schung, sondern im Sinn von Bewusstseinsbildung, vielleicht um auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, Verantwortlichkeiten aufzuzeigen. Da steckt dann wesentlich mehr Konfliktpotential drin. In der Vergangenheit haben wir das nicht oder zu wenig gemacht, weshalb es aus diesen Gründen kaum zu Spannungen zwischen dem Verein und der Regierung gekommen ist. DASS IRGENDWO EINE SAAT GELEGT IST, ... Helmut Konrad: Man weiss ja, dass nur sehr weni- ge Leute eine Zeitung wirklich lesen. Die meisten lesen vielleicht die Bildlegenden, vielleicht die Überschriften, den Vorspann. Damit hat sich's. Im Moment ist es auch so, dass mit den zwei Parteior- ganen (Liechtensteiner Vaterland und Liechtenstei- ner Volksblatt) im Prinzip ein Medium fehlt, das sich mit dem Land auseinandersetzt und nicht in erster Linie Parteiorgan ist. Auch das Radio berich- tet nur sehr punktuell. Einerseits fehlt also das Interesse, sich mit Poli- tik auseinander zu setzen, andererseits sind aber auch die medialen Voraussetzungen nicht gut. Den- noch gäbe es in Liechtenstein die Möglichkeit, vor allem auch aufgrund seiner Kleinheit, sich direkt einzubringen. Nur machen das zunehmend weni- ger. Letztlich ist die Gesellschaft, die Politik, keine res publica. Die Politik bekümmert einen nicht. Die Leute gehen ihrer Arbeit nach und verwirklichen sich selbst in der Freizeit, mit Hobbies. Und alles andere geht einen im Prinzip nichts an, das über- lässt man den Politikern. Wenn du dich für ein Mandat, für ein Amt zur Verfügung stellst, hat man fast Mitleid: Wie kannst du dir das antun? Bist du wahnsinnig? Und so setzen sich eigentlich recht wenige Men- schen wirklich mit unserem Land, seiner künftigen Entwicklung auseinander. Viele nehmen zwar die Entwicklung, die unser Land nimmt, mehr oder weniger mit Sorge zur Kenntnis, viele nicht einmal das. Die meisten aber denken, dass es sowieso nicht zu ändern ist. Sich engagieren, den Fuss rein- halten, das tun sehr wenige. 
Klaus Biedermann: Das Exponieren braucht eben doch viel Kraft. Als Beispiel nenne ich hier die LGU (Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz). Wobei der Umweltschutz noch unbequemer ist wie das Historische, weil er das Konsumdenken und -verhalten hinterfragt. Wobei der Historische Ver- ein hier durchaus auch Anregungen und Impulse geben könnte. Da sind wir dann wieder bei den al- ten Häusern. Raumplanung ist zum Beispiel auch ein Thema, das sowohl die LGU als auch den Histo- rischen Verein betrifft, wenn wir die Statuten des Historischen Vereins ernst nehmen. Auch schauen die Leute lieber Bilder an, als dass sie lesen. Beim Band 96 des Jahrbuches (des Histo- rischen Vereins) zum Beispiel, der ein an und für sich populäres Thema zum Inhalt hatte - die He- xenprozesse -, da habe ich als Kritik gehört: «Ja, doch, das ist schon spannend und schön. Aber, wenn ich da so blättere, da gibt's ja praktisch keine Bilder!» Das hörte ich zum Teil von Leuten, die Mit- glied sind im Verein. Zu viele Seiten nur mit Text bringen es offenbar nicht in der heutigen Gesell- schaft. Helmut Konrad: Ich frage mich grundsätzlich, wie viele Leute die Jahrbücher lesen, ob sie nun gut il- lustriert sind oder eher textlastig. Ganz allgemein stelle ich, auch in der Schule, schon fest, dass das Lesen für viele etwas, sagen wir mal, «Mühsames» ist. Vor allem, wenn man zu lange Texte lesen muss. Lesen würde ja noch gehen, aber nachher auch noch darüber nachdenken, miteinander dis- kutieren über etwas, das man gemeinsam gelesen hat. Dafür sind sogar die Schülerinnen und Schüler oft nur sehr bedingt zu haben. Da ist vieles andere interessanter. Auf diesem Hintergrund frage ich mich dann eben, wie viele dieser 900 oder 1000 Jahrbücher, die pro Band an die Vereinsmitglieder abgegeben werden oder sonst in Umlauf gehen, pessimistisch gesagt, nicht einmal richtig aufgemacht, höchstens mal durchgeblättert werden. Vielleicht dass einmal ein einzelner Artikel gelesen wird. Sonst hat das Jahrbuch möglicherweise für viele eher in dem Sinn einen Wert, dass man eine vollständige Reihe 294
        

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