für die Mundart von Triesenberg charakteristisch ist. Beispiele hierfür sind böösch für «böse», schi für «sie» und für «sich» oder etwa Hüüscher für «Häuser». Bei der Morphologie wurde zunächst das soge- nannte «Normalverb» dargestellt. Hier kam zuerst die Darstellung des Präfixes ge-, welches in Liech- tenstein häufig zu kch- verändert wird. Beispiele dafür sind kchmachet für «gemacht», kchnau für «genau», kchnuag für «genug», kchnoo für «genom- men». Dies ist ein Wandel, der im Fürstentum an Boden gewinnt. Weiters folgte die Darstellung der Endungen der Verba, die in Liechtenstein (ohne Triesenberg) in der Regel mit -en(d) enden. Als dies- bezügliche Beispiele können angeführt werden: (Wir, ihr, sie) machenfd), koofenfd) «kaufen», lau- fen(d). Begonnen wurde im Berichtsjahr auch mit der Darstellung der starken beziehungsweise der schwachen Endung bestimmter Verba: paua und paut für «gebaut», prunna und prennt für «ge- brannt», oder auch graua und greut für «gereut» seien hier stellvertretend genannt. Für die Erarbei- tung dieser Darstellung waren viele briefliche und telefonische Umfragen notwendig, wenn Lücken im Material vorhanden waren. Zu allen Fällen und Pro- blemen wurden ausführliche Kommentare verfasst. Ebenso wurde die Reinschrift der Kommentare so- wie der Legenden vom Unterzeichnenden besorgt. Er stellte auch die Codierungslisten her und führte zahlreiche Korrekturen aus, so dass schliesslich die- se Lieferung im Sommer 2002 erscheinen konnte. Daraufhin wurde damit begonnen, die aufgrund der Vorarbeiten von Dr. Hubert Klausmann in einer Rohfassung vorliegenden Druckvorlagen von Band V zu überarbeiten. Band V bildet den zweiten Teil des Bereichs Wortgeographie. Einige komplexe Kar-ten 
konnten vom Unterzeichnenden ergänzt wer- den. Diese Karten stellen vorwiegend einen heute veralteten Wortschatz dar. Beispiele solcher ausge- storbener Wörter sind feja für «spielen junger Kat- zen» oder etwa Pfolba für die «Querstange am Holz- schlitten» beziehungsweise für das «Unterkissen». Weiters wurde das Wortfeld «Hausschwein» voll- ständig behandelt. Dabei wurde die Besonderheit des Liechtensteiner Oberlandes dargestellt. Im Oberland sagt man Fäärle auch für das erwachsene Tier. Im Liechtensteiner Unterland ist hingegen das Wort Suu gebräuchlich. Zahlreiche weitere wortgeographische Verhält- nisse, die für das gesamte im Sprachatlas dargestell- te Gebiet interessant sind, konnten dargestellt wer- den. Zum Beispiel wurden folgende Begriffe an- schaulich gemacht: kaplöo beziehungsweise Früa- messer für «Kaplan», wärcha und schaffet für «arbeiten», Eselstuhl beziehungsweise Bschüdesel für «Schneidbank» oder auch luag für «schau!». Diese Ergebnisse konnten im Rahmen der zwei- ten Lieferung von Band V auf Ende 2002 publiziert werden. Damit ist wieder ein wichtiger und interes- santer Wortschatz, der vor 40 Jahren vom Unter- zeichneten in Liechtenstein erstmals erhoben wur- de, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Wangen, 17. Dezember 2002 VORARLBERGER SPRACHATLAS MIT EIN- SCHLUSS DES FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN Professor Dr. Eugen Gabriel ANSCHRIFT Vorarlberger Sprachatlas mit Einschluss des Fürsten- tums Liechtenstein Flandernstrasse 13/1 D-88239 Wangen im Allgäu Tel. 0049/7522/809 11 Fax 0049/7522/293 Ol 271
        

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