rend des Umbaus des Stadtpalastes bezog die Fa- milie Liechtenstein das Palais Rasumofsky als vorü- bergehenden Wohnsitz.47 Das Kinderbildnis auf der Staffelei im Raum stellt vermutlich ein im Jahre 1840 von Amerling gemaltes Porträt der Prinzessin Sophie von Liech- tenstein dar.4S Nach Arthur Roessler hatte Alt behauptet, das Aquarellmalen durch die Interieurs gelernt zu ha- ben, die er für die österreichischen Aristokraten zu malen hatte.49 Auch Peter Fendi (1796-1842) malte für die Fa- milie von Liechtenstein Aquarelle. Er porträtierte in Genrestücken die Prinzen und Prinzessinnen Liechtenstein beim Spielen in Eisgrub, beim Unter- richt oder bei einer Stickerei. Ein Beispiel dieser Kindergenrestücke ist das Blatt «Die Prinzessinnen Marie und Karoline von Liechtenstein in Schloss Eisgrub»™ (Abb. 3). Im Jahre 1840 malte Fendi die beiden Schwestern, wie sie am offenen Fenster sit- zen und mit Sticken beschäftigt sind. Auch Fendi konnte, wie Alt, sogar das Kaiser- haus mit seiner Aquarellkunst begeistern; Erzher- zogin Sophie wurde für ihn zu einer wichtigen Auf- traggeberin.51 Als weiterer Künstler stand Friedrich Gauer- mann (1807-1862) in engem Bezug zur Familie von Liechtenstein. Er begleitete die grossen Jagden im Liechtensteinischen Revier bei Lundenburg in der Pohanska, wo Alois II. ein Jagdschloss in den Auen der Thaya besass.52 Das erste Zeugnis eines solchen Jagdausflugs ist ein Brief, den Friedrichs Vater Jakob Gauermann (1773-1843) am 9. Okto- ber 1833 an seinen Sohn schrieb: «Uns freut es sehr, daß ... du eine Parforcejagd gesehen und vom jungen Fürsten Liechtenstein so ehrenvoll ausge- zeichnet worden bist».53 Aus dem gleichen Jahr da- tiert eine Bleistiftzeichnung Gauermanns, die sich in der Sammlung des Fürsten von Liechtenstein be- findet und eine solche Hetzjagd mit Hunden in Feldsberg wiedergibt (Abb. 4).54 Gauermann beglei- tete den Fürsten von Liechtenstein mindestens bis 1853 in dessen Jagdreviere, denn aus diesem Jahr datiert ein Brief Gauermanns an seinen Freund Friedrich Wilhelm Fink, Lithograph und Kupferste-cher, 
in dem er ihm von seinen Naturerlebnissen in Lundenburg berichtet.55 Eine so enge Beziehung zum Hause Liechten- stein unterhielt, soweit bekannt, nur noch der Aquarellist Josef Höger (1801-1877). Er war nicht nur Zeichenlehrer der Prinzen und Prinzessinnen Liechtenstein, sondern auch ständiger Begleiter auf Reisen und bei Landaufenthalten. Fürst Alois von Liechtenstein war Högers lebenslanger Mäzen.5(1 In gleicher Weise wie Alt hielt auch Höger die Besit- zungen des Fürsten von Liechtenstein in zarten Aquarellen fest, so zum Beispiel das Teichschloss57 (Abb. 5), ein in der Teichlandschaft bei Eisgrub und Feldsberg gelegenes Lustgebäude. Die Tatsache, dass diese Zeugnisse der Künstler- beziehungen von Alois II. auch zu seinen Lebzeiten nie in der Galerie ausgestellt wurden, macht die Perspektive deutlich, mit welcher der Fürst die Kunst betrachtete. Das selbstverständliche Beglei- tetsein von Künstlern sowie die Art der Auftrags- vergabe sprechen für eine traditionell aristokrati- sche Vorstellung von der Funktion, die Kunst ha- ben soll. Einerseits war sicherlich der Gedanke an den Nachruhm vorhanden, da alle Besitzungen pe- nibel künstlerisch dokumentiert werden mussten. Damit verbunden war natürlich auch das Reprä- 47) Koschatzky 1989, T. 21. 48) Vgl. dazu die Bildbeschreibung in Probszt, S. 129. Nr. 485. Öl auf Leinwand, 51 x 44,5 cm. Erworben von Prinzessin Anna Schwarzen- berg, Gusterheim, Steiermark (Ebenda). 49) Roessler, Arthur: Rudolf von All. Wien, Leipzig. 1921. S. 8. 50) 1840; Aquarell. 21,8 x 25 cm. 51) Grimschitz, Bruno: Die Altwiener Maler. Wien. 1961. S. 23. - Im Folgenden zitiert als: Grimschitz 1961. 52) Feuchtmüller, Rupert: Friedrich Gauermann. Rosenheim, 1987. S. 28. Im Folgenden zitiert als: Feuchtmüller 1987. 53) Zitiert nach Feuchtmüller 1987, ebenda. Was für eine Auszeich- nung das war und in welcher Form, ist leider nicht überliefert. 54) 1833; Bleistift auf Papier, 31 x 25.7 cm. 55) Feuchtmüller 19S7. S. 68. 56) Katalog des künstlerischen Nachlasses des Landschaftsmalers Josef Höger. Wien. 1878. S. IV. 57) 1839; Aquarell, 31.5 x 23.3 cm. 10
        

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