«LANDTS BRAUCH, ODER ERBRECHT» KARIN SCHAMBERGER-ROGL ten und Kläger, die Klage gegen einen Untertan der beiden Herrschaften einbringen wollten und denen das Klagerecht bei einem der Gerichte versagt war); weiters war es dem Landesherrn verboten, die von anderen Gerichten verurteilten und geäch- teten Leute in seinem Gebiet aufzunehmen; auch sollte er danach trachten, alle Übeltäter zu fangen und zu verurteilen und er musste dem Kaiser Eid und Gelübde leisten, die Gerichtsbarkeit als unpar- teiischer Richter auszuüben: «dem armen als dem reichen und dem reichen als dem armen, und darynn nit ansehen miet, gab, gunst, forcht, freunntschafft noch veindtschafft noch sunnst ganncz kain annder Sachen, dann al- lain gerechts gericht und recht inmassen sy das gegen got dem almechtigen an dem iungsten ge- richt veranntwurten wellen, ,..».37 Weitere Rechte betrafen die Mauten und Zölle, die unter Androhung von Warenpfändungen erhoben werden durften. 
Jedoch «so sy das an aines ennde nemen dieselben an anndern ennden damit nit be- sweren».™ Die Freiherren von Brandis erhielten auch Nutzungsrechte an Bergwerken, Gerichts- zwängen, Mühlen und Mühlstätten, Steinbrüchen, Weiden, Hölzern, Wäldern, Wasser, Wasserleitun- gen und Zwingen. Da es sich bei diesen Rechten um Reichslehen handelte, mussten sie bei jedem Herrscherwechsel und auch bei jedem Wechsel des Landesherren neu bestätigt werden. Diese Neubelehnungen mit den Regalien wurden aber nicht immer vorgenom- men.39 An der Wende zur Neuzeit kam die Praxis auf, das Recht, den Blutbann auszuüben, getrennt von den Regalien zu verleihen. Es sind fünf Urkunden dieser Art erhalten, die erste aus dem Jahr 1587; der rechtliche Inhalt deckt sich mit dem der Urkun- den über die Brandisischen Freiheiten.40 DIE GERICHTSBARKEIT AM ESCHNERBERG Aufgrund der Tatsache, dass Schellenberg nur eine Herrschaft und keine Grafschaft war, sind die Ge-richtsrechte 
sicherlich erst sekundär, also mit den Grafen, dorthin gelangt. Deshalb scheint es not- wendig, sich mit der Geschichte dieser Herrschaft genauer auseinanderzusetzen. Das Gebiet am Eschnerberg wurde nach einem Geschlecht benannt, das von etwa 1200 bis 1317 Besitzungen in dieser Gegend hatte. Das Ge- schlecht der Herren von Schellenberg stammt ur- sprünglich aus dem Isartal, wo der Name um 1200 verschwunden ist und zur gleichen Zeit am Esch- nerberg auftauchte.41 Büchel stellt fest, dass zur Zeit der Hohenstaufen eine grosse Zahl von schwä- 31) Maurer, Herzog von Schwaben. S. 300. 32) Immer wieder bestand die Gefahr einer Übernahme der Gebiete durch die Habsburger, die aber verhindert werden konnte. Graf Heinrich II. von Vaduz widerrief eine Erbeinigung mit dem Grafen Rudolf von Montfort-Feldkirch, weil er seine Herrschaft an die Habsburger verkauft hatte. Stievermann stellt zusammenfassend fest: «Im Hinblick auf Habsburg wandelte man also weiterhin auf einem sehr schmalen Grad zwischen echter eigen herrschaftlicher Stellung - kombiniert mit verschiedenen Dienst- und Rechtsbezie- hungen zu dem übermächtigen Nachbarn - und der vollen territoria- len Einverleibung. Die fortdauernde Aufsaugung anderer Herrschaf- ten durch Österreich im Vorarlberger Raum demonstrierte immer wieder den hohen Gefährdungsgrad der eigenen Lage». Stiever- mann, Dieter: Geschichte der Herrschaften Vaduz und Schellenberg zwischen Mittelalter und Neuzeit. In: Liechtenstein - Fürstliches Haus und staatliche Ordnung. Geschichtliche Grundlagen und moderne Perspektiven. Hrsg. Volker Press: Dietmar Willoweit. Vaduz, 1987, S. 105. 33) Ritter, Rupert: Die Brandisischen Freiheiten. In: JBL 43 (1943). S. 12; im folgenden zitiert als: Ritter. Brandisische Freiheiten. 34) Ebenda, S. 17. 35) Kaiser, Peter: Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein. Nebst Schilderung aus Chur-Rätien's Vorzeit. Chur, 1847. Neu hrsg. von Arthur Brunhart. Vaduz, 1989. 2 Bände. Band 1, S. 220; im folgen- den zitiert als: Kaiser, Geschichte Liechtensteins. 36) Ritter, Brandisische Freiheiten, S. 22 f. 37) Ebenda, S. 23. 38) Ebenda, S. 22. 39) Ebenda. S. 28. 40) Die Urkunde von 1587 ist ebenfalls bei Rupert Ritter ediert. Ebenda. S. 40 ff. 41) Büchel, Johann Baptist: Geschichte der Herren von Schellenberg. In: JBL 7 (1907), S. 5-102, hier S. 10; im folgenden zitiert als: Büchel, Geschichte Schellenberg. 11
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.