der Gerichtsverhandlung sechs Wochen und drei Tage im Gewahrsam des Schuldners. Erst dann wurde ein «gandt brief» ausgestellt, wonach der Gläubiger zur Pfandverwertung schreiten konnte. Der Schuldner war auch verpflichtet, dem Gläubi- ger Zugang zu seinem Pfand zu verschaffen. Nach der Vergantung musste alles, was über die Summe der Schuld hinaus erlöst wurde, dem Schuldner zurückgegeben werden. Über den Liegenschaftsverkehr wird nur so viel erwähnt, dass der Käufer die halbe Kaufsumme des Grundstücks sofort erlegen musste. Für den Rest konnte er ein Pfand hinterlegen, welches vom Gläubiger genutzt wurde, bis die Restschuld be- zahlt war. Auch bei einem Grundgeschäft waren vermutlich die Amtsleute beteiligt.179 Meist musste der Abschluss vor Gericht getätigt werden. Es wur- de ein Protokoll aufgenommen, wobei Käufer und Verkäufer eine Ausfertigung des Verkaufsbriefs er- hielten. Die Veräusserung wurde meist auch in das Gerichtsbuch eingetragen. Wurde nur die halbe Kaufsumme erlegt, dann wurde ein Schuldbrief ausgestellt, wobei der Schreiberlohn zu Lasten des Gläubigers ging. In der Herrschaft Sax-Forsteck war es offenbar der Weibel, der Schuldbriefe aus- fertigte, was mit seiner Tätigkeit als «Schätzer» zu- sammenhing.180 Diese Tätigkeit wurde ihm 1714 von der Obrigkeit verboten. Der «lidlohn»,181 «gesprochen und baar geliehen gelt»182 und «zörich»183 konnten im Verfahren der «kurzen Gant» eingezogen werden.184 Die Pfän- dung wurde dabei schon bei erfolgloser Zahlungs- aufforderung angekündigt. Am dritten Tag konnte der Gläubiger bereits die Pfändung eigenmächtig vollziehen. STRAFRECHT Die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellen- berg bildeten je eine Gerichtsgemeinde,185 deren Vorsteher der Landammann war. Zweimal jährlich wurde eine Gerichtsversammlung einberufen, die vierzehn Tage vorher angekündigt wurde.186 
Beim Malefizgericht, also beim obersten Gericht oder Hochgericht,187 wurden Strafsachen abgehan- delt, und zwar zuerst vom Grafen selbst, der ja der oberste Gerichtsherr war,188 und nach 1492 auch vom Landammann. Worum es sich bei «Strafsa- chen» handelte, ist bei Hans Schlosser näher be- schrieben: «Demnach lassen sich als Strafsachen bestimmen zunächst die Dreiergruppe Totschlag, Notzucht und 
Diebstahl, die an den todt gend oder ze dem tot ziehent, also Lebensstrafen nach sich ziehen, ferner blutige Körperverletzungen und eh- renrührige Scheltworte. Sie gehören als Hochge- richtsfälle grundsätzlich zur landesherrlichen Vor- behaltsgerichtsbarkeit».189 Diese Delikte werden in Salzburg auch als «Vitztums- oder Hauptmanns- händel» bezeichnet.190 Bei den Gerichtsverhandlungen, die in der Herr- schaft Schellenberg auf Rofenberg und in der Graf- schaft Vaduz direkt in Vaduz an einem offenen Platz unter einer Linde abgehalten wurden,191 war durch hölzerne Schranken die Gerichtsstätte abge- grenzt, innerhalb derer der Landammann und sei- ne Beisitzer Platz nahmen.192 Um die Gerichtstätte herum standen als «Umbstand» die «Gerichtsleu- te», die grossjährigen Bauern des Gerichtsbezirks, die alle zur Teilnahme am Gerichtstag verpflichtet waren. Im folgenden soll deutlich gemacht werden, wer - nach den Quellen des 17. Jahrhunderts - an ei- nem Malefizgerichtsprozess teilgenommen hat, welche Aufgaben jeder zu erfüllen hatte und wie dieser Prozess abgelaufen ist. DIE BETEILIGTEN Der Landammann193 Seit 1492 hatten die Landesherren die Möglichkeit, die Vollmacht zur Ausübung der Blutgerichtsbar- keit an den Landammann zu übertragen. Inwieweit hier eine schon bestehende Praxis bestätigt oder eine neue Ermächtigung geschaffen wurde, ist nicht feststellbar. Für bestimmte Verwaltungsange- legenheiten und die Leitung des Niedergerichts 46
        

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