kontakt und Gesellschaft (Barbara Tscharner) und dem Schulwesen (Peter Metz jun.). Im Bereich der politischen Geschichte sind je ein Kapitel der Zeit- spanne der Helvetik 1798-1803 (Martin Leonhard), den Bewegungen und Parteien (Adolf Gollenberg), dem Thema Staat und Verwaltung (Peter Metz sen.) und der Integration des Kantons Graubünden in die Schweiz (Georg Jäger) gewidmet. Speziell mit der Geschichte der Bündner Unter- tanenlande und Südbündens beschäftigen sich Arno Lanfranchi und Carlo Negretti (Die Bündner Südtäler im Mittelalter, Band 1) sowie Guglielmo Scaramellini (Die Beziehungen zwischen den Drei Bünden und dem Veltlin, Chiavenna und Bormio, Band 2). Kunsthistorische Beiträge befassen sich mit Architektur, Plastik und Malerei von der Gotik bis zum Rokoko (Marc Antoni Nay, Band 2) sowie Architektur und bildender Kunst im 19./20. Jahr- hundert (Leza Dosch, Band 3). Band 4 schliesslich versteht sich als kulturge- schichtliches Lesebuch und Nachschlagewerk. Die hier präsentierten, jeweils mit Interpretationshin- weisen versehenen Quellen und Materialien (Texte, Bilder, Karten) illustrieren und vertiefen die Kapitel der ersten drei Bände, ermöglichen es dem Leser aber auch, sich in selbständiger Lektüre von ge- schichtlichen Dokumenten seit der Römerzeit ein lebendiges Bild der Vergangenheit zu machen. Schade ist, dass einige wichtige Quellen wie zum Beispiel der Ilanzer Artikelbrief von 1526 fehlen. Hingegen finden sich nützliche Listen und Tabel- len, etwa zu den in Bünden gebräuchlichen Mas- sen, Gewichten und Währungen oder eine Zusam- menstellung der kantonalen Volksabstimmungen von 1854 bis 1998. Ausserdem schliesst der Band einen Aufsatz von Lothar Deplazes über Schriftlich- keit und Überlieferung im Mittelalter sowie einen von Florian Hitz verfassten Überblick zur Ge- schichtsschreibung in Graubünden mit ein. Die hundert in Band 4 enthaltenen sowie fünfzig weitere Quellen finden sich auch auf der bereits er- wähnten CD-ROM. Neben den Text- und Bildquel- len von Band 4 sind besonders die 25 auf der CD- ROM enthaltenen Film- und Tondokumente von In-teresse, 
da sie die spezifischen Vorteile dieses elek- tronischen Mediums am besten nutzen: Die hier zugänglichen Filmaufnahmen des Wildheuens der Bergbauern in Tschiertschen 1946 einerseits, des Badetourismus am Caumasee 1919 oder der Eröff- nung des ersten Skibügelschlepplifts in Davos 1934 andererseits führen einem den allmählichen Unter- gang der alten und die Anfänge einer neuen Welt bildhaft vor Augen. Damit verbundene soziale Ver- schiebungen werden zum Beispiel in der Erzählung einer Engadiner Hotelangestellten der Zwischen- kriegszeit deutlich. Weniger gross ist der Nutzen zunächst bei den schriftlichen Quellentexten, den Bildquellen sowie dem Karten- und Tabellenmaterial: Hier ist die ge- druckte Form noch immer leserfreundlicher. Aller- dings bietet die CD-ROM einige Zusatzdienste, wie zum Beispiel die Druckfunktion oder das Angebot, sich im Transkribieren von Handschriften zu ver- suchen. Die Navigation in den verschiedenen Quel- len ist zum Teil etwas umständlich, der Bildaus- schnitt der Filme etwas klein - schön ist dafür die Möglichkeit, Photos, Bilder und Karten ganz oder in Ausschnitten zu vergrössern. Insgesamt bietet das Handbuch einen fundierten Ein- und Überblick in beziehungsweise über die Geschichte Graubündens. Behandelt wird ein brei- tes Spektrum historischer Forschungsgebiete unter modernem Blickwinkel und aktuellen Fragestellun- gen. Wer sich nur knapp orientieren will, kann sich mit der Lektüre der allen Artikeln beigefügten Kurz- fassungen begnügen, wer sich weiter in die Proble- me der historischen Forschung vertiefen möchte, findet nach jedem Beitrag eine Diskussion des For- schungsstands. Zur Verständlichkeit tragen in den drei Textbänden Glossare bei, alle vier Bände ent- halten ein Literaturverzeichnis sowie ein Orts- und Personenregister (aber leider kein Sachregister). 194
        

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