1901 BIS 2001: DIE ERSTEN HUNDERT JAHRE DES HISTORISCHEN VEREINS / KLAUS BIEDERMANN DENKMALSCHUTZ Der Historische Verein als Gesamtgremium oder auch einzelne Vereinsmitglieder bemühten sich aber auch immer wieder um den Erhalt von schüt- zenswerten Bauten und Objekten. Sie setzten sich dabei auch für eine zweckmässige Verwendung der historischen Gebäude ein. Diese Bemühungen wa- ren manchmal umsonst, gelegentlich aber auch erfolgreich. Oftmals waren es engagierte Einzelper- sonen, die dem Verein Anstösse gaben, hier tätig zu werden. Ein frühes Engagement, das scheiterte, ist im Folgenden kurz skizziert. Anschliessend seien noch zwei erfolgreiche Bemühungen exemplarisch angeführt. Der Vereinsvorstand setzte sich im Jahr 1930 vergeblich für den Erhalt eines aus dem 15. Jahr- hundert stammenden Torbogens ein, der sich ge- genüber der Bäckerei Heim in Balzers befand und leider einer Strassenregulierung weichen musste.27 Anlässlich der Ausschuss-Sitzung vom 27. Mai 1930 hatte der Vereinsvorstand noch festgehalten: Die Entfernung dieses Torbogens sei «kein Ver- kehrsbedürfnis» und plädierte für «stehen lassen! Dieser Bogen ist noch eines der wenigen histori- schen Denkmäler von Balzers. Falls die Regierung doch beschliessen sollte, ihn zu entfernen, so soll er vorher photographiert werden».28 Sowohl Foto- dokumentation wie Abbruch des Torbogens ge- schahen noch im selben Jahr. Zudem verfasste Egon Rheinberger einen Kurzbericht für das Jahr- buch.29 Fürst Franz I. beabsichtigte 1930, das in fürst- lichem Besitz stehende Geburtshaus des Kompo- nisten Josef Gabriel Rheinberger zu verkaufen. Der Fürstliche Musikdirektor Severin Brender, gleich- zeitig Mitglied des Historischen Vereins, teilte dies dem Vereinsvorsitzenden Josef Ospelt schriftlich mit und bat den Historischen Verein dabei, «alles zu unternehmen, dass die Geburtsstätte Rheinber- gers der Kunst und dem Lande nicht verloren gehe».30 Gleichzeitig schrieb ein privates Komitee der Regierung, «eine Entäusserung des Geburts- hauses von Josef Rheinberger [wäre! nicht zu ver- antworten». Das Komitee hielt zudem fest: «Wir 
sind uns bewusst, dass die moderne Zeit ideellen Wertungen entgegensteht, wir sind uns aber auch bewusst, dass gerade der Dienst an der Kunst und die Erhaltung und Pflege von deren historischen Bauwerken besonderer Wertmesser an der wirk- lichen Kultur des Volkes ist».31 Diesem Komitee gehörten unter anderem die Vereinsmitglieder Egon Rheinberger, Hofkaplan Alfons Feger, Otto Schaedler und Georg Hinkelbein an. Der Verkauf des Rheinberger-FIauses an einen privaten Inter- essenten war aber zu diesem Zeitpunkt bereits in die Wege geleitet. Der Historische Verein schrieb daraufhin dem Fürsten, mit der ausdrücklichen Bitte, das Verkaufsgeschäft zu stornieren.32 Die Proteste zeigten Wirkung, und die Veräusserung des Rheinberger-Hauses an eine Privatperson konnte schliesslich verhindert werden. Im Jahr 1957 erwarb sodann das Land Liechtenstein dieses historische Gebäude im Zentrum von Vaduz, in 23) JBL 21 (1921), Vereinschronik, S. 135. 24) Schreiben der Regierung an den Historischen Verein vom 21. Dezember 1929. 25) Protokoll der Ausschuss-Sitzung vom 28. Juli 1932. 26) Ursula Riederer: Neues Bauen im Fürstentum Liechtenstein. In: Patrik Birrer (Hrsg.) Bauen für Liechtenstein, S. 270-295, hier S. 279-281. Das «Zickert-Haus» an der Feldstrasse in Vaduz steht seit 1998 unter Denkmalschutz, (freundliche Mitteilung von Hansjörg Frommelt, Leiter der Fachstelle Archäologie). Interessant am Rande: Hermann Zickert (t 1954) liess sich von der Haltung des Histori- schen Vereins nicht irritieren und wurde sogar 1932 Vereinsmit- glied. 27) Ebenda. Egon Rheinberger verfasste einen Kurzbericht über dieses abgegangene Baudenkmal, abgedruckt in: JBL 30 (1930). S. 77 f. 28) Protokoll der Ausschuss-Sitzung vom 27. Mai 1930. 29) Protokoll der Ausschuss-Sitzung vom 5. Oktober 1930. 30) Schreiben von Musikdirektor Josef Brender an den Historischen Verein. 3. April 1930. 31) Schreiben des Komitee gegen den Verkauf des Rheinberger- Hauses, 29. März 1930, an die Regierung gerichtet. 32) Schreiben des Historischen Vereins an Fürst Franz I., 15. April 1930, 39
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.