Argumentation in einer von ehemaligen und amtie- renden Landammännern beider Landschaften an den Fürsten gerichteten Eingabe.64 Und die Gesuch- steller versäumen es auch nicht bei dieser Gelegen- heit auf die grosse Bedeutung hinzuweisen, die der Verpachtung von herrschaftlichen Gütern für das ganze Land zukomme: «... da durch an gesamt landesherrliche Milde bißhin Arme, Wittwen und Weisen, auch bemittelte Unterthanen die nunmehro zu veräussern seyn sollende Grundstück nicht nur zu ihrem eigenen Nahrungs Stand, sondern mit der Würckung zu Nuzen gehabt, dem gemeinen Weesen desto ehender in denen Kreißanlagen, Frondien- sten, überlästigen Wuhren und Thammen, auch Un- terhaltung der Landstrassen und, kurz zu reden, in allen gemeinsammen Bürden eine zimliche Erleich- terung zu verschafen ,..».65 Dennoch - der Verkauf des unrentablen Gamanderhofes scheint wohl be- schlossene Sache gewesen zu sein -, der Tag zu des- sen Versteigerung wurde auf den 28. August 1780 angesetzt. Ob es der erwähnten Bittschrift zuzu- schreiben ist oder ob die darin zum Ausdruck ge- brachte Angst vor der Steigerungskonkurrenz der über grössere finanzielle Ressourcen verfügenden Klöster doch übertrieben war, ist kaum zu ent- scheiden, jedenfalls erhielt die «Genoß Schaan» für 15 000 Gulden den Zuschlag. Im anschliessend zwischen den Vertretern der Gemeinde und dem fürstlichen Oberamt ausgehandelten und am 26. September abgeschlossenen Kaufvertrag um den «sogenannten Mayerhof Ganimandra ausser Schaan gelegen mit samt aller Zugehör, als nämlichen LIaus und Stall, die alt und neue Gammandra in einem Einfang, dann dem darzugehörigen großen Acker auf der Rebera, jtem dem darzugehörigen Acker in Mallarsch und einem Acker im Roßfeld, wie nicht weniger fünfzehen hin und wider gelegene große und kleine, äzige und unäzige Streue-Mäder, dann auch dreißig vier Stuk andere hin und wider in der Gemeind Schaan zerstreut gelegene Aecker und Gründe»66 wurden die mit dem Verkauf verbunde- nen Auflagen und Zahlungsmodalitäten genau fest- gelegt. Die Kaufabwicklung allein kostete die Ge- meinde 133 Gulden und 4 Kreuzer, wobei nur schon die zur Llälfte zu übernehmende «Kanzley Tax», 
die Schreibgebühren also von insgesamt 80 Gulden und 56 Kreuzer rund 40 Gulden betrugen.67 Der Kaufpreis von 15 000 Gulden selbst sollte mit einer fünfprozentigen Verzinsung innerhalb von fünf Jahren abbezahlt werden.68 Diese Frist konnte je- doch nicht eingehalten werden, sodass der Erwerb des Gamanderhofes schliesslich, die dafür aufge- wendeten Zinszahlungen eingerechnet, in der durch die hochfürstlich-liechtensteinische Oberamtskanz- lei am 6. August 1791 ausgestellten «Haupt-Quit- tung» der Gemeinde Schaan auf 19 587 Gulden und 42 Kreuzer zu stehen kam.69 Dass der Kaufpreis den Finanzhaushalt der Gemeinde stark belastete, muss auch dem Fürsten bewusst gewesen sein, je- denfalls bewilligte er ein kurz nach dem Verkauf eingereichtes Gesuch um Steuerfreiheit für den Ga- manderhof und der dazugehörigen Grundstücke auf zwanzig Jahre.70 Der Hof blieb nur kurze Zeit im Besitz der Gemeinde, denn bereits 1787 werden in einem mit der Gemeinde geschlossenen Vertrag bezüglich des Unterhalts des Brunnens im Ga- mander als neue Besitzer Christoph und Anton Frommelt erwähnt.71 Und Landvogt Josef Schupp- ler bemerkt in seiner Landesbeschreibung 1815: «Nordöstlich vor der Gemeinde [Schaan] liegt ob der Landstrasse ein ehedem landesfürstlich gewe- senes Mayerhofgebäude der Gamandrahof genannt, der samt den hiezu gehörigen Gütern im Jahre 1780 auf allerhöchste Anordnung stückweise an Private um 15 000 Gulden verkauft worden .,.».72 Gut siebzig Jahre lang war der herrschaftliche Meierhof im Gamander im Besitz der Landesfürs- ten gewesen. 1719 erbaut, bis 1734 in Eigenwirt- schaft betrieben, danach in Pacht ausgegeben und schliesslich 1780 als unrentabler Landwirtschafts- betrieb veräussert, lag das Geschick des Gaman- derhofes fortan in den Händen von privaten Eigentümern. Dazu vielsagend Johann Georg Hei- bert73 in seiner Chronik: «Im Frühjahr [1781] wur- de der sogenannte landfürstliche Bettlerhof ver- kauft wie auch der Gamanderhof zu Schaan gele- gen samt allen anderen Herrschaftsgütern, so zu Schaan gelegen, welches alles die Bauern kauften und damit zugrunde gingen».74 212
        

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