REZENSIONEN / «IN SCHICKSALSSCHWERER ZEIT GELANGEN DIE PARTEIEN AN EUCH ...» berg «etablierte Parteien», «neue Parteien und Be- wegungen», «politische Randgruppen» sowie eine «überparteiliche Gruppierung». Systematisch kar- tographiert er gewissermassen die politische Land- schaft im Bezirk Werdenberg, indem er jede Partei oder Bewegung analysiert, und zwar jeweils nach Ausgangslage und Entstehung, nach Zusammen- setzung der Gefolgschaft, nach Programmatik und ideologischer Ausrichtung, nach dem Verhältnis zu andern Parteien, nach Wähleranteilen, nach politi- schen Mandaten auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene sowie - was als Lackmustest am mei- sten interessiert - nach der Haltung gegenüber Frontismus und Nationalsozialismus. Der Autor stellt jede Partei in den kantonalen und schweizeri- schen Zusammenhang. Diesem Parteien-Teil des Buches geben ausführ- liche Schilderungen etlicher bedeutender Persön- lichkeiten einige Farbe, so des freisinnigen Natio- nal- und Regierungsrats und Bauernpolitikers Jo- hann Jakob Gabathuler (1883-1958) aus Weite, des freisinnigen Advokaten, Nationalrats und langjäh- rigen Buchser Gemeindeammanns Dr. Johann Ja- kob Schwendener (1888-1972), des Revierförsters und langjährigen sozialdemokratischen National- und Kantonsrats Jakob Fenk (1879-1968) aus Sennwald, des katholisch-konservativen Kantons- rats, Gamser Gemeindeammanns und Bauern Josef Kramer (1895-1966), aber auch etwa des Mundart- dichters, Lehrers und «germanophilen Heimat- kundlers» Jakob Kuratli (1899-1981), Azmoos, und insbesondere des Nationalsozialisten und Azmoo- ser Pfarrers Werner Wirth (1886-1961). Als etablierte Parteien waren im Bezirk Werden- berg - wie im Kanton und im Bund - drei Parteien stark und durchgehend prägend, die «Freisinnig- demokratische Partei», die «Sozialdemokratische Partei» und die «Konservative Volkspartei» (heute CVP), die letztere fast auschliesslich im katholi- schen Gams. Die drei Parteien standen zwar in ausgeprägter ideologischer Gegnerschaft zueinan- der - Freisinnige und Konservative auch in Fortset- zung des Kulturkampfs -, doch wussten sich alle drei einig in der Erhaltung der pluralistischen De- mokratie und in der Abwehr des Nationalsozialis-mus. 
Die drei Parteien dominierten durchgehend überall im Bezirk die Gemeindebehörden, ebenso stellten sie jeweils die Mehrheit der Kantonsräte aus dem Bezirk. Vereinzelte Sympathien Richtung Frontismus fanden sich im Werdenbergischen, wie anderswo, während des «Frontenfrühlings» von 1933 bei den Freisinnigen und etwas länger bis 1935 bei den Konservativen. Als resistent nach rechts erwiesen sich vorab die Sozialdemokraten. Hinzu kamen in den 1930er Jahren neue, zum grösseren Teil kurzlebige Parteien und Bewegun- gen, nämlich die kleine «Evangelische Volkspar- tei», die sich im Werdenbergischen 1935 wieder auflöste; die bis 1937 bestehende «Bauern- und Mittelstandspartei», analog der schweizerischen «Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei» (BGB, Vor- läuferin der heutigen SVP); die Freiwirtschaftsbe- wegung, mit wieder eigenen Gruppierungen unter Bezeichnungen wie «Freiwirtschaftsbund», «Bund Sonntag den 22. März 1936, nachmittags 1.30 Uhr, im Saale zum Bahnhot Herr Nationalrai! Duttweiler, Zürich spricht über: „Die UiiederDeieDungs iYiögijGtiüeiten der uniiair Bürger aller Parteien, auch Frauen und Töchter, sind zu diesem Vortrage herzlich eingeladen. 1625 Die ,.Unabhängigen" Ankündigung eines Vor- trags von Gottlieb Duttwei- ler, 1936 Kantonsrat und Gemeinde- ammann Josef Kramer aus Gams 209
        

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