«LANDTS BRAUCH, ODER ERBRECHT» KARIN SCHAMBERGER-ROGL LANDTS BRAUCH, ODER ERBRECHT3 
f von erbschaften ohne testament, auch von testamenten, lezten willen, vermächtnussen, übergaaben und anderen geschälten von todts-wegen in der grä,ü[ichen] vaduzi- schen grafschaft üblichen. Und anno 1667 aus einem buch hat schreiben lassen der ehrnveste und wohlge- dachte h[err] Georg Wolf, der zeit landtman der grafschaft Vaduz, durch mich, Johann Christoph Fabern, ehemahlen schulmeistern zu gemelten Vaduz. Darbey ansehlichen zu wissen, daß eines jeden abge- storbenen guth soll fallen auf seine nächste eheliche ge- bohrene und einander mit bluths verwandte freund, de- nen seynd dreyerley unterschidt. Die ersten seynd in ab- steigender linie, als kinder, enickhlen, ur enickhlen, ur ur enickhlen pp. und also fortan, 
337so weit sich der stamm erstreckt. Die andere in aufsteigender linie, als vater und mutter, ehnl und ahnl, urehnl und urahnl, ururehnl und ururahnl und also weither, und die dritten auf der seithen in der zwerch-linie, als da seynd Schwester und brüder und alle, so von denen gebohren werden, item ehnl und ahnl geschwisterige und andere, so von ihnen beyder- seiths gebohren linien herkommen, die alle erben, wie hernach folgt. Der erste titul Von erbschaften und absteigender linie Erster fall oder regel von absteigender linie, das die in ab- steigender linie alle in aufsteigender und zwerch linie ausschliessen und um die enickheln an ihre alte luckhen stehen. Anfänglich sezen und ordnen wür und wollen wür alle, dieweil kinder, 
338enickhlen, urenickhlen, und also für und für zu rechnen /: sie seyen wie weit sie wollen :/ im leben seyn, daß sie allein erben und alle andere in aufsteigen- der linie allerdings ausschliessen, und sollen hierin jeder- zeit die enickhlen, wan neben ihnen ein söhn oder tochter verhanden, anstatt ihrer vater oder mutter erben, und ihr eiteren luckhen, ihr vater und mutter, wan sie noch leb- ten, zur erb empfahen. 
Als davon ein exempel t Adam verstorben, so zu erben t t Bernhard Margaret Anna Elisabeth Joseph Florin 339Erclärung darüber Alliier erben den verstorbenen Adam seine enickheln Elisabeth und Joseph anstatt ihres vaters Bernhard sambt dessen Schwester Margaret und dem Florin, welches gleichfahls in die luckhen seiner mutter steht. Der andere fahl Was und wie kinder erben sollen, wan ihr vater allein und vor der mutter stirbt: Erstlich, wan sich zwey persohnen zusammen verheurathen und erzeugen eheliche kinder beyeinander, und stirbt alsdan der vater vor der mutter, so ordnen, sezen und wollen wür, daß alsbalden vor allen dingen die ganze verlassenschaft durch den geschwore- nen landtschreiber inventirt und aufgeschriben, folgends darüber ein Überschlag gemacht, und daraus öffentlich die gemeinen in der ehe gemachten mit einander schul- den bezahlt werden 
340dergestalt, daß daran des manns erben die zwey theil, und des weibs den dritten theil ent- richten, und hernach die übrige erbschaft, was sie an li- gendem guth zusammen gebracht, jedem das seinige zu einem voraus gebühren; was sie aber in währender ehe, so bald die deckhe beschlagen, mit und bey ein ander, es seye woher es wolle, ererbt, errungen und gewohnen hät- ten, darvon sollen des mannes erben, deren seyen gleich vil oder wenig, die zwey theil und die verlassene wittib den übrigen dritten theil nehmen, und die kinder alsbal- 335) Schultze, Johannes; Richtlinien für die äußere Textgestaltung bei Herausgabe von Quellen zur neueren deutschen Creschichte. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte, Jahrgang 98 (1962), S. 1-11. 336) fol. lr. 337) fol. lv. 338) fol. 2r. 339) fol. 2v. 340) fol. 3r. 75
        

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