«LANDTS BRAUCH, ODER ERBRECHT» KARIN SCHAMBERGER-ROGL pfänden. Hier musste das Gericht eingeschaltet und Brief und Siegel verlangt werden.176 Das Aus- stellen eines solchen Briefes durch den Landschrei- ber ging auf Kosten des Gläubigers, der diese Ko- sten durch den Verkauf des Pfands natürlich wie- der eintreiben konnte. Die letzte Möglichkeit zum Auslösen des Pfands hatte der Schuldner auf der Gant selbst, wobei er seine Schulden mitsamt Zin- sen und Gerichtskosten zu erlegen hatte. Häufig blieb dem Schuldner aber noch nach dem Verkauf des Pfands die rechtliche Möglichkeit, das Pfand zurückzukaufen.177 Der Gläubiger hatte dem Schuldner die Person zu nennen, an die er das Pfand verkauft hatte. Für den Rückkauf gab es wie- derum eine gesetzliche Frist. Wenn der Schuldner dem Käufer den Kaufpreis und etwaige Unterhalts- kosten ersetzen konnte, war dieser zur Herausgabe des Pfands verpflichtet. Über die Form des Schuld- oder Gantgerichts berichtet der Landsbrauch unter dem Kapitel «Formb wie man einen schuld brief einlegen soll». Der Weibel wurde befragt, ob er den Schuldner «für gericht boten» hat. Dies bedeutete eine Vorla- dung des Schuldners.178 Liegendes Gut blieb nach 157) Ebenda, S. 176. 158) Vgl. Hübner, Privatrecht. S. 795. 159) Vgl. Schädler, Rechtsgewohnheiten, S. 56. 160) Über die Tätigkeit des Weibels siehe nächstes Kapitel. 161) Vgl. Planitz, Hans: Die Vermögensvollstreckung im deutschen Mittelalter. Band 1: Die Pfändung. Leipzig, 1912, S. 171. Auch die Gläubigerhandlung wurde dabei unter richterlicher Kontrolle gehalten; im folgenden zitiert als: Planitz, Pfändung. 162) Vgl. Planitz. Pfändung, S. 448. 163) Vgl. Aebi, Landsbrauch Sax-Forsteck, S. 106. 164) Ebenda. 165) Vgl. Planitz, Pfändung, S. 560. 166) Vgl. Naegeli, Alfred: Das germanische Selbstpfändungsrecht in seiner historischen Entwicklung mit besonderer Rücksicht auf die Schweiz. Diss. Zürich, 1876, S. 54; im folgenden zitiert als Naegeli, Selbstpfändungsrecht. Erst nach Ablauf der Wartefrist durfte der Gläubiger nach Landsbrauch das Pfand zu seinen Händen nehmen; LB fol. 58r. Manchmal gab es zur Pfandverwahrung ein besonderes Ganthaus; vgl. HRG Bd. 2, S. 1385. 167) LB fol. 58r. 
168) Hübner, Privatrecht, S. 505. 169) HRG Bd. 2, S. 1384. Gantstätten waren meist der Marktplatz, das Rathaus, das Gericht oder ein eigenes Ganthaus. 170) Vgl. Planitz, Pfändung. S. 379 ff. 171) Vgl. HRG, Band 1, S. 1050. Dazu gehören Tiere und alle nicht fest mit dem Boden verbundenen leblosen Sachkörper. Das Deutsche Rechtswörterbuch zitiert einige Quellen, in denen Fahrnis definiert ist: «ist unter lähmus erkandt, was mit nagel nit angehaefft». «was die fackel oder brand hinweg nehme, daß solches vor fahrnus gehalten und erkandt werde». Deutsches Rechtswörterbuch (Wörter- buch der älteren deutschen Rechtssprache). Hrsg. von der Preussi- schen Akademie der Wissenschaften. Band III. Weimar, 1935. S. 385. Daraus ergibt sich auch, dass das aus Holz gebaute Haus zur Fahrnis gerechnet wurde; vgl. auch Mitteis, Heinrich; Lieberich, Heinrich: Deutsches Privatrecht. Ein Studienbuch. 4. Auflage Mün- chen, Berlin, 1963, S. 70. 172) In anderen Landbüchern war es etwa üblich, einen Drittel der Schuld auf den Pfandwert aufzuschlagen. Vgl. Naegeli. Selbstpfän- dungsrecht, S. 54. 173) LB fol. 58r. 174) Vgl. Planitz, Pfändung, S. 527. 175) Nach den Volksrechten war nur die Fahrnis pfändbar, selbst bei der gerichtlichen Exekution wurde liegendes Gut nicht angegriffen; vgl. Naegeli. Selbstpfändungsrecht, S. 25. 176) Vgl. Kaiser, Geschichte Liechtensteins, S. 361. 177) Vgl. Planitz, Pfändung, S. 691. 178) Vgl. Aebi, Landsbrauch Sax-Forsteck, S. 107. «Boten» im Rahmen des Schätzungsverfahrens bedeutete «mahnen» oder «ankündigen des Pfandens»; vgl. auch: Idiotikon, Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, Band IV, Frauenfeld, 1881 ff. S. 1893/4. fol. 32v: Wie Eheleute ein- ander beerben, ist eben- falls ein wichtiger Aspekt im Landsbrauch. Das Erb- gut des verstorbenen Man- nes fällt in der Regel an dessen Ehefrau, wie es das hier gezeigte Beispiel illus- triert. Dies hätte auch Gül- tigkeit, wenn Anverwandte des Mannes noch am Le- ben wären (Seite 44). 
fol. 33r: Das darauffolgen- de Beispiel behandelt den Fall, in welchem der ver- storbene Mann aus erster Ehe Kinder hinterlässt. Sowohl diese Kinder als auch die zweite Frau sind anteilmässig erbberechtigt (Seite 45). 43
        

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