«LANDTS BRAUCH, ODER ERBRECHT» KARIN SCHAMBERGER-ROGL ehrlichen gesellschaften entsezet und allweeg doppelt so hoch als das erstmahl gestraft werden. 52'JWurde dan wider alle Zuversicht einige ehepersohn über ausgestandenen zwey strafen noch zum 3t mahl an dem laster des ehebruchs ergriffen und nochmahls ent- weder unseren gefallen und gutachten auf beschaffenheit der persohn neben der geldstraf des landts verwisen wer- den. Als aber ein solche persohn, so des landts verwisen, von uns oder unsrigen wider zu gnaden aufgenohmen und eingelassen, noch über die übrigen ausgestandenen strafen an dem laster des ehebruchs zum 4t mahl ergrif- fen, die soll von leben zum todt gericht werden. Wan auch ein lediger man oder gesell mit einem ehe- weib, auch ledige frau mit einem eheman in werckh der verbotenen unkeuschheit zu schaffen hätte, die von des- wegen sollen gleich denen eheleuthen gestraft werden und aus der ursach ist des weibs ehebruch schwärlicher und sträflicher zu achten als des manns. 530Dieweil sie von einem anderen man geschwängert werden und also ihrem rechtmässigen mann einem un- rechtmässigen erben zubringen und ob sich zutragen, daß ein ehegemächt gegen den anderen gefährlicher und un- aussetziger weis mittl und weeg suchen wurde, desselbig zum fahl zu bringen und dadurch die eheschädigung zu erlangen, item wan zway ehe persohnen in solche blind- heit fielen, daß sie wissentlich und geschwächt von ein ander die ehe brechen oder die unkeuschheit treiben, die beyde oder die eine so schuldig erfunden, sollen für recht gestellt werden und am leben gestraft werden. So dan auch zwey persohnen der ehe halber, in wel- cherley das beschehe, misverständtig und ein ander für den geistlichen richter citieren wurden, soll aus allerhand bewegender Ursachen der verlustige theil umb 10 lb je- derzeit unnachlässig gestraft werden. 531 Ferner ordnen wür auch, wan einer dem anderen sein weib und tochter, sie seye jederzeit redlich, ehrlich und Wohlgestalt, sambt ihrem gut und paarschaft ohne sein des manns oder der eitern wissen und willen hin- weggeführt hätte, daß der mit dem schwerdt an leben ge- straft werden solle. Item wan ein mann 2 weiber und ein weib 2 männer genohmen und ihr jedes mit den beyden schon hochzeit gehalten, es seye beschehen an was endten und orthen es wolle, sie sollen dem todt, nemblich der mann das schwerdt und das weib zu vertränckhen verschuldt ha- ben. Welcher auch eine frau oder jungfrau nothzwängt und ihr als wider ihren willen und ohne einig gegebener ur- sach die ehr mit gewalt abgenohmen, der soll dem wasser anbefohlen und ertränckt werden.532 
Von muthwilligen gesellen, die tag und nacht auf der gassen handl anstellen. Wür wollen hiermit ernstlich gebiethen, daß sich jeder- mäniglich, jung und alt, was standts oder Weesens die seyn, auf der gassen bey tag oder nacht fein zichtig und still verhalten, auch einer den anderen zu friden lassen und nicht bolteren, zanckhen, jauchzen, schreyen und pleren, wie das unvernünftige thier oder vieh, auch keine schädliche gedichte oder gottlose lieder weder sprechen noch singen, die sich aber dessen nit enthalten, sondern hirwider dis unser gebot sträflich erzeigen werden, die sollen von allen unseren unterthanen in nächsten und zum besten gefänglich angenohmen und hierwider nie- mand verschont werden. Auf daß aber solches desto weniger beschehe, so würdt in Sonderheit umb so vil voneten seyn, 
533daß die eitern ihre kinder von jugendt auf davon genohmen und also in aller unzucht und leichtfertigkeit umblaufen lassen oder wür wurden geursacht, gegen die eitern destwegen starckhen einsehen zu thun. Das zwischen bösen und guten ein unterschidt gehalten werde. Damit dan mäniglich vor laster und Untugenden sich de- sto mehr verhüte und dargegen den jenigen, so sich eines ehrbahrlichen wandel und handels beflissen, in allweeg vor anderen geehrt und befördert werden, so wollen wür dannoch, daß die jenigen persohnen, welche unehrliche thaten und handlungen überwisen oder gründtlicher schandt und laster halber öffentlich diffamirt und ver- läumbt wären, bey anderen ehrlichen leuthen an den ge- meinen zusamben534kunften, jahr-tägen, tafelen, gaste- 523) fol. 95r. 524) fol. 95v. 525) fol. 96r. 526) fol. 96v. 527) fol. 97r. 528) fol. 97v. 529) fol. 98r. 530) fol. 98v. 531) fol. 99r. 532) fol. 99v. 533) fol. lOOr. 534) fol. lOOv. 115
        

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