VOTIVBILDER AUS LIECHTENSTEIN NORBERT W. HASLER flucht zu den himmlischen Nothelfern und Schutzhei- ligen und stiftet diese Tafel in die Kapelle St. Georg. Johann Georg Heibert (1759-1813) schreibt in seiner Chronik auf das Jahr 1802: «Es herrscht jetzt auch ein pestilenzische Krankheit an Ross und Vieh und zwar weit und breit im Land, in der Schweiz dem Rhein nach sehr stark, auch in Schwaben und Vorarlberg und in unserem ganzen Land. Anfangs war kein Hilfsmittel vorhanden. Die Rosse schwellen an Brust und Hals und krepieren bald. Man nimmt die Zuflucht zum Gebet. Die Ben- derer Pfarrei geht mit Prozession auf Appenzell zum hl. Antonius; die Pfarrei Eschen geht alle Frei- tag auf Nendeln (hier befand sich die den Pestheili- gen St. Sebastian und Rochus geweihte Kapelle). Dann wurde alles Vieh benediciert. Endlich nach allem diesen wurde ein Hilfsmittel erfunden und vieles Vieh gerettet. Die Leut= und Viehdökter ha- ben sich schon anfänglich auf Verordnung der Ob- rigkeit versammelt und Rat gehalten. Sie haben sehr verschiedene Meinungen über Ursache und Kur dieser Krankheit. Etliche sind der Meinung, die Hitze und Dürre des Sommers sei die Ursache, an- dere sagen, eine vergiftete Luft. Von Sargans wird attestiert, es sei ein Biss einer vergifteten Fliege. Und ich meine, es ist eine Strafe Gottes gewesen, denn diese Krankheit ist gekommen, niemand weiss die Ursache; sie ist wieder vergangen, nie- mand weiss wie, und doch sind viele hundert Stück Ross und Vieh krepiert».30 Die Gestalten der Heiligen, die göttlichen Für- sprecher, nehmen den grössten Teil des Bildes ein. Sie sind abgegrenzt und abgehoben von der irdi- schen Welt durch ein mächtiges Wolkenband, dro- henden Gewitterwolken ähnlich. Zwischen diesem Wolkenband und dem abschliessenden Textband folgt der interessanteste Bildteil dieses Ex Votos. In grüner hügeliger Wiesenlandschaft steht die Kapel- le St. Georg in Schellenberg, umgeben von weiden- den Pferden und Kühen, die früheste bekannte Darstellung dieser Kapelle. Der lokale Bezug zum konkreten Ort ist somit neben dem Text auch durch den Bildinhalt gegeben. Grabungen und bauanaly- tische Untersuchungen von 1980 haben gezeigt, dass sich diese Darstellung der Kapelle «als eine 
realistische Darstellung der ersten St. Georgs-Ka- pelle, wie sie aufgrund der Ausgrabungen und der Bauuntersuchungen im Sommer 1980 rekonstru- iert worden ist», erwiesen hat.31 Auf dieselben Umstände der in besagtem Jahre (1802) herrschenden Viehseuche nimmt eine wei- tere Votivtafel (Inventar-Nr. 12) aus der Duxkapelle in Schaan - sie befindet sich heute im Liechtenstei- nischen Landesmuseum - Bezug. Das grossforma- tige Leinwandbild, 120 x 84 cm, zeigt Maria mit dem Kind sowie die heiligen Sebastian und Martin. Die Inschrift am unteren Bildrand besagt: «Diese Tafel hat Hiesige Gemeind (Schaan) verfertigen las- sen aus Danckbarkeit gegen die Fürbitte Maria der seligsten Jungfrau, und der H: H. Sebastiani, und Martini, wegen Befreyung von der Leydigen Vieh- seuche im Jahre 1802». Schon 1722 stiftete die Gemeinde Schaan aus demselben Grunde - es wütete auch damals eine Viehseuche - eine Votivtafel (Inventar-Nr. 3) auf Dux. Die Inschrift besagt: «Anno 1722 hat die Ehrsame Gemain Schan zue Ehren der seligsten Jungfrau Und Mutter Gottes Maria diese Opffer-Taf- fel hie her Verlobt Und hat durch die Fürbitt der Mutter Gottes, hl. Martin u. Ignatiy, die leidige Vieh pest Gott sey dank Nach Gelassen». 28) Zitiert nach Johann Baptist Büchel: Auszug aus der Chronik des Jakob Heibert. In: Jahrbuch des Historischen Vereins (ür das Für- stentum Liechtenstein. Band 29 (1929). S. 97. 29) Vgl. Brigitte Hasler: Ex Votos. In: Marien-Lourdes-Grotte Ben- dern. 1898-1998. Festschrift. Bendern. 1998, S. 63-66. 30) Zitiert nach Johann Baptist Büchel: Auszug aus der Chronik des Jakob Heibert (wie Anmerkung 28), S. 116-117. 31) Georg Malin: Kapelle St. Georg in Schellenberg. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein. Band 80 (1980). S. 43. 303
        

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