mer wieder beim Gedanken, was jetzt da anders sein soll, wenn ein einzelnes Haus stehengelassen und saniert wird, als wenn einfach etwas Neues dort stehen würde. Aber wenn man etwas als En- semble anschaut, so wie zum Beispiel das Möliholz oder das Gamander, wenn man es in seinem Cha- rakter bestehen lässt, dann ist das für mich etwas anderes. Das Möliholz, umgeben von Hochhäusern, ein verbautes Gamanderanwesen, das verliert sei- nen Charakter und damit seinen Wert. Das einzel- ne Haus zwischen anderen, die nicht mehr dazu passen, hat da für mich geringere Bedeutung. Vor allem für Quartiere, für das Ensemble müssen wir Sorge tragen. Für mich ist die Entwicklung, die unser Land nimmt, keine bewusst gewollte, sondern sie pas- siert einfach. Das Land steckt in einer Art Goldgrä- berstimmung, es geht nur ums Geldverdienen. Des- halb wird die Entwicklung nicht mehr bewusst ge- steuert, niemand weiss mehr, woher wir kommen und wo wir überhaupt hin wollen. Wir sind nur einfach in dem, worin wir stecken, verhaftet, im Tagesgeschäft, und wir haben keine Vorstellung von Zielen, wo wir hinwollen. Ein grundsätzliches Unbehagen, eine Verunsicherung ist zwar bei vie- len Menschen spürbar, aber mit einem Gefühl der Ohnmacht, mit einem gewissen Fatalismus, dass man sowieso nichts dagegen tun kann. Und so passiert die Entwicklung einfach. Das ist die Situation, wie ich sie bei uns im Land tendenzi- ell wahrnehme. Man schaut die Vorgänge auch nicht vernetzt an. Die Wirtschaftspolitik mit der Raumplanung, mit dem Landschaftsbild, mit der Verkehrssituation und und und. Das eine galop- piert davon, beinahe ausser Kontrolle, und beim anderen versucht man hinterher noch etwas Kos- metik zu betreiben. Klaus Biedermann: Der Verlust wird schon wahr- genommen. Aber vielleicht nicht immer auf einer bewussten Ebene. Sonst wäre der Trend, der Hang zur Verkitschung nicht vorhanden. 
DANN WIRD EINFACH GEMACHT, WAS DIE REGIERUNG SAGT Helmut Konrad: Zum 100-Jahr-Jubiläum des Ver- eins hat sich der Vorstand zu zwei Klausurtagun- gen getroffen, weitere sollen folgen. Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht und uns überlegt, wie es weitergehen soll. Wir haben also einen Ausblick und einen Rückblick gewagt. Und dabei sind wir im Vorstand zu dem Ergebnis gekommen - ganz im Sinne dessen, was auch Hans-Jörg Rheinberger in seinem Jubiläumsreferat4 über das antiquarische und das kritische Geschichtsverständnis gesagt hat -, dass wir den kritischen Aspekt oder Ansatz, das Einmischen in die Gegenwart, vielleicht ein biss- chen vernachlässigt haben und dass wir dies künf- tig stärker gewichten sollten, zum Beispiel das Ein- mischen in Bezug auf die Entwicklung des Landes, auf die Raumplanung, die Denkmalpflege usw. Wir haben in der Vergangenheit mehr im archi- vischen Sinn verwaltet. Die Trägerschaft verschie- dener Projekte hat den Vorstand, insbesondere den Vorsitzenden, vor allem in den letzten Jahren sehr stark absorbiert, weshalb für andere Aufgaben we- nig Zeit geblieben ist. Denkanstösse geben, Fragen stellen und in Frage stellen, das sind aber durchaus auch wichtige Aufgaben, die der Verein wahrneh- men sollte. Vereinzelt haben wir es auch in der Ver- gangenheit gemacht, insgesamt aber doch sehr zaghaft und zurückhaltend. Beim Gamanderhaus zum Beispiel wurde eine Petition an die Regierung übergeben, dass die öffentliche Hand alles unter- nehmen solle zu dessen Erhalt in seinem ursprüng- lichen Charakter, es wurden Gespräche mit der Gemeinde Schaan geführt usw. Aber wir sind nicht an die Öffentlichkeit gegangen, haben kein Lobby- ing betrieben. Diese Ausrichtung des Vereins festzulegen, wo seine wesentlichen Aufgaben liegen, das wird et- was sein, das noch breiter zu diskutieren sein wird. Ich persönlich glaube, dass wir ein wenig eine Ge- wichtsverlagerung vornehmen sollten oder zumin- dest eine Gleichgewichtung zwischen diesen bei- den Aufgabenbereichen, die ich vorhin aufgezeigt habe. 292
        

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