Zur Baugeschichte PETER ALBERTIN Wohnhaus, Südostansicht um 1900 
Am sanften, nordwestgerichteten Abhang oberhalb Schaans an der Strasse nach Planken liegt das Gehöft Gamander75 in weitem, hochstammbestock- tem Wiesland und strahlt in sorgfältig unterhalte- ner, herrschaftlicher Architektur barocker Prä- gung. Die einst mit einer Hofmauer umfriedete An- lage umfasst das repräsentative Wohnhaus für eine bis zwei Familien und eine vorerst sehr voluminöse Stallscheune, letztere deutet auf intensiven Getrei- debau und Viehwirtschaft mit ausgeprägter Stall- haltung. Stallhaltung galt im frühen 18. Jahrhun- dert als revolutionäre Landwirtschaftsform. Gleich oberhalb der Gebäulichkeiten führt ein historischer Verkehrsweg «Obere Reichsstrasse» von Nendeln über Dux - Vaduzer Oberdorf - Schloss Vaduz - Meierhof - Triesner Oberdorf nach Balzers und verband einst die Kultur- und Wirt- schaftszentren Deutschlands und Italiens. Es scheint, der Gamanderhof sei auf diesen in der Kolleffelkarte von 1756 (siehe Ahb. S. 200) noch als bedeutende Verkehrsachse eingetragenen Weg aus- gerichtet - der Weg verlor jedoch im ausgehenden 18. Jahrhundert nach dem Ausbau der «Unteren Reichsstrasse» Nendeln - Schaan - Vaduz seine Be- deutung. Nur fünf Jahre vor dem Bau des Gaman- derhofes entstand auf Dux an Stelle einer älteren die heutige Kapelle. Der 1721/22 d entstandene Hof Gamander stellt den einzigen erhaltenen, in barocker Art geplanten und erstellten Herrenhof Liechtensteins dar. Das Baudatum ist durch Rentamtsabrechnungen und die Jahrzahl 1720 i auf den beiden Wetterfahnen des Wohnhausdaches belegt. Zudem zeichnete der Lindauer Geometer Johann Jakob Heber die Anla- ge 1721 in Grundrissen und Ansichten und überlie- ferte uns das Wissen um Gestaltung, Funktion und Nutzung der Hofgebäude - Bauabrechnungen und insbesondere Planzeichnungen derart früher länd- licher Bauten sind eine besondere Seltenheit und bezeugen die fürstliche Bauherrschaft und die da- malige aussergewöhnliche Bedeutung des Hofes (siehe Ahb. S. 208). Die dendrochronologische Datierung diverser Bauhölzer verweist die Ausführung der Bauarbei- ten in die Jahre 1721 und 1722 - als fürstlicher 214
        

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