«MUT HABEN, ANREGEN, DISKUSSIONEN ANFANGEN, DAS SIND SCHON AUFGABEN DES HISTORISCHEN VEREINS» dern darin, dass noch das ganze Ensemble erhal- ten ist. Unter Denkmalschutz steht nur das Haus, nicht aber der Stall und die Umgebung. Ich sehe nicht ein, warum wir unbedingt einen Verwen- dungszweck brauchen. Man kann das ganze doch einfach erhalten, im Stand halten, man muss es nicht jetzt für irgendeinen Zweck umbauen. Ir- gendwann ergibt sich sicher etwas und wenn nicht, dann ist es zumindest vorsorglicher Landerwerb, für die, die nach uns kommen. Die Chance ist noch einmal da, dass die öffentli- che Hand das Gamander erwerben könnte. Wir möchten uns dafür einsetzen, dass es von der Ge- meinde Schaan oder vom Land erworben wird. Volker Rheinberger: Man darf hier sicherlich auch kritisch anmerken, wie frustrierend es doch manch- mal auch gewesen ist, mit den Vertretern der öf- fentlichen Hand Gespräche zu führen. Und wie we- nig Verständnis dieser Sache zum Teil entgegenge- bracht wird. Wir sind mit einer technokratischen Ausrichtung konfrontiert: Nützt es etwas? Brau- chen wir das? Was gibt es für einen Verwendungs- zweck? Ich finde, die öffentliche Hand hat eine kul- turpolitische Verpflichtung und müsste das Kultu- relle schätzen. Und das Gamander ist so etwas. Es ist ein Zeitdokument. Und muss als solches erhal- ten bleiben. Und meines Erachtens findet man mit einem bisschen Phantasie allemal einen Verwen- dungszweck. Dass es nie eine rentable Angelegen- heit sein wird, das ist klar. Es ist aber eine sinnvol- le Investition, ein Kulturobjekt zu erhalten und vor allem den Nachkommen zu erhalten. Wenn es in private Flände übergeht, dann besteht zumindest die Gefahr, dass es stark verändert wird. Marie-Theres Frick: Wir sind einfach verpflichtet, den nachkommenden Generationen etwas zu er- halten. Wenn das Gamander Anwesen verbaut ist, dann kommt es nie mehr wieder. Wir haben in un- serem Land nicht mehr so viele Objekte, die man unter Schutz stellen kann und die so einzigartig sind wie das Gamander. Man darf nicht vergessen: Das Ensemble Ga- mander ist praktisch so erhalten geblieben, wie es 
damals gebaut wurde. Und es ist fast gleich alt wie unser Staat. MUT HABEN, ANREGEN, DISKUSSIONEN ANFANGEN, DAS SIND SCHON AUFGABEN DES HISTORISCHEN VEREINS Marie-Theres Frick: An der Jahresversammlung 1998 wurde eine Resolution gefasst, dass die öf- fentliche Hand das Anwesen Gamander kaufen sollte. Diese Resolution wurde an die Regierung und an die Gemeinde Schaan geschickt. Auch jetzt, als wir erfahren haben, dass das Anwesen wieder zu erwerben ist, hat der Histori- sche Verein der Gemeinde Schaan nochmals emp- fohlen, das Anwesen zu kaufen. Der Historische Verein kann zwar Empfehlungen abgeben, aber direkten Einfluss auf Entscheidun- gen der öffentlichen Hand hat er nicht. Was er aber kann und sollte, ist das Interesse und das Verständ- nis wecken für solche kulturpolitischen Fragen. Volker Rheinberger: Man darf auch die Arbeits- gruppe «pro Gamander» erwähnen, die sich die Erhaltung dieses Anwesens zum Ziel gesetzt hat und die sich der Gemeinde und der Regierung ge- genüber exponierte. Der Historische Verein ist in dieser Arbeitsgruppe vertreten. Generell würde ich unsere Welt auch eher als eine technokratische Welt bezeichnen. Alles wird gemanagt, alles wird sehr rational angeschaut. Das Ganze ist zu wenig emotional. Kunst und Kultur haben aber viel mit Emotionen zu tun. Die jungen Leute werden zu wenig an diese Thematik heran- geführt. Wir sehen das auch in der Mitgliedschaft im Historischen Verein. Früher ist der Historische Verein vielleicht auch als ein etwas elitärer Verein betrachtet worden. Aus meiner Generation sind sehr viele schon während der Endstufe am Gymna- sium dem Historischen Verein beigetreten. Das hat einfach dazugehört. Das Interesse war da. Das In- teresse wurde auch in der Schule geweckt. Viel- leicht, ich kann es nicht im Detail beurteilen, viel- leicht ist das bei der Jugend heutzutage nicht mehr 297
        

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