besonders eng, seitdem die Pfarrkirche Sta. Maria im Jahre 1194 der dortigen Prämonstratenser- propstei St. Luzi übertragen worden war, welcher sie 1215 inkorporiert wurde.76 Ausweislich zahlrei- cher mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Urkun- den war St. Luzi auch als Grundherr in und um Bendern stark präsent.77 In Bendern fanden sich je ein Churer Pfennig Bischof Ortliebs von Brandis und Bischof Heinrichs von Hewen (Nr. 18, 1458- 1491; Nr. 19, 1491-1503); hinzu kommt ein frühes Stück, das Bischof Ortlieb oder einem Vorgänger zugewiesen wird (Nr. 17, etwa 1450-1491).78 Mit je einer Münze sind noch Luzern und Frei- burg im Üechtland vertreten. Luzerner Angster und Haller des 15. Jahrhunderts, welche die Büste eines Bischofs von vorn zeigen, scheinen im Alpen- rheintal häufiger umgelaufen zu sein.79 Während für den in Bendern gefundenen Haller (Nr. 23, um 1425) die Luzerner Herkunft durch die den Bischof flankierenden Buchstaben L-V gesichert ist, kommt für den beizeichenlosen Angster aus Schellenberg eventuell auch eine Zuweisung nach Konstanz in Frage.80 Bislang ohne Parallele im Alpenrheintal steht der Freiburger Pfennig (Nr. 20, etwa 1435- 1446) da. Indes dürfte es sich auch bei ihm um kei- nen Irrläufer handeln: Freiburg war als Zentrum der Textilproduktion im 15. Jahrhundert eine der reichsten und grössten Städte der werdenden Eid- genossenschaft; Freiburger Münzen dieser Zeit sind noch erheblich weiter nordöstlich, nämlich in Kempten im Allgäu, in reicher Zahl nachgewie- sen.81 Vielleicht ebneten die weitverbreiteten Ber- ner Pfennige den verwandten Freiburgern den Weg in den Bodenseeraum. Blickt man nach Norden, so fällt die Schwer- punktverlagerung von den Münzstätten des Boden- seeraumes in das nördlichere Schwaben auf; ein- zelne Münzen kommen sogar von noch weiter her. Bei der Masse der süddeutschen Münzen des Spät- mittelalters im Benderer Fundgut handelt es sich um Heller. Die ersten Heller des 12. Jahrhunderts waren Pfennige der Reichsmünzstätte Schwäbisch Hall. Sie zeigen einerseits ein Kreuz, andererseits eine Hand, weshalb auch von den «Handhellern» die Rede ist. Da die Heller leichter und geringhalti-ger 
waren als die meisten Pfennige, ergänzten sie den Kleingeldumlauf; die Leistungsfähigkeit der Münzstätte in Schwäbisch Hall tat ihr übriges, den Heller zur Leitmünze im Inneren Schwabens und darüber hinaus zu machen.82 Im Bodenseeraum wurde der Fleller allerdings erst im Verlaufe des 14. Jahrhunderts populärer, als der Konstanzer Pfennig seine Quasi-Monopol- stellung verlor; es scheint, als habe das Alpen- rheintal den südlichsten Ausläufer seines Umlaufs- gebietes gebildet. So kommen im Benderer Fund- gut lediglich zwei Schwäbisch Haller Heller des späten Radkreuz-Typs vor (Nrn. 31, 32). Dieser Typ wird üblicherweise zwischen etwa 1300 und 1356 datiert. Einige Neufunde vom Südrancl seines Ver- breitungsgebietes lassen es als angezeigt erschei- nen, ihm eine Laufzeit bis ins 15. Jahrhundert hi- nein zuzubilligen.83 Mit zwei Hellern ist das Hochstift Augsburg ver- treten (Nrn. 12, 13; 1348-1404). Wie die etwas ver- wilderten späten Heller aus Schwäbisch Hall wei- sen auch die anderen süddeutschen Heller keiner- lei Umschrift mehr auf; die Zuweisung muss aus den Beizeichen erschlossen werden, die zumeist auf oder neben der Hand stehen. Die fraglichen beiden Heller zeigen den Buchstaben D auf der Handfläche; er wird als Hinweis auf Düringen, die Münzstätte der Bischöfe von Augsburg, gedeutet.84 Bei einem dritten Heller ist dieses D nicht ganz si- cher zu erkennen (Nr. 14). Hier mag man vielleicht ein 0 lesen; in diesem Fall kämen auch die Grafen von Öttingen als Prägeherren in Betracht.85 Ein weiterer Heller, dessen Zuweisung nicht ganz si- cher steht, besitzt als Beizeichen links neben der Handfläche ein W mit verlängertem Mittelbalken (Nr. 35); man tendiert dazu, den Grafen Eberhard von Wertheim als Münzherrn anzusprechen (etwa 1363-1400).86 An sicher bestimmbaren Hellern des 15. Jahr- hunderts liegen zwei Stücke der Prägeperiode zwi- schen 1404 und 1423 vor, nämlich ein württember- gischer Heller (Nr. 36), kenntlich am charakteristi- schen Jagdhorn, sowie das Fragment eines Ulmer Hellers (Nr. 34), auf welchem immerhin die unver- kennbare, da gerauhte obere Hälfte des geteilten 106
        

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