Aufführung des Kabaretts Kaktus im Jahr 1964: Szene mit Susanna Kranz und Hansrudi Sele, beide aus Vaduz. Die Mitglieder des Kabaretts Kaktus, des ersten politischen Kaba- retts in Liechtenstein, waren durchwegs Laien- schauspieler/innen. erwehrtheater» bekannt ist, wird wohl am tref- fendsten als Laientheater bezeichnet. Naef sagt, Laientheater finde statt, «wo immer Leute auf der Bühne ihre eigene Geschichte erzählen». Er ver- wehrt sich aber gegen die allzu einfache Analyse, die aufgeführten Stücke quasi als Abbildungen ei- ner gesellschaftlichen Realität zu verstehen. Selbst dem unkritischen Betrachter und Theatergeniesser fällt ja auf, dass die häufig gespielten Bauern- schwänke meist gar nichts (mehr) mit der Realität zu tun haben. Naef räumt ein, dass das «Laienthea- ter ganz allgemein bedächtiger (sei) als das Be- rufstheater, im gestischen Vokabular, in der Ent- wicklung und Stoffwahl, weniger interessiert an wechselnden Moden». Es falle auf, dass in den ka- tholischen Gegenden, in denen man den «symbo- lisch-realen Ritus der Messe» noch gewohnt sei, das Laientheater viel «intensiver und selbstver- ständlicher tradiert» werde. Das Bezeichnende, die Identität, wenn man so will, liegt also nicht in den überholten Stoffen und oft täppischen Bauern-Lie- besgeschichten (in einem Land wie Liechtenstein mit weniger als einem Prozent Bauern in der Be-völkerung), 
sondern in der Aufführung. Während der Berufsschauspieler übersetze, so Naef, so blei- be der Laienschauspieler im Spiel eher «bei sich selbst», «er bringt und behält seine Authentizität». Tatsächlich dürfte es einen Grossteil der Gaudi aus- machen, im Gemeindesaal zum Beispiel den Remi- gius (oder wie der Darsteller auch heissen mag) auf der Bühne zu sehen. Im Gespräch mit älteren Ver- wandten hat sich schon öfter herausgestellt, dass man oder frau sich nicht nur an einzelne Auf- führungen, die Jahrzehnte zurückliegen, erinnern kann, sondern dass von einzelnen Akteuren be- hauptet wird, der Ehni sei früher ganz ähnlich auf der Bühne gestanden, respektive gegangen, oder die Mutter habe die Figuren auch immer so über- zeichnet. Die Identität in der Gestik und in den «Manierismen» über Generationen hinweg (wie- der) erkennen zu können, das dürfte eine Eigenheit des Dorftheaters sein und auch zumindest einen Teil seiner Attraktivität erklären. Hier ist sicher auch die Bedeutung des Dialekts zu erwähnen. Identität und Ausdruck, Sprache wie Gestus wurzeln ja in der Muttersprache, hebt DRS- 222
        

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