DIE FUNDMÜNZEN VOM KIRCHHÜGEL BENDERN HARALD RAINER DERSCHKA DIE MODERNEN FUNDMÜNZEN Der Quellenwert moderner Fundmünzen ist ten- denziell bescheiden: Während antike, mittelalterli- che und teilweise noch frühneuzeitliche Fundmün- zen eine wichtige, mitunter sogar eine exklusive wirtschaftsgeschichtliche Quelle darstellen, ist die Aussagekraft moderner Fundmünzen beschränkt. Zum einen nahm die Verwendung nichtmünzlicher Geldformen im 19. Jahrhundert einen fulminanten Aufschwung, so dass Münzgeld heute nur noch ei- nen Bruchteil der gesamten Geldmenge moderner Volkswirtschaften ausmacht."9 Zum anderen lie- gen für die moderne Wirtschaftsgeschichte etwa im amtlichen statistischen Schriftgut weitaus aussage- kräftigere Quellen vor, als Münzen das je sein kön- nen. Vom Standpunkt einer antiquarischen Be- schäftigung mit Münzen, welche den Schwerpunkt ihres Interesses auf besonders schöne oder seltene Stücke richtet, ist es vollends unverständlich, wie ein erwachsener Mensch einen korrodierten Zehn- räppler von 1970 reinigen, wiegen, vermessen und katalogisieren kann. Gleichwohl lohnt es sich, einen mehr als nur flüchtigen Blick auf die Fundmünzen des 19. und 20. Jahrhunderts vom Benderer Kirchhügel zu werfen, zumal sie mit 212 Exemplaren rund drei Fünftel der gesamten Fundmenge ausmachen. Sie stellen, nicht anders als die älteren Stücke, eine Stichprobe aus dem Kleingeldumlauf dar; und wie die älteren Münzen lassen auch sie einige geldge- schichtliche Tendenzen erkennen, die nicht ohne weiteres selbstverständlich sind120 (Tabelle 3). Das Fundmaterial des 19. Jahrhunderts lässt die Fortsetzung jenes Konzentrationsprozesses auf grosse Münzherrschaften mit nur mehr wenigen, leistungsstarken Münzstätten erkennen, der sich schon im 18. Jahrhundert bemerkbar machte; die Jahrhundertmitte weist quantitativ wie qualitativ einen deutlichen Einschnitt auf. In der ersten Jahr- hunderthälfte stellen süddeutsche Münzen mit acht von 20 Exemplaren den grössten Anteil. Mit zwei Hellern und einem Pfennig vom Beginn des Jahr- hunderts läuft die frühneuzeitliche Münzreihe der Stadt Augsburg aus (Nrn. 41, 42, 44). Aus dem 
Königreich Bayern liegen vier Pfennige vor (Nrn. 147-150). Das Grossherzogtum Baden steuert ei- nen in Mannheim geprägten Kreuzer (Nr. 144, 1813) und zwei in Karlsruhe geprägte Kreuzer (Nr. 145, 1.852; Nr. 146, 1865) bei. Dass keine Münzen 112) Zur Datierung der entsprechenden obwnldischen Halbkrcuzer: Doswald. Stephen: Mittelalterliche und neuzeitliche Münzen. Marken und Medaillen aus Funden im Kanton Zug. Lizentiatsarbeit. Univer- sität Zürich, 1992 (Maschinenschrift!. Ms ), S. 184. - Zäch. Benedikt: Die Fundmünzen. In: Mauser. Jürg u. a.: Richtstätte und Wasenplatz in Emmenbrücke (16.-19. Jahrhundert). Archäologische und histori- sche Untersuchungen zur Geschichte von Strafrechtspflege und Tierhaltung in Luzern. Bd. 1. Basel. 1992, S. 79-81. - Die obwaldi- schen Beischläge bei Greter-Stückelberger. Robert: Obwalden im 18. und 19. Jahrhundert. Nidwaiden im 19. Jahrhundert. Bern. 1965 (Schweizerische Münzkataloge. Bd. 4), Nr. 79, S. 34. 113) So die Einleitung Nicolas Heutgers zu: Missong, Alexander: Die Münzen des Fürstenhauses Liechtenstein (Nachdruck der Ausgabe Wien. 1882). Vaduz. 1983, S. XL11I. 114) Zumindest lässt das «Kirchenseckli» von 1895 (!) aus der St. Gallcr Stadtkirche St. Laurenzen kaum einen anderen Schluss zu. Zäch. Benedikt: Inventar der Fundmünzen der Schweiz. Bd. 6: Kanton St. Gallen. Bd. 1: Mittelalterliche und neuzeitliche Fundmün- zen. Bern. 2001. S. 72. 115) Hollmann, Hildburghausen, ab S. 49, S. 61. 116) Klein, Ulrich: Vorderösterreichische Münzen und Medaillen. In: Vorderöstorreich - nur die Schwanzfeder des Kaiseradlers? Die Habsburger im deutschen Südwesten. Hrsg. Württembergisches Landesmuseum. Stuttgart. 1999, S. 355-371: hier ab S. 361. 117) Büchel. Bendern. ab S. 158. teilt aus dem Totenbuch von 1735 etliche Namen von Söldnern aus der Pfarrei Bendern des 18. und frühen 19. Jh.s mit. 118) Vgl. Hager. Arthur: Erinnerungen an die Kriegsjahre, 1914- 1918, in Bendern. In: JBL 86 (1986). S. 377-379. - Falk-Veits, Sabine: Weiss. Alfred Stefan: «Armselig sieht es aus. die not ist nicht zu beschreiben». Armut als soziales und wirtschaftliches Problem des 18. und 19. Jahrhunderts, dargestellt am Fallbeispiel Liechten- stein. In: Neuzeit: Land und Leute. Hrsg. Arthur Brunhart. Zürich. 1999 (Bausteine zur liechtensteinischen Geschichte. Bd. 2). S. 209-241: hier S. 215. 119) Vgl. Gerhard, Hans-Jürgen: Vom Leipziger Fuss zur Reichsgold- währung. Der lange Weg zur «Deutschen Währungsunion» von 1S71/76. In: Cunz. Währungsunionen. S. 249-290; hier S. 283. 120) Zu den Rahmenbedingungen der Währungsverhältnisse in Liechtenstein im 19. Jh.: Ospelt. Alois: Wirtschaftsgeschichte des Fürstentums Liechtenstein im 19. Jahrhundert. Von den Napoleoni- schen Kriegen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Zugl. Diss. Freiburg i. Üe. In: JBL 72 (1972), S. 5-423: hier ab S. 294. - Zusam- menfassend Rittmann. Herbert. Kleine Münz- und Geldgeschichte von Liechtenstein. Hillorfingen, 1977, ab S. 33. 117
        

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