sind Münzen zweier bedeutenderer Territorialher- ren des Reiches im Fundmaterial vertreten. Mit Herren dieses Ranges konnte sich Graf Ludwig IL von Stolberg freilich nicht messen. Für die Geldge- schichte des 16. Jahrhunderts war sein Wirken in- des nicht ohne Belang. Dabei stehen seine eigentli- chen landesherrlichen Münzstätten Königstein, (Ober-) Ursel und Wertheim noch hinter den Reichskammermünzstätten Augsburg, Nördlingen und Frankfurt am Main zurück, die seine Vorfah- ren im 15. Jahrhundert von König Sigismund als Pfand erhalten hatten. Der vorliegende Pfennig (Nr. 128) weist kein Merkmal auf, das darauf schliessen liesse, in welcher Münzstätte er geprägt wurde. Dieser Umstand lässt allerdings an Frankfurt als Prägeort denken: Als Graf Ludwig in den Jahren 1565 und 1566 daran ging, sein Münzrecht in Frankfurt wiederzubeleben, befürchtete der dorti- ge Rat zunächst Nachteile für seine reichsstädti- sche Münze. Im daraufhin ausgehandelten Kom- promiss verpflichtete sich der Graf, auf seinen Frankfurter Münzen keinen Hinweis auf ihren Prä- geort anzubringen, etwa in Gestalt des charakteri- stischen Frankfurter Adlers oder des Buchstabens F. Sollte dies alles zutreffen, wäre der Pfennig zu- gleich auf die Zeit von etwa 1566 bis 1574 da- tiert.105 Ein exzeptionell wertvolles Stück stellte der frie- sische Dukat von 1592 dar (Nr. 71). Er belegt die Bedeutung des Alpenrheintales im Vorfeld der Bündnerpässe für den Fernhandel. Aber mehr noch: Es ist kein Zufall, dass unter all den denkba- ren Fernhandelsmünzen aus Gold ausgerechnet ein niederländisches Stück und nicht etwa ein rhei- nischer Gulden, ein ungarischer Dukat, ein engli- scher Sovereign, ein französischer Ecu d'or oder dergleichen vorliegt. Denn Bendern lag an der so- genannten «Spanischen Strasse», von deren ver- schiedenen Routen eine von Genua über Mailand, die Bündnerpässe und das Alpenrheintal nach Nor- den in die Niederlande führte.106 Diese Spanische Strasse verband die beiden westeuropäischen Be- standteile der spanischen Monarchie, nämlich das Mutterland Spanien und die spanischen Niederlan- de, nachdem die Gegner der spanischen Flabsbur-ger 
den Seeweg durch den Ärmelkanal abgeriegelt hatten. Im 17. Jahrhundert änderten sich die Wege, auf denen der Kleingeldumlauf in Bendern und Umge- bung gespeist wurde, offenbar erheblich. Der Bo- denseeraum büsste seine beherrschende Stellung bis auf bescheidenste Reste ein: Lediglich aus der zweiten Jahrhunderthälfte liegen drei Lindauer Pfennige (Nr. 89, 1682; Nr. 90, 1692; Nr. 91, o. J.), ein gräflich montfortischer Pfennig aus Langenar- gen (Nr. 96, 1676) sowie ein Ravensburger Pfennig (Nr. 114, 1696) vor, die als winzige Kupfernomina- le zugleich die unterste Stufe des Münzgeldes re- präsentieren. Das Innere Schwabens nördlich des Sees fällt im 17. Jahrhundert ganz aus. An die Stelle der Münzstätten des Bodenseerau- mes treten die bündnerischen Münzstätten, die 15 von insgesamt 38 Münzen stellen: Die nun am stärks- ten vertretene Münzherrschaft ist die Stadt Chur mit zwei Bluzgern (Nr. 61, 1638; Nr. 62, 1660) und sieben Pfennigen (Nrn. 58-60, um 1630; Nrn. 63- 65, Ende 17. Jh.; Nr. 66, unbestimmt); zeitlich vor- aus gehen vier Pfennige des Churer Bischofs Jo- hann V. Flugi von Aspermont (Nrn. 52-55, 1601- 1627) sowie zwei Haldensteiner Münzen des Frei- herrn Thomas I. von Schauenstein, nämlich ein Pfennig (Nr. 73, 1609-1628) und ein unklares No- minal, vielleicht ein Bluzger (Nr. 72, 1622/23). Ein venezianischer Soldo (Nr. 143, 1631-1646) des Dogen Francesco Erizzo ist die einzige zeit- genössische Münze aus den Gegenden südlich der Alpen. Es hat somit ganz den Anschein, als würde die Krise des 17. Jahrhunderts auch im Alpen- rheintal zu einer Regionalisierung des Münzumlau- fes geführt haben. Die Bedeutung des Alpenrhein- tales als Verkehrsweg blieb allerdings ungebro- chen; indes mochte sie nun eher militärischer denn wirtschaftlicher Natur gewesen sein.107 Beim fragli- chen Soldo handelt es sich zwar um kein besonders wertvolles Grossnominal, aber er steht im Wert doch auf einer mittleren Stufe über den übrigen Münzen. Den bei weitem zweitstärksten Anteil an den Fundmünzen des 17. Jahrhunderts stellt die Stadt Zürich mit sieben Angstern (Nrn. 131-137); weitere 114
        

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