zwar bisweilen Aufträge von den Besatzungstrup- pen, wie ein Bericht aus Lustenau belegt (S. 267), doch waren Ende 1945 noch viele Betriebe auf- grund fehlender Rohstoffe, aber auch infolge Man- gels an Heizmaterial lahmgelegt (S. 158). Das Fehlen von Batterien für die Taschenlampen er- schwerte beispielsweise auch den Nachtdienst der Gendarmerie (S. 163). Ebenfalls waren viele Gast- häuser infolge Beschlagnahmung durch die Besat- zungsmacht oder auch «wegen Mangel an Geträn- ken» geschlossen (S. 277). Die öffentliche Verwal- tung kämpfte ihrerseits mit einem Mangel an Schreibpapier (S. 296). Gemäss Gesetz vom 31. Juli 1945 durften von der nationalsozialistischen Vergangenheit unbela- stete Vereine ihre Tätigkeiten wieder aufnehmen. Sportvereinigungen wurden als erste wieder ge- gründet, doch auch auf kulturellem Gebiet regte sich neues Leben: Orchester, Theater und Kinos formierten sich in den Jahren 1945 und 1946 neu oder nahmen ihre Vorkriegstätigkeit wieder auf. Trotz manchen Härten und Entbehrungen stand Vorarlberg doch vergleichsweise gut da: «Es ist der Bevölkerung wohl klar, daß die Lebensbedingun- gen in anderen Gebeten Österreichs viel härter sind wie hier» (S. 197). 
lieh wirtschaftlich besser da standen. Die französi- sche Militärregierung war ihrerseits bemüht, die Kontakte zwischen Vorarlberg und der Schweiz baldmöglichst wieder aufzunehmen. So billigte sie im Herbst 1945 ein (völkerrechtswidriges) Abkom- men zwischen beiden Ländern, welches die Ein- fuhr von Rohstoffen für die Vorarlberger Industrie ermöglichte. Zudem luden Ostschweizer Gemein- den 1946 Vorarlberger Kinder zu einem Erho- lungstag in ihre Ortschaften ein (vgl. S. 46). Auch dies ist ein Beleg dafür, wie die regionale Zusam- menarbeit wieder gesucht und dabei die gegensei- tige Freundschaft zwischen benachbarten Regio- nen erneut gepflegt wurde. In diesem Sinn ist das vorliegende Buch auch für uns in Liechtenstein von Interesse; unsere Geschichte ist ja nie völlig los- gelöst vom regionalen Umfeld, im Gegenteil: Wir sind mit der österreichischen und der schweizeri- schen Nachbarschaft auf vielfältige Art verbunden. Ein Blick in die unmittelbare Nachbarschaft schärft nicht zuletzt auch das Auge für nationale und loka- le Geschichten und Ereignisse. FAZIT Die vorliegende Quellenedition liefert ein buntes und lebendiges Bild zur Geschichte Vorarlbergs un- mittelbar nach Kriegsende. Die Leserinnen und Le- ser erhalten hier interessante Einblicke in die Ver- hältnisse und Lebensbedingungen der lokalen Be- völkerung im Jahr 1945. Wolfgang Weber als Autor und das Vorarlberger Landesarchiv als Herausge- ber leisteten mit der Edition dieser Texte zudem wichtige Grundlagenarbeit zur weiteren Erfor- schung der Vorarlberger Landesgeschichte im 20. Jahrhundert. Die Verhältnisse in Vorarlberg im Jahr 1945 sind indes nur bedingt vergleichbar mit der Situati- on in Liechtenstein oder in der Ostschweiz, da letz- tere Gebiete vom Krieg verschont blieben und folg- 220
        

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