REZENSIONEN DAS DEKANAT LIECHTENSTEIN 1970 BIS 1997 kommission - später zu einem Administrationsrat erweitert - geschäftsführende Funktionen, ab 1990 unterstützt von einer Kanzlei. Das Dekanat Liechtenstein war ein «blühendes» Dekanat. Es ist unmöglich, hier alle Aktivitäten in innerkirchlichen - etwa Glaubenskurse, Gastarbei- terseelsorge, Wallfahrten - und auch allgemein ge- sellschaftlich relevanten Bereichen - zum Beispiel die Arbeitsstelle für Erwachsenenbildung im Haus Stein-Egerta in Schaan, die Sendungen in Radio L - zu erwähnen. Als man sich 1998 darum bemühte, die gewachsene Struktur des Dekanats zu erhalten und allenfalls neue Träger für die einzelnen Ein- richtungen zu finden, schrieb Dr. Markus Hofer (Vorarlberg) in einem Gutachten von einem «ver- netzten Familienbetrieb», einem «faszinierenden und funktionierenden Organismus» (S. 335). Mit der gesetzlichen Verankerung eines jährlichen Lan- desbeitrags 1987 habe der Staat nicht etwa Verant- wortung abgeschoben, sondern diese treuhände- risch an die kirchlichen Gremien übergeben. Klaus Biedermann nimmt nicht in Anspruch, «angesichts der noch jungen Ereignisse ... eine ab- gerundete kritische Würdigung der Dekanatszeit» zu liefern. Er wollte lediglich versuchen, «das kirchliche Leben im Dekanat in seiner Vielfalt zu schildern und festzuhalten» (S. 411). Dafür war der Autor als ein mit den Verhältnissen gut vertrauter liechtensteinischer Historiker, Vaduzer Pfarreirat und zeitweiliger Mitarbeiter der Redaktion des Kir- chenblattes «In Christo» geradezu prädestiniert. In sachlichem Ton und klar strukturiert stellt er auf- grund seiner profunden Kenntnisse des Dekanats- archivs das Geschehen der letzten drei Jahrzehnte (inklusive «Aufräumarbeiten») dar, zum Teil histo- risch weiter ausholend, um Entwicklungen verfol- gen zu können, im Ganzen mit Analysen und Wer- tungen sehr zurückhaltend. Die vielen Zitate aus Originaldokumenten vermitteln dem Leser und der Leserin aber doch ein farbiges Bild des kirchlichen Lebens in Liechtenstein. Natürlich ist dieses kirch- liche Leben aus der Sicht von Menschen geschil- dert, die sich im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Synode 72 am «Aggiornamento», am Heutigwerden der Kirche beteiligten, im Stre-ben 
nach religiöser Mündigkeit, Offenheit und Soli- darität, in Freude und Hoffnung. Die Chronik des Dekanats Liechtenstein liefert nicht nur einen wichtigen und gewichtigen Beitrag zu einer liechtensteinischen Kirchengeschichte. Als zeitgenössische Darstellung weckt sie auch Gefüh- le, besonders bei denjenigen Menschen, die sich als Teil der katholischen Kirche fühlen, Gefühle der Er- schütterung, Ohnmacht und Trauer, und sie fordert zur Stellungnahme geradezu heraus. Denn die Zer- reissprobe in der Kirche mit einerseits Traditionali- sten, die teils mit sektiererischen Zügen im Glau- ben an die streng gegliederte Hierarchie verharren, und andererseits Menschen, welche den gemeinsa- men Weg im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils weitergehen wollen, spielte und spielt sich ja nicht nur in Liechtenstein ab. Tröstlich und viel- leicht auch wegweisend und immer wieder wert, gelesen zu werden, sind die Gedanken in einem Brief von alt Dekan Franz Näscher, der am Ab- schlussfest des Dekanats im Frühling 2000 verle- sen wurde (S. 354 ff). Er spricht darin vom Freun- deskreis Jesu, von der Freundschaft Gottes, die al- len gilt, die uns lehrt, nicht auszugrenzen, sondern das Gute im anderen anzuerkennen und über Feh- ler hinwegzuhelfen. Er schliesst mit der Aufforde- rung, einen Schlussstrich unter das ehemalige De- kanat zu ziehen, aber nicht unter das Bild von Kir- che, das alle Beteiligten geleitet hat und in zwei, den Weg weisenden Worten aus der Zeit des Deka- nats für immer festgehalten sein wird: «Aufbruch zum Leben» (1985 zum Papstbesuch und zur Volksmission) und «Miteinander auf dem Weg» (1995 zum Dekanatstag). 197
        

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