VOTIVBILDER AUS LIECHTENSTEIN NORBERT W. HASLER VOTIVTAFEL VON 1796, EHEMALS IN DER DUX-KAPELLE IN SCHAAN Von einzigartigem historischem und dokumentari- schem Wert ist das Votivbild (Inventar-Nr. 9) aus dem Jahre 1796 des Malers Mathias Jehly aus Blu- denz (1746-1809). Stifterin des Bildes - ebenfalls in der Kapelle Maria zum Trost auf Dux - war ein- mal mehr die Gemeinde Schaan. Anlass dazu wa- ren in diesem Falle kriegerische Ereignisse, Aus- wirkungen des Ersten Koalitionskrieges (1792-1797), von denen das Land Liechtenstein und insbesonde- re die Gemeinde Schaan speziell im Jahre 1796 di- rekt betroffen waren. Auf das Ausmass des damals herrschenden Elends deutet auch ein Hinweis von Johann Baptist Büchel hin, der Bezug auf die To- tenbücher der Pfarrei Schaan nimmt. Darin heisst es: «1796 starben 109 Personen, darunter 86 Kin- der aus der Pfarrei».27 Das 81,5 x 105 cm grosse Ölbild zeigt Maria mit dem Kind auf Wolken schwebend über der Kapelle auf Dux und einem daneben aufgeschlagenen Mi- litärlager mit Zelten und Kanonen. Inhaltlich be- zieht es sich auf ein Ereignis des Jahres 1796. Die Inschrift besagt: «Im Jahr 1796 im brachmo- nath (Juni) ist allhie ob gegenwerthiger Kapelle zur zeit, da in dem damahligen unglickl. Krig mit Frankreich Mann durchs bündinnerlande von de- nen Französischen Trupen einen Einbruch in hies- sige Reichsherrschaft befürchtet, ein Lager gestan- den worinen das Kaijss. Kön: Regiment Breis Cam- pirt hat. Gott sey uns gnädig und wende durch die getreue Vorbitt Maria seiner Jungfreul. Mutter, die da zumahlen, so auch inskünftig, und zu allen Zei- ten von uns und unsern lieben Vatterlande alle Krigs=Auftritte und unglücksei. Zeiten gnädigst ab». Diese Bitte unserer Vorfahren vor zweihun- dert Jahren hat auch in unseren Tagen ihren tiefe- ren Sinn nicht verloren. Ängste, Not und Schrecken hatten unser Land erfasst. Es ist die Zeit des Ersten Koalitionskrieges: Frankreich im Kampf gegen die Koalition von Österreich, Preussen, Russland und England. Bei Kriegsbeginn 1792 musste Liechtenstein ein Trup- penkontingent zum Kampf gegen Frankreich stel-len. 
Dieses bestand aus 15 Mann zu Fuss und zwei Mann zu Pferd. Sie kosteten samt Bewaffnung und Montur 2250 Gulden. Teuerung, Hunger und Not setzten ein. Vom Jahre 1796 berichtet der Chronist Johann Georg Heibert aus Eschen: «Im übrigen ist hierlands alles bedrängt mit Auflagen, Teuerung und Hunger. Aller Handel und Wandel ist gehemmt, alle Pässe gesperrt. Das Militär haben wir immer im Lande, abwechselnd bald Husaren, bald Fuss- gänger. Viele Untertanen sind dadurch unglücklich worden durch Säbelhieb und manche sind um Ross und Wagen gekommen, als sie Konterband trieben, auch hin und wieder um Korn und Vieh, da sie doch mit den Soldaten abgeredet und ihnen Geld gegeben. Zu Nendeln haben die Soldaten ein Stück genommen. Die Fortschritte der Franzosen in Itali- en haben hierlands grosse Bestürzung verursacht. Denn am 16. Juni zog eine kaiserliche Armee in die hiesige Herrschaft und lagerte ob Triesen anfangs der Balzner Wiesen, aus Furcht, der Feind möchte durch Bünden hierdurch in Österreich einfallen. 23) Iso Baumer (wie Anmerkung 16). S. 13. 24) In einem Schreiben vom 18. März 1792 des Schaaner Pfarrers Joel Orsi von Reicheuberg an den Bischof von Chur heisst es: «Mit- ten im Dorf befindet sich eine von Grund auf solid erbaute und mit einem schönen, dauerhaften und feuersicheren Gewölbe versehene, den hl. Aposteln Petrus und Paulus gewidmete Kirche, ...». Zitiert nach Johann Baptist Büchel: Geschichte der Pfarrei Schaan. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechten- stein. Band 27 (1927). S. 27. 25) Mitteilung von Herrn Dr. Karlheinz Albrecht. Stadtbibliothek Feldkirch. Johann Jakob Sturm dürfte einer Chirurgenfamilie aus Bludenz entstammen, war seit 1710 mit Agathe Schnellerin verhei- ratet und ab 1715 in Bludenz ansässig. Mitteilung von Dr. Edwin Oberhauser, Götzis. 26) Vgl. Die Bürger und Adelswappen Vorarlbergs und die Vorarl- berger Siegelsammlung des Herrn Pfarrer Gebhard Wendelin Gunz in Tisis sowie die Hauszeichensammlung des Herrn Alf. Leuprecht. Stadtarchivar in Bludenz. o.O. o. J.. Teil 2. S. 46. - Vgl. Andreas Ulmer: Die Burgen und Edelsitze Vorarlbergs und Liechtensteins. Dornbirn. 1925, S. 873-875. 27) Johann Baptist Büchel: Geschichte der Pfarrei Schaan (wie Anmerkung 24). S. 76. Schaan zählte für das Jahr 1789 insgesamt 133 Wohnhäuser und 566 Einwohner. - Vgl. Alois Ospelt: Wirt- schaftsgeschichte des Fürstentums Liechtenstein im 19. Jahrhun- dert. In: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Band 72 (1972). Anhang, S. 38. 301
        

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