Gemälde Waldmüllers, Pettenkofens und Spitzwegs waren als Werkübersicht nebeneinander gehängt. Für Spitzweg war ein eigenes «Spitzwegzimmer» eingerichtet.70 WILHELM VON BODE Soweit Llinweise auf die Ankaufsmodalitäten über- liefert sind, hat Johann II. seine Gemälde durch Agenten erworben, die in seinem Auftrag die ge- wünschten Objekte auf Auktionen ersteigerten oder im Kunsthandel kauften.7' Rechnungsquittungen im Briefwechsel, den der Fürst von 1889 bis 1914 mit Bode führte, weisen darauf hin, dass Wilhelm von Bode, Direktor der königlichen Museen zu Ber- lin, als Kunstagent des Fürsten tätig war.72 Bode hatte im Allgemeinen auf die Sammeltätig- keit des Fürsten massgeblichen Einfluss. Johann fragte ihn nicht nur um Rat, wenn er eine Erwer- bung für die Galerie plante, sondern auch bei pri- vaten Kunstangelegenheiten. Als der Fürst beab- sichtigte, den Salon in Schloss Eisgrub mit neuen Gemälden auszustatten, holte er Bodes Meinung und Ratschlag ein.73 Wilhelm von Bode galt als einer der besten Ken- ner auf verschiedensten Gebieten der Kunst. Sein Urteil zu Qualität und Wert eines Kunstobjektes war gleichsam die Garantie für eine ideell und ma- teriell sinnvolle Investition.74 Die Beziehung dieser beiden unterschiedlichen «Museumsmänner» soll im folgenden kurz beleuch- tet werden, um das Kunstverständnis des fürstli- chen Sammlers besser zu verstehen. Das erste Zusammentreffen fand im Jahr 1870 statt, als Bode nach Wien ging. Er war noch Stu- dent und sollte seine Studien im gleichen Jahr mit seiner Promotion über «Frans Hals und seine Schule» in Leipzig abschliessen. In Wien wohnte Bode mit William Unger beim Kupferstecher Jaco- by zur Untermiete. Unger, als Radierer an der Gale- rie Liechtenstein tätig, war es wohl, der Bode dort einführte. Bode studierte eingehend die fürstliche Sammlung und knüpfte mit LIilfe des Fürsten wert- volle Kontakte für seine berufliche Laufbahn, so 
zum Beispiel zu Privatsammlern in St. Petersburg.75 Scheinbar hatte die Beziehung Bestand: Darauf weist eine zehn Jahre später dem Kaiser-Friedrich- Museum in Berlin geschenkte Terrakotta-Büste ei- nes Mönchs hin, die Donatello zugeschrieben wird.76 Seit 1872 war Bode Direktorialassistent der Antiken Sammlung der Königlichen Museen zu Ber- lin und mit der Aufgabe betraut, eine Sammlung von Gipsabgüssen italienischer Renaissanceplastik aufzubauen.77 Immer noch folgten Schenkungen von Kunstobjekten oder Geldbeträgen an das Berli- ner Museum,78 die auf die beratende Tätigkeit Bo- des für den Fürsten schliessen lassen. Dies war die einzige Art von Bezahlung, die sich Bode für seine Hilfe wünschte. Entweder erwartete er von seinen Sammlern Schenkungen an das Berliner Museum oder aber das Vorkaufsrecht bei der Versteigerung von Kunstnachlässen.79 Die Beziehung von Johann II. und Bode scheint durchaus freundschaftlich gewesen zu sein. Bode berichtet in seinen Memoiren, dass er den Fürsten 1889 auf der Weltausstellung in Paris getroffen und mit ihm die Sammlungen von Bodes Kunstfreun- den besucht habe. Anschliessend seien Johann II. und Wilhelm von Bode gemeinsam nach London gefahren, um die dortigen Privatsammlungen zu besuchen.80 Bode schätzte den Fürsten dennoch nicht als ausgezeichneten Kunstkenner ein: «Vielseitig gebildet, hatte er für Kunst grosses In- teresse, jedoch mehr allgemeine Begeisterung als feineres Verständnis».^ Vermutlich stellte er sich aufgrund seiner umfas- senden Tätigkeit für die Sammlung Liechtenstein, vehement auf die Seite des Fürsten, als dieser von den Wiener Zeitungen immer wieder diffamiert wurde. Bode musste sich persönlich angesprochen fühlen: «Was er auch tat und was er unterließ, er wurde regelmäßig in den Wiener Zeitungen in der wider- wärtigsten Weise angegriffen und seine besten Er- werbungen wurden elend verrissen ...».S2 18
        

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