«MUT HABEN, ANREGEN, DISKUSSIONEN ANFANGEN, DAS SIND SCHON AUFGABEN DES HISTORISCHEN VEREINS» hat, die man irgendwo aufstellt. Ich will dir da jetzt nicht den Schwung und den Elan nehmen, Klaus, aber ... Klaus Biedermann: Ich lasse mir den Elan nicht so schnell nehmen, aber deine Einschätzung ist sicher realistisch. Helmut Konrad: Natürlich gibt es auch wirklich In- teressierte. Aber der Grossteil hat wahrscheinlich nicht das Interesse und die Müsse, sich damit aus- einander zu setzen. In Bezug auf die Schule muss ich allerdings dazu sagen, dass das in meiner Ju- gendzeit wahrscheinlich nicht viel anders gewesen ist. Für den Grossteil der Schülerinnen und Schüler ist es einfach ein notwendiger Schritt, diese Matura zu machen. Aber sich faszinieren zu lassen von Bil- dungsgütern, das tut oft nur ein recht kleiner An- teil. Vielleicht kommt das später. Das ist auch ein bisschen eine Hoffnung. Dass irgendwo eine Saat gelegt ist, die ihnen später den Zugang erleichtert, zum Beispiel zu politischen Aktivitäten, im Sinne dessen, selbst einmal etwas zu machen, einen Bei- trag für die Gemeinschaft zu leisten. Dinge, von de- nen die Demokratie letztlich lebt. 
nem Aha-Erlebnis kann dann vielleicht im Zusam- menhang mit der Verfassungsdiskussion aufzeigen, dass die Geschichte viele Antworten gibt auf Fra- gen von heute. Warum Geschichte? Welchen Wert hat Geschichte? Dieses Beispiel kann das vielleicht veranschaulichen. Und auch das Zitat von Rupert (Quaderer), ich glaube aus den 1920er Jahren, das Volk solle sein Schicksal in die Hand nehmen, kann man, so denke ich, auf viele Bereiche beziehen. Unter anderem auf die Verfassung. Aber auch auf anderes, viel- leicht ganz generell auf die Entwicklung im Land. Da stelle ich dann aber fest, dass das Volk dies eben nicht in dem Masse tut, wie wir vielleicht mei- nen, dass es dies tun sollte. Und so kommt man auf die Rolle des Vereins, dass der dort vielleicht Kata- lysator sein könnte, sollte, müsste. Anstösse geben, auf Entwicklungen hinweisen, in Frage stellen. WO KOMMEN WIR HER? Helmut Konrad: «Wir wollen in Zukunft als Bürger und nicht als Unterthanen behandelt sein». Diese Forderung steht im Zusammenhang mit der 1848er Revolution. Gewählt habe ich dieses Zitat, weil gerade kürzlich ein Schüler beim Schreiben ei- ner Facharbeit über die Verfassungsentwicklung in Liechtenstein ganz erstaunt festgestellt hat, er habe gar nicht gewusst, wie mühsam und wie lange die Entwicklung der Volksrechte bis zur heutigen Si- tuation gewesen sei. Geschichte dient dazu, die Vergangenheit zu ver- stehen, damit wir eine Gewichtung in der Gegen- wart vornehmen können, um uns bewusst zu wer- den: Wo kommen wir her? Was haben wir? Was wollen wir nicht? Wo wollen wir uns nicht hin- entwickeln? Das Beispiel dieses Schülers mit sei-295
        

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