Abwertung unserer völkischen Substanz und Eigenart, Abwertung unserer kulturellen und weltanschaulidien Werte Die routinierte Einbürgerungspraxis derDreißiger- jahre trägt nun reichlich Früchte und ruft nach neuen Problemen und Lösungen. Diese Früchte^ die gutbe- stallte Agenten und Advokaten auf geheiligter Hei- materde züchteten, kommen uns nun teuer zu stehen. Wir bezahlen diese Schuld mit dem Erbe unserer Väter, das wir übernommen haben, um es treu zu verwalten und unversehrt weiterzugeben. An mah- nenden Stimmen hatte es nie gefehlt; sie wurden aber als Scharlatane und Volks verhetzer abgetan. Die kom- mende Generation, die einmal die „Geschichte Liech- tensteins im 20. Jahrhunden" schreiben wird, über- schreibt dieses Kapitel mit dem Ausdruck „Kollektiv- schuld unserer Väter". Eine weitere Komponente, die unsere völkische Substanz, Eigenart und Existenz unbarmherzig liquidiert, ist die hemmungslose Überindustrialisie- rung unseres geliebten Vaterlandes. Hat es einen Sinn, daß wir würdige Objekte unter Denkmalschutz stellen, ein Walserhaus aufzukaufen und subventio- nieren, Gelder in ein Museum stecken und im selben Moment unsere völkische Eigenart und analog unsere Existenz als Volk aufgeben? Das Wörtchen „völkisch" ist bei uns verpönt und wird als verfluchte Import- ware abgetan. Dieses Wörtchen hat aber seine große Berechtigung im Lexikon eines jeden einzelnen Volkes. Entwickelt einmal die Gedanken „Einbürge- rung und Überfremdung" weiter und stellt euch her- nach die Frage: Was ist aus Liechtenstein nadi 100 Jahren geworden? Die Antwort fällt vernichtend aus! Aber gerade diese vernichtende Antwort muß für uns, die wir in unserer Heimat ein heiliges Erbe unserer Väter sehen, größte Verpflichtung sein. Und so fällt — nach meiner Ansicht — in den Aufgabenkreis des 
Arbeiterverbandes nicht nur die Wahrung der 
Arbeiterinteressen, sondern auch in vermehrtem Maße die Reinerhaltung der liechten- steinischen Volksseele und damit die Erhaltung un- serer geliebten Heimat an sich. Die Überfremdung ruft nach Anerkennung ande- rer Religionsgemeinschaften. Dieses Problem hat heute leider seine Berechtigung, ist aber zugleich ein zweischneidiges Schwert. Einmal müssen wir die Humanität als Leitstern unseres Handelns nehmen und Toleranz üben. Anderseits sind die Gefahren, die aus falsch verstandener Humanität und Toleranz erwachsen, nicht zu verkennen. Zum mindesten ist dieses Problem ein gordischer Knoten, den diejenigen mit dem zweischneidigen Schwert durchschneiden mögen, die ihn geknüpft haben. Unsere Devise lau- tet: Liechtenstein, Vaterland, du köstliche Perle am Alpenrhein, dich halten wir vor fremdem Einfluß rein! Es ist gut, wenn sich der hohe Landtag mit solchen Fragen befassen muß. Das Thema „Überfremdung" gewinnt dadurch an Aktualität. Warten wir ruhig ab, was für ein Kostüm der Landtag zurechtschnei- det. Jedenfalls gehört das „Gesetz über die Anerken- nung anderer Religionsgemeinschaften" dem Volk zum Entscheid vorgelegt. Wenn durch die Presse 
Erste Massnahmen zur Beschränkung der Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften 1962/63 Trotz der grundsätzlich restriktiv ausgerichteten Einwanderungspolitik und der starken Inanspruch- nahme des Grenzgängerwesens nahm in Liechten- stein in den 1950er Jahren die ausländische Bevöl- kerung in ähnlichem Mass zu wie in der Schweiz. Von 1950 bis 1960 stieg der Ausländeranteil an der Wohnbevölkerung von 20 auf 25 Prozent an.5 Die Ausländerbeschäftigung betrug 1960 rund 43 Pro- zent. Diese Entwicklung wurde von zunehmenden Überfremdungsängsten begleitet und einer zuneh- mend kritischen Haltung bezüglich des strukturel- len Wandels. Im Zentrum der Kritik stand dabei das starke Wachstum des industriellen Sektors. Das Gewerbe, das von einer starken Abwanderung von Arbeitskräften Richtung Industrie betroffen war, fürchtete um den Verlust der «harmonischen Wirt- schaftsstruktur». Auf seiten der liechtensteinischen Arbeitnehmerschaft erblickte man in der wachsen- keine allgemeine Brunnenvergiftung vorgenommen wird, so dürfte die Antwort des Volkes einhellig, klar und unmißverständlich ausfallen. Und dem ist gut so. Der große deutsche Dramatiker und Literatur- historiker Lessing sagt so treffend in einem seiner bekanntesten Werke: „Als mir die Schuppen von den Augen fielen . . ." Also wollen wir mit Lessing einig gehen und mit schuppenfreien Augen der nahen Zukunft entgegen- sehen. Ein Mitglied des Liechten- steinischen Arbeitnehmer- verbandes spricht sich im verbandseigenen Mittei- lungsblatt gegen die Ein- bürgerung von Auslände- rinnen und Ausländern aus. August 1959 164
        

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