ZWISCHEN MARKT UND ELFENBEINTURM - VOLKSKUNDE HEUTE / HERMANN BAUSINGER Die kulturelle oder ethni- sche Identität ist heute im Wandel. Die relative Ho- mogenität früherer Gesell- schaften ist aufgebrochen, Einflüsse von aussen sind stärker geworden. Kinder und Jugendliche suchen in selbst gewählten Cliquen eine Heimat auf Zeit. Si- tuationen und Beziehun- gen ändern sich perma- nent. Der Ball wechselt ebenso immer wieder sei- ne Position, vom Men- schen gesteuert. Ein weites Feld also, in Bezug auf die Gegenwart und auf die Geschichte, und dieses weite Feld tut sich auch im kleinen Liechtenstein auf. Ja man könnte sogar sagen, Liechtenstein sei ein beson- ders lebendiges Laboratorium für die Volkskunde. Vor kurzem hat die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde ihr hundertjähriges Bestehen gefeiert, und ich durfte bei dieser Gelegenheit einen kleinen Rückblick geben.34 Als Motto wählte ich ein Wort von Gottfried Keller: «Wie kurzweilig ist es, dass es nicht einen eintönigen Schlag Schweizer, sondern dass es Züricher und Berner, Unterwaldner und Neuenburger, Graubündner und Basler gibt, und sogar zweierlei Basler». Diese Feststellung lässt sich auch auf einen anderen Massstab übertragen, und sie gilt dann auch für Liechtenstein mit dem Walserdorf Triesenberg, mit den Orten, die der Reichsherrschaft Schellenberg angehörten, und an- deren, die zur Grafschaft Vaduz gehörten. Mit einer Grenze, die Gemeinsamkeit schafft, die aber nicht abschliesst; mit kräftigem Eigenwuchs und vielfäl- tigen internationalen Beziehungen und Kontakten. Die Tradition und der Eigen-Sinn sind so gut ein volkskundlicher Gegenstand wie das Neue und die Öffnung nach aussen. 
30) Vgl. Beck. Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a.M., 1986. 31) Löfgren, Orvar: Tagungsbeitrag (Ms.). Berlin, 1996. 32) Fei, Edit; Hofer, Tamäs: Proper Peasants. Traditional Life in a Hungarian Village. New York, 1969. 33) Jeggle, Utz: Kiebingen - eine Heimatgeschichte. Tübingen, 1977. 34) Bausinger, Hermann: Gegen die Eintönigkeit ... In: Schweizer Volkskunde, 87. Jahrgang (1997), Heft 1, S. 12-21. 145
        

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