Voraussetzungen und Entwicklung der Sammeltätigkeit Johanns II. FÜRST ALOIS II. (1836-1858) UND SEINE HOFKÜNSTLER Alois II. war ein Herrscher im konventionellen Sin- ne. Standesgemäss verkehrten daher viele Künstler am Fürstenhof. Sie hatten die fürstlichen Familien- mitglieder zu porträtieren, die Besitztümer zu ma- len und die herrschaftlichen Jagden zu dokumen- tieren. Alois II. gehörte indes nicht zu den herausragen- den Sammlerpersönlichkeiten des Hauses Liech- tenstein. Er tat sich vielmehr als Bauherr hervor. Der Umbau des Majoratshauses in Wien (1837-48) im Stil des sogenannten Zweiten Rokoko37 weist ihn aber als einen Mann von ausgesprochen aristokra- tischem Kunstempfinden aus. Seine Bautätigkeit und sein Verhältnis zur Kunst machten ihn den- noch zu einem grossen Mäzen seiner Zeit. Obwohl sich seit dem Zeitalter der Aufklärung das Verhältnis zwischen Künstler und Aristokratie grundlegend geändert hatte, und der Künstler sich vom adeligen Auftraggeber unabhängig glaubte, sah die Wirklichkeit in vielen Fällen doch anders aus. Die Legitimation der aristokratischen Macht durch Kunst war nach dem Zerfall der konventio- nellen Machtstrukturen Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr glaubwürdig.35 Dennoch boten die Für- stenhöfe den Künstlern oft noch im 19. Jahrhun- dert eine Existenzgrundlage.39 So verhielt es sich auch am Hofe Alois' II. Nicht nur für den Umbau des Majoratshauses beschäftig- te er viele namhafte Künstler der Zeit - der Palast wurde im Volksmund das «Künstlerversorgungs- haus» genannt40 - sondern er vergab besonders an zeitgenössische Maler viele Aufträge. Die Künstler gehörten gewissermassen zum Hofstaat. Vom gefragtesten Porträtisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Friedrich von Amerling (1803-1887),41 liess Alois sich selbst und seine Kin- der malen. Das schönste Beispiel dieser Kinderpor- träts ist das Bildnis der Prinzessin Marie Franziska von Liechtenstein (1834-1909), der ältesten Toch- ter von Alois, im Alter von zwei Jahren42 (Abb. 1). Die Familie Liechtenstein trug mit ihren Porträtauf- trägen wesentlich zum Aufstieg des Künstlers bei.43 
Auch den Aquarellmaler Rudolf von Alt (1812- 1905) entdeckte Alois, ähnlich wie Amerling, auf der Höhe seines Schaffens. Alt war noch zu unbe- kannt, um eine gesicherte Existenzgrundlage zu haben. Er hatte aber auf einer Dalmatienreise, im Spätherbst 1840, für das Illustrationswerk «Pitto- reskes Österreich», welches 1840 bis 1843 von Heinrich Friedrich Müller in Wien herausgegeben wurde, landschaftliche Aufnahmen gemacht. Min- destens zehn während dieser Reise entstandene Aquarelle kamen in kaiserlichen Besitz und wur- den Lieblingsbilder Kaiser Franz Josephs. Noch waren solche Blätter schlecht bezahlt, doch von diesem Zeitpunkt an ergingen auch viele Aufträge des Fürsten von Liechtenstein an Rudolf von Alt.44 1844 beauftragte ihn der Fürst mit der Aufnahme des Ahnensaales der Burg Liechtenstein, des Gar- tenpalais' in der Rossau, sowie des Palais' Rasu- mofsky als auch verschiedener Schlösser in Böh- men und Mähren.45 Eines dieser Blätter zeigt das Schreibzimmer des Fürsten von Liechtenstein im Palais Rasumofs- ky an der Landstrasse in Wien (Abb. 2).4(11836 hat- te Alois das 1810 erbaute Palais vom russischen Gesandten Fürst Andreas Rasumofsky erworben. Nach einem Brand im Jahr 1814 war die gesamte Ausstattung zerstört worden, woraufhin Alois es neu und prunkvoll hatte ausstatten lassen. Wäh- 37) Wilhelm 1976, S. 153 ff. und Abb. 15. 38) Börsch-Supati. Helmut: Die deutsche Malerei von Anton Graff bis Hans von Marecs 1760-1870. München. 1988. S. 248. - Im Folgen- den zitiert als: Börsch-Supan. 39) Ebenda. S. 339. 40) Wilhelm 1976. S. 154. 41) Probszt, Günther: Friedrich von Amerling. Zürich, Leipzig, Wien. 1927. S. 22. - Im Folgenden zitiert als: Probszt. 42) 1836; Öl auf Leinwand. 33 x 27 cm. 43) Probszt. S. 36. 44) Koschatzky. Walter: Rudolf von Alt 1812-1905. Salzburg. Wien. 1989. S. 155. - Im Folgenden zitiert als: Koschatzky 1989. 45) Ebenda, S. 157. 461 1842: Aquarell, 29,3 x 37,3'cm. 8
        

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