Liechtenstein geben.27 Dementsprechend war auch die Auswahl der Künstler sehr weit gefasst: Wil- helm bezog sowohl Vorläufer des Biedermeier als auch nachfolgende, stilistisch bereits anders orien- tierte Künstler mit ein, ausserdem beachtete er pa- rallel verlaufende romantische Richtungen. Erst 33 Jahre später wurde die Sammlung der Wiener Biedermeiermalerei wieder der Öffentlich- keit präsentiert.28 Der damalige Direktor der Sammlung des Fürsten von Liechtenstein, Reinhold Baumstark, zeigte in einer sehr viel eingeschränk- teren Auswahl ausschliesslich die Ölgemälde des Wiener Biedermeier, die er anhand von Einzelbe- schreibungen in die Kunstgeschichte einordnete. Im Nachwort des Ausstellungskataloges machte Baumstark auch erstmals auf die Rolle Johanns II. als Begründer dieser Sammlung aufmerksam. Zusätzlich zu Baumstarks Auswahl werden in dieser Arbeit die Aquarelle der Sammlung des Für- sten Johann II. in den Untersuchungen berücksich- tigt. Es wird sich zeigen, dass diese aufgrund ihrer künstlerischen Vollendung nicht nur in der Epoche des Biedermeier, sondern auch für die Sammlung und den Sammler gleichbedeutend wie die Ölge- mälde waren. Bis heute wurde die Rezeption der Wiener Bie- dermeiermalerei um die Jahrhundertwende - zur Zeit des Höhepunktes der Sammeltätigkeit des Für- sten - nur am Beispiel des Malers Ferdinand Georg Waldmüller erforscht. Die Wiederentdeckung Wald- müllers stellte Rupert Feuchtmüller in seiner Wald- müller-Monographie von 1996 dar.29 Unmittelbar mit der Biedermeierrezeption um 1900 war aber der Wandel des Geschichtsver- ständnisses verbunden. Diesen wichtigen Aspekt der geistesgeschichtlichen Strömungen untersuch- te Günther Dankl. In seinem Aufsatz «Vergangen- heit und Moderne» aus dem Jahr 1985 vollzieht er den Wandel der historistischen zur historischen Geschichtsbetrachtung nach und untersucht die daraus resultierenden kulturellen Auswirkungen auf die Kunstbetrachtung um 1900.30 Dankl deutete bereits an, dass das neue historische Denken letzt- lich auch zur Wiederentdeckung der Wiener Bie- dermeiermalerei führte. 
Fürst Johann IL lässt sich als typischer Sammler des 19. Jahrhunderts charakterisieren. Andrea Po- phanken zeigte in ihrer Dissertation zu «Graf Schack als Kunstsammler» (1994) die wichtigsten Charakteristika der Privatsammler des 19. Jahr- hunderts auf.31 Dabei wird aber deutlich, dass sich der Fürst auch in wesentlichen Punkten von diesen unterschied und zwar vornehmlich dadurch, dass er nicht in erster Linie als Mäzen zeitgenössische Künstler unterstützte, sondern die Kunst der ver- gangenen Generation sammelte. Im Vergleich mit der staatlichen Kunstförderung in Wien um 1900 wird die Stellung des Fürsten als Sammler und Mäzen in dieser Stadt herausgearbei- tet. Eine ausführliche Untersuchung zur staatlichen Kunstförderung in Wien legte Jeroen Bastiaan van Heerde in seinem Werk «Staat und Kunst» aus dem Jahr 1993 vor.32 Allerdings berücksichtigte er ne- ben anderen Schenkungen von Privatpersonen an den Staat die Schenkung Johanns II. nicht. Der unzureichende Forschungsstand zum The- ma lässt viele Fragen offen. Baumstark machte darauf aufmerksam, dass be- reits Johanns Vater, Alois IL, den Grundstein für die Sammlung der Wiener Biedermeiermalerei ge- legt hatte.33 Die Sammlerpersönlichkeit Alois II. charakterisiert Wilhelm in seiner Schrift «Die Für- sten von Liechtenstein und ihre Beziehungen zu Kunst und Wissenschaft» (1976).34 Bis heute sind relativ wenige Werke des Wiener Biedermeier aus den Ankäufen Johann II. in den Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein erhal- ten. Eine vollständige Rekonstruktion der Samm- lung ist anhand der Quellenlage nicht möglich. Ein Gesamtinventar der Liechtensteinischen Besitztü- mer ist erst nach dem Tod Johanns angefertigt worden. Dabei scheint es, dass die Gemälde nicht von Sachverständigen aufgenommen wurden: Zu undifferenziert sind die Titelangaben; es gibt weder Massangaben noch Jahreszahlen in den Aufzeich- nungen. Bilder, die eventuell schon zum Regie- rungsantritt Johanns vorhanden waren oder von ihm erst erworben wurden, können aber nur dann als solche identifiziert werden, wenn das Erwer- bungsdatum überliefert ist. 6
        

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