KONZEPT DER KÜNFTIGEN DAUERAUSSTELLUNG DES LIECHTENSTEINISCHEN LANDESMUSEUMS / N. W. HASLER Herkunft und landeskundliche Informationen über Liechtenstein in den Vordergrund zu stellen sind. Gleichzeitig sollen mit einer sorgfältigen und re- striktiven Auswahl an Objekten, bei der auch Viel- falt und Phantasie nicht zu kurz kommen dürfen, ästhetisierender Formalismus und didaktisierende Belehrungswut, aber auch Orientierungslosigkeit und Sammelsurium-Eindruck eines musealen Ge- mischtwarenladens vermieden werden. Das Liechtensteinische Landesmuseum wird sich zukünftig als «Themen-Museum» präsentie- ren. Die Auswahl der Themen orientiert sich am Sammlungsbestand des Museums und an dem ge- meinsamen Nenner der Landeskunde Liechten- steins mit Einbezug des regionalen Kulturraumes. Es geht um die äussere und innere, um die geistige und museumsspezifische Gestaltung eines kultur- geschichtlichen Museums mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Es gibt keine vorgeschriebene Laufrichtung zur Besichtigung der Ausstellungen. Der Besucher kann seinen Rundgang nach eigenen Interessen gestalten, aber dennoch Querbezüge er- kennen und sich einzelne Raumeinheiten mit ihren jeweiligen Unterthemen für die Einzelbetrachtung auswählen.12 Ausgehend von den architektonisch-räumlichen Gegebenheiten wurde vorgängig eine nach ver- schiedenen Kriterien bestimmte Aufteilung der Dauerausstellung in sechs Grundbereiche festge- legt, von denen jeder einem bestimmten Raumteil zugeordnet wurde. So findet sich im Erdgeschoss des Verweserhauses der Grundbereich mit archäo- logischem Schwerpunkt, im ersten Obergeschoss der volkskundliche und im zweiten Obergeschoss der neuzeitliche Aspekt mit Gegenwartsbezug. Im Erdgeschoss des Landesmuseumsgebäudes befin- det sich die Eingangszone mit den Erschliessungen aller drei Museumsbauten und der entsprechenden Infrastruktur wie Kassabereich, Museums- und Büchershop, Cafeteria, Foyer und Sanitäranlagen. Die beiden Ausstellungsebenen im ersten und zweiten Obergeschoss sind den historischen und kulturhistorischen Aspekten des Mittelalters und der frühen Neuzeit gewidmet. Das erste Oberge- schoss des Erweiterungsbaus ist der naturkundli-chen 
Dauerausstellung vorbehalten, während sich im zweiten Obergeschoss die Wechselausstellungs- räume befinden. Die jeweiligen Grundbereiche sind einem ein- heitlichen Grundprinzip folgend nach Modulen auf- gebaut. Dabei wird zwischen Grundmodulen und Satellitenmodulen unterschieden. Pro Grundbe- reich sollen je ein oder zwei Grundmodule einge- richtet werden. Das Grundmodul ist als themati- scher Schwerpunkt konzipiert, mit einem visuell prägnanten und inhaltlich aussagekräftigen Leitob- jekt beziehungsweise einer Leitobjektgruppe im Zentrum und einer Reihe zusätzlicher Objekte, die sich um diesen Themenschwerpunkt gruppieren lassen und allenfalls auch aus anderen Grundberei- chen stammen können. Mit den Satellitenmodulen können flexible, respektive auswechselbare Zusatz- einheiten geschaffen werden, ausgehend von wei- teren wichtigen Objektgruppen oder von als wich- tig erachteten Einzelthemen des Grundbereichs, die nicht in das Grundmodul integrierbar sind. Durch die variablen Satellitenmodule wird es künf- tig möglich sein, die bislang statisch angelegte Struktur der Dauerausstellung dynamisch zu ver- ändern. Durch ein ansprechendes vielfältiges Wechsel- und Sonderausstellungsprogramm, durch konse- quente Öffentlichkeitsarbeit und ein breitgefächer- tes museumspädagogisches Angebot soll das Liech- tensteinische Landesmuseum inskünftig aktuell und lebendig erhalten bleiben. Dies bedingt jedoch neue finanzielle Mittel und professionell ausgebil- 10) Leitbild des Liechtensteinischen Landesmuseums, 11. November 1998. 11) Im Museum herrscht nur eine fiktive Realität, die Vergangenheit (Geschichte) kann nicht authentisch rekonstruiert werden. Es müssen daher thematische Schwerpunkte gesetzt werden, wobei wiederum kein Thema den Anspruch erheben kann, die ganze Zeitspanne abdecken zu können. - Vgl. Strobel, Geschichte und Museum, S. 17: Die Visualisierung von Geschichte im Museum (mit zahlreichen Literaturhinweisen). 12) Vgl. Frank Günter Zehnder: Das «Themen-Museum». Die Neukonzeption der Dauerausstellung nach dem Umbau. In: Das Rheinische Landesmuseum Bonn. Berichte aus der Arbeit des Museums. Bonn, 3/2000. S. 41-45. 367
        

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