FÜRST JOHANN II. UND SEINE SAMMLUNG DER WIENER BIEDERMEIERMALEREI / ROSWITHA FEGER Forschungsstand Schon zu Lebzeiten wurde Fürst Johann IL von Liechtenstein immer wieder für seine Galerie, seine Sammeltätigkeit und sein Engagement für die bil- dende Kunst gerühmt. Aus Anlass des 50. Regie- rungsjubiläums Johanns im Jahr 1908 gab Karl Höss das Buch «Fürst Johann II. von Liechtenstein und die bildende Kunst» heraus.-'1 In seinen umfas- senden Forschungen stellte Höss eine Fülle von Material zusammen. Er beschrieb die hervorra- gendsten Werke der fürstlich-liechtensteinischen Kunstsammlungen in Wien, die bedeutendsten Schenkungen und Unterstützungen der Museen, Kunstschulen und Künstlervereinigungen in ganz Österreich-Ungarn sowie die Mitgliedschaften des Fürsten in diesen Institutionen. Ferner listete Höss alle profanen und kirchlichen Bauten auf, die der Fürst teils für sich selbst, teils für Liechtenstein oder für andere Orte errichten liess. Zum Schluss führte er die wichtigsten wissenschaftlichen Unter- nehmungen auf, die Johann II. unterstützte. Bei diesem umfangreichen Werk konnte Höss auf die Sammlung der Wiener Biedermeiermalerei nur allgemein eingehen; die Sammeltätigkeit des Fürsten im Besonderen musste er in seinen Aus- führungen ganz ausklammern. Über die Sammeltätigkeit des Fürsten schrieb erstmals Wilhelm von Bode in einem Artikel in der Neuen Freien Presse vom 11. November 1908 mit dem Titel «Fürst Johannes II. von Liechtenstein als Kunstmäcen».24 Eine eingehende Untersuchung, die das museale Sammlungskonzept des Fürsten hervorheben würde, vermisst man hier allerdings. Die Sammlungsgeschichte der Liechtensteini- schen Gemäldesammlung wurde von Reinhold Baumstark im Katalog «Meisterwerke der Samm- lungen des Fürsten von Liechtenstein» (1980) dar- gelegt.2" Anhand der Sammlungsgeschichte ist die lange Tradition ersichtlich, in die sich Johann II. stellte - nicht nur als nachfolgender Besitzer der Sammlung, sondern auch, indem er sie durch neue Schwerpunkte erweiterte. Die Rolle Johanns II. als Begründer der Samm- lung der Wiener Biedermeiermalerei blieb in der bisherigen Forschung zur Sammlung Liechtenstein beinahe unbeachtet. Die Wiener Biedermeiermale-rei 
aus den Sammlungen der Fürsten von Liechten- stein wurde erst zweimal in Ausstellungen präsen- tiert. Die erste Ausstellung fand 1950 im Kunstmu- seum Luzern unter der Leitung von Gustav Wil- helm, dem damaligen Direktor der Sammlung, statt.26 Wilhelm ging aber im Begleittext zur Aus- stellung nicht auf den Begründer Johann II. ein. Er wollte einen Gesamtüberblick über die Sammlung der Wiener Biedermeiermalerei des Fürsten von 9) Zitiert nach Baumstark 1980 (wie Anm. 41. S. 7. 10) Bede 1908 (wie Anm. 7). 11) Ebenda; vgl. auch Wurzbach. Alfred von: Die Vorgänge in der fürstlich Liechtonstein'schen Galerie. In: Wiener Allgemeine Zeitung vom 6. Februar 1884. - Im Folgenden zitiert als: Wurzbach 1884. 12) Kronfeld, Adolph: Führer durch die fürstlich liechtensteinische Gemäldegalerie. Kat. Mus. Wien. 1927, S. 225. Nr. 2130. - Im Folgenden zitiert als: Kronfeld. Das Bild befindet sich heute nicht mehr in der Sammlung des Fürsten von Liechtenstein. Vgl. auch Wilhelm, Gustav: Wiener Biedermeier-Maler und Carl Spitzweg. Kat. Ausst. Luzern 1950. - Im Folgenden zitiert als: Wilhelm 1950. 1 3) Ins Jahr 1910 datiert ein «Inventar über moderne Gemälde die in der Galerie IL Stock. III & IV. & Spitzweg - Zimmer aufgehängt sind» von J. Schild (HALV). 14) Zur vollständigen Auflistung der Unterstützung wissenschaftli- cher Forschung und der Mitgliedschaften in Kunst- und Künstlervor- einigungen des Fürsten siehe Höss, Karl: Fürst Johann II. von Liechtenstein und die bildende Kunst. Wien. 1908, S. S7-208. sowie S. 315-346. - Im Folgenden zitiert, als: Höss. 15) Ebenda, S. 98. 16) Weckbecker, Wilhelm von: Handbuch der Kunstpllege in Öster- reich. 3. Aull. Wien, 1902. S. 9 ff. 171 Ebenda, S. 152 ff. IS) Ebenda. S. 219. 19) Ebenda, S. 652 f. 20) Falke. Jakob von: Geschichte des fürstlichen Hauses Liechten- stein. 3 Bde. Wien, 1877. - Vgl. Falke 1897 (wie Anm. 3), S. 165 f. 21) Höss (wie Anm. 14), S. 120. 22) Reichel. S. 202. 23) Höss (wie Anm. 21). 24) Bode 1908. 25) Baumstark 1980, S. 7-14. 26) Wilhelm 1950. 5
        

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