«MUT HABEN, ANREGEN, DISKUSSIONEN ANFANGEN, DAS SIND SCHON AUFGABEN DES HISTORISCHEN VEREINS» Klaus Biedermann: Die Frage ist einfach, wie weit der Historische Verein bereit ist, zu gehen. Sein Image ist ja dasjenige eines honorigen Vereins. Und von diesen honorigen Leuten ist er letztlich fi- nanziell ein Stück weit abhängig. Diese Abhängig- keit vom Geld ist natürlich eine sehr zweischneidi- ge Sache; denn wenn der Verein ein bisschen akti- ver werden will und unbequemer, dann ist abseh- bar, dass gewisse Geldgeber nichts mehr geben werden. Helmut Konrad: Die Finanzen sind das eine, das andere ist sicher auch die Zeit, die es für dieses En- gagement braucht. Da bräuchte es deutlich mehr Präsenz der einzelnen Vorstandsmitglieder, aber auch von den Vereinsmitgliedern selbst, die gewis- se Sachen mitzutragen hätten. Bisher schöpfte der Verein seine Identität vor allem aus der Publikation des Jahrbuches und der Trägerschaft der verschie- denen Projekte. Es gäbe in der Ausrichtung des Vereins schon einen starken Wandel, der von allen mitgetragen werden müsste. Vielleicht wird der Verein aber auch von aussen zu einer solchen Neuausrichtung gezwungen. In- nerhalb der staatlichen Kulturpolitik sind schon seit längerem Weichenstellungen geplant, die durchaus auch für den Verein einschneidende Aus- wirkungen haben können, wie zum Beispiel die Schaffung eines Amtes für Kultur. Einige Bereiche, die der Verein jetzt betreut, würden möglicherwei- se von einem solchen Amt übernommen. Daraus müsste für uns eine andere Orientierung entstehen. Auch in diesem Kontext sind die Gespräche zu se- hen, die wir innerhalb des Vorstandes geführt ha- ben. Da ja der Historische Verein bisher in ver- stärktem Masse staatliche Aufgaben wahrgenom- men hat, würde auch so, aufgrund einer solchen Umstrukturierung der staatlichen Kulturförderung, eine Neuausrichtung notwendig. Deshalb braucht es auf jeden Fall diese grundsätzlichen Überlegun- gen und Weichenstellungen von Seiten des Vereins, wie sie vom Vorstand in Angriff genommen wur- den. 
Klaus Biedermann: Die Nähe zum Staat, diese Form von Abhängigkeit, war ja immer gegeben. Sie ist relativ stark. Mit den Mitgliederbeiträgen de- cken wir nicht einmal das Jahrbuch ab, geschweige denn den Unterhalt eines Büros. Helmut Konrad: Aber trotzdem ist ein grösseres Mass an Freiheit oder Unabhängigkeit vorhanden, als wenn diese Aufgaben künftig von einem Amt wahrgenommen würden. So konnten wir bei Aus- einandersetzungen, die Rupert (Quaderer) als Vor- sitzender mit der Regierung führte, unsere Stand- punkte einbringen. Wenn es nachher ein Amt gibt, so stellen sich gewisse Fragen und Diskussionen nicht mehr. Dann wird einfach gemacht, was die Regierung sagt. Umso mehr ist dann eine kritische Begleitung der Kulturpolitik notwendig, wie wir sie vorhin im Zusammenhang mit der künftigen Aus- richtung des Vereins diskutiert haben. Klaus Biedermann: Gerade bei einer guten Finanz- lage muss es sich der Staat leisten, dass er auch Or- ganisationen unterstützt, die kritisch sind. Auch ihm gegenüber. Damit zeigt der Staat eine gewisse Grösse. Wir leisten ja auch einiges für den Staat. Helmut Konrad: Wenn man an Projekte denkt wie die Archäologie, das Namenbuch und das Urkun- denbuch, die sind nicht so konfliktträchtig, dass hier der Verein der Regierung einen anderen Kurs «aufzwingen» müsste. In den Diskussionen mit der Regierung ging es vor allem um die Einhaltung der finanziellen Mittel und der Termine. Dennoch war es auch hier mühsam, dass der Verein immer als Bittsteller auftreten musste, dass bei der Regierung häufig das grundlegende Verständnis für die Anlie- gen des Vereins gefehlt hat. Anders sieht es aber aus, wenn dann Problem- kreise wie Raumplanung, Landschaftsschutz, Denk- malschutz anstehen würden, bei denen der Verein aktiv werden müsste. Nicht im Sinn von For- 4) Vgl. Beitrag von Hans-Jörg Rheinberger in diesem Jahrbuch auf S. 16-26. 293
        

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