seeleinwand.65 Der Rolle des Konstanzer Marktes als Zentralmarkt des Bodenseeraumes entsprach dann auch die Rolle des Konstanzer Pfennigs als Leitwährung; sie äussert sich darin, dass die übri- gen Münzstätten des Bodenseeraumes die bischöf- lich konstanzischen Pfennige in Gewicht und Mach- art nachahmten.60 Aus Bendern liegen noch vier spätere Bodensee- brakteaten vor: Zunächst ist das ein Pfennig der königlichen Münzstätte Ulm (Nr. 10) aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Er zeigt eine gekrönte Büste, die ein Lilienszepter in der Rechten trägt; ein Stern füllt das freie Feld zur Rechten des Kopfes.67 Es folgt ein Konstanzer Pfennig, welcher das Bischofs- haupt zwischen Llirtenstab und Lilie zeigt (Nr. 4). Herkömmlich wurden solche Pfennige der Zeit von 1270 bis 1290 zugeordnet; jüngere Forschungen lassen es aber angezeigt erscheinen, in diesem Typ den Konstanzer Ewigen Pfennig der Zeit von 1295 bis etwa 1335 zu sehen.68 Im Gefolge des Konstan- zer Pfennigs gelangten auch zwei Lindauer Ewige Pfennige (Nrn. 5, 6) nach Bendern; Beziehungen zwischen dem Alpenrheintal und dem Damenstift Lindau bestanden im späteren Mittelalter auch jen- seits der rein ökonomischen Bezüge.69 Dass der Schwerpunkt der Bodenseebrakteaten so spät liegt, findet seine Erklärung in den Schrift- quellen, welche die wirtschaftlichen Verhältnisse in Bendern betreffen. So musste Bischof Rudolf von Chur wohl im Jahre 1225 die Aufteilung der Zehnt- einkünfte der Benderer Kirche beurkunden, nach- dem es deswegen zu einem Streit zwischen dem Konvent von St. Luzi und dem Benderer Leutprie- ster Burchard gekommen war. Minutiös wurde auf- gelistet, dass dem Leutpriester je ein Zehntviertel von Lein, Korn, Hirse, Gemüse, Lämmern, Böck- lein, Kälbern und Fohlen zustünde, wobei vor der Aufteilung des Kälberzehnten sichergestellt werden sollte, dass für die Lichter in der Kirche gesorgt sei. Ferner sollten sich der Priester und der Konvent die Zehnten aus dem Garten, den Flanf, das Obst, den Honig und die Rüben hälftig teilen. Die Ferkel, Gänse und Hühner kämen dem Priester vollständig zu.70 Von irgendwelchen Zehnteinkünften in Geld ist demgegenüber nicht die Rede; wir werden für 
diese Zeit also von ganz überwiegend naturalwirt- schaftlichen Waren- und Dienstleistungskreisläufen in Bendern ausgehen dürfen. Erst seit der Mitte des 14. Jahrhunderts liegt eine Fülle von Urkunden vor, die einen selbstverständlichen Umgang mit Münz- geld wie auch die Orientierung an Konstanzer Währung und Gewicht bezeugen.71 Sie spiegeln al- lerdings nur die unterste Stufe des Geldumlaufes wider: Grössere Silbermünzen bezog das Alpen- rheintal eher aus Italien und Tirol; Goldmünzen flössen aus den ganz grossen Wirtschaftszentren Oberitaliens, Ungarns, Österreichs und des Rhein- landes herbei. Der Münzschatzfund von Vaduz ist ein schönes Beispiel für das Nebeneinander von Kleingeld des Bodenseeraumes und grösseren No- minalen weit entfernter Münzherrschaften.72 104
        

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