Klag auf die fürgestellte malefiz persohnen. 
Urthl. Erstlich redt man den richter an umb anhörung, wie ge- bräuchig. Als volgt die klag. Des hochwohlgebohren herrn, herrn N.N. grafen zu hochenembs p. meines gnädigen herrn 
459des wohl edlge- strengen herrn N.N. hochgedachter gnädiger herrsch[q/i!- licher] rath und landtvogt beider graf- und herrschaften Vaduz und Schellenberg laßt gerichtlich fürbringen, wie daß N.N. vor eti[ichen] tagen in die gräfl[zc/ze] fron ve- stung Vaduz in die gefangenschaft genohmen, darinen sie etlich müssethaten sowohl gut als peinlich bekennt haben mit bitt und begehren dieselben zu verlesen und an- zuhören zu erkennen. Hierauf fragt der richter, ob es nit billig seye, wan der erkennte und der landtschreiber die urgericht verlesen. Voigt weithers. Wir anjezo mäniglich verstanden, daß dise arm fürge- stellte menschen an gott verzweiflet sich mit leib und seel an teufel ergeben, das einem Christen menschen nit ge- bührt und andere mehr zauberischen und schädliche stuckh begangen, auch schaden gethan haben deretwe- gen bäte er zu erkennnen, daß sie das leben verwürckt haben und sollen zehen hingericht werden nach käylser- lichen] und des römischen reichs rechten vermög ihre gräflf'cÄe] gnad wohl hergebrachter \öb\[icher] freyheiten und Statuten, damit ihr scheulicher todt 
4f'°mäniglichen ein abscheuen und vorbild seye. Darauf redt der armen sünder fürsprecher und nach- folgender red. Voigt der kläger weither und erholt mit zwey worten das vorige und bitt abermahlen mit urtl und recht, die be- klagte an leben zu strafen. Dan replicirt der sünder für- sprech. Der kläger aber für das 3te mahl sagt, er laßt es bey dem vorigen bleiben und setzt es hirmit zu recht. Formb wie man einen schuld brief einlegen soll. Herr richter, wan ihr mich anhören von N.N. wegen. Er befihlt mir, er habe da etlich brief und urkundten begehrt, manns ihme vor eurem staab abhöre und verlese und setz es derohalben zu recht, ob es nit billich besehene. Jezt wird er um die urthl befragt. Herr richter, so dunckt mich des recht, daß maus an- höre und der h[err] landschreiber sie verlese, und wan dan sie gehört und verlesen 
461seyndt, so ding und behalt einem jeden sein recht und 2 rath. Wie man die brief wider heraus erkennen soll. Herr richter, die brief seynd zwar verlesen, setz ichs wei- ther zu recht, was recht darumb wäre. 
Herr richter, so dunkt mich das recht, daß der waibel vor gericht verhört werde, ob er den inhabern oder unter- pfandten für gericht boten haben oder nit. Herr richter, die weil der waibel das bot verricht hat, so dunckt mich das recht, daß der gute freund warthen soll, weil ihr h[err] richter und ein ehrsamb gericht sitze. Khume jemands in der zeit und gebe andwort, sollen sie angehört werden, womit soll er warthen 6 wochen und 3 täg, kumme jemands und erlege haubtguth sambt anstän- digen zünsen und billigen kosten, soll er schuldig seyn zu empfangen; wo nit, so erkenn ich ihm ein gandt brief, das er möge ab disen einverleibten unterpfandten setzen nach gandt und landts recht der grafschaft Vaduz bis 
462er auf- gericht und bezahlt ist. Und wan der gandt brief geschri- ben und gestellt ist, vermög ergangenen urthl, wie dan der h[err] landtschreiber wohl stehlen kan, soll der h[err] richter demselben schuldig seyn zu berichten, doch euch und euren erben und dem ehrsamben gericht ohne scha- den. Herr richter, das dunckt mich recht. Voigt hernach Wie man die urthl aussprechen soll. Herr richter, es haben sich eÜUcfie] rechts handl zugetra- gen, so hat man auch verhört die klag und andwort, wie auch verhörung der kundschaft und gethanen recht-satz, setz ich zu recht was recht darumben werde. Urthl. H[err] richter, ich bin einer urthl befragt worden, dersel- ben bin ich mit bedacht gewesen, ich hab auch rath be- gehrt, es ist mir auch rath erfolgt worden. Es hat mir ein jeder biderman gerathen, was sie billich und recht ge- dunckt, so hat man sich etlicher urtheln bedacht 
4f,3und vereinbahret und verglichen, die seynd durch den h[erm] landtschreiber ordentlich auf das papier verfaßt worden, die soll der h[err] landtschreiber verlesen. Und wan dan sie verlesen seynd, so soll es darbey verbleiben, es wäre dan sache, daß sich einer oder der andere ab der urthl beschwärte, daß derselbig wohl möge appelliren und zie- hen nach formb der rechten für unseren hochwohlgeboh- renen gnädigen herrn und nit weither, und die urthl von richter mit silber und gold auslösen. Herr richter, das dunckt mich recht. 102
        

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