DIE LIECHTENSTEINISCHE MIGRATIONSPOLITIK CLAUDIA HEEB-FLECK / VERONIKA MARXER-GSELL Restriktive Zulassungspolitik auf der Basis des Rotationsprinzips 1945 bis 1968 JENNY, SPOERRY & CIE. TELEPHON NO. 4.16.06 
ZIEGELBHÜCKB, 
DEN 9. Juli 1947- BANTON G CJ/e; An die Hohe Fürstliche Liechtensteinische Regierung Vaduz Hochgeehrter Herr Regierungschef! Hochgeehrte Herren Regierungsrate! Wir beziehen uns auf verschiedene Unterredungen des Unter- zeichneten und unseres Direktors, Herrn J. Wild mit Herrn Vize- Regierungschef Kigg bezüglich der Fremdarbeiterfrage, die endlich einmal einen Schritt vorwärts geben sollte. Wir verlangen nicht mehr, als üass man uns die Möglichkeit gibt, in unserer Spinnerei Vaduz im einschichtigen Tagesbetrieb voll arbeiten zu können, wozu uns et- wa 10 Personen fehlen. Nachdem wir in Vaduz und in Triesen 225 Per- sonen beschäftigen, ist unser Begehren sehr massig. In der Schweiz bewilligt man ohne weiteres 10^ Fremdarbeiter vom normalen Arbeiter- bestand. Wir würden in Vaduz sehr gern mit einem Teil des Betriebes Schicht arbeiten, was aber auch nicht möglich ist, weil der dann benötigte elektrische Strom im Winter nicht erhältlich wäre. Wir ha- ben 1939 in Vaduz noch 130 Personen beschäftigt, z.Zt. sind es im besten Fall 90, und wir würden trachten, mit 100 Personen auazukom- men, nicht eingerechnet die normalen Absenzen von etwa 6-8 Personen. Herr Regierungs-Vize-Chef Nigg hat uns versprochen, Grenz- gänger aus dem Vorarlberg zu beschaffen. Auf unsere heutige wieder- ge- holte Bemalte erhielten wir die Antwort, es sei bis jetzt noch nicht möglich gewesen, die diesbezüglichen Verhandlungen abzuschliessen. Heute erhielten wir die Heimatscheine von 9 Oesterreicherinnen aus 
der Steiermark, die wir gerne anstellen und anlernen möchten. Wir sind aach in der läge, für richtige Unterkunft dieser Arbeiterin- nen zu sorgen, und wir würden es sehr begrüssen, wenn die Hohe Fürstliche Regierung es uns ermöglichen würde, diese Arbeiterinnen kommen zu lassen, die, wenn die Lage auf dem Arbeitsmarkt sich än- dern sollte, rasch wieder abgebaut werden könnten. Als die weitaus älteste Industriefirma im Fürstentum Liechtenstein, die auch in Krisenzeiten ihre Arbeiterschaft grössten- teils durchgehalten hat, glauben wir, die Erfüllung unserer sehr bescheidenen Forderung in kürzester Frist erwarten zu dürfen, umso- mehr als wir auf eine gewisse Anzahl weiblicher Arbeitskräfte, an denen so starker Mangel herrscht, angewiesen sind, und wir die Beo- bachtung machen können, dass für den Hausdienst nicht wenige Ita- lienerinnen in Liechtenstein beschäftigt werden. Wir sehen Ihrer baldigen Antwort direkt an unsere Firma in Vaduz gerne entgegen und grüssen Sie mit vorzüglicher Hochachtung: Gesuch der Firmenleitung der Spinnerei «Jenny, Spoerry & Cie.» um Zulas- sung von ausländischen Arbeitskräften mit Aufent- haltsstatus, 1947. Das Ansuchen wurde von der liechtensteinischen Regie- rung abgelehnt. 159
        

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