tentums Liechtenstein und / Churrätiens.» Dann fügte er folgenden Nachsatz hinzu: «Von der Er- wähnung seiner Tätigkeit als Mitglied des Deut- schen Parlaments bin ich wieder abgekommen aus der Überlegung, dass diese Tätigkeit doch eine sehr kurze war und nach der ganzen damaligen politi- schen Lage keine besonderen Erfolge bringen konnte und auch nicht gebracht hat.»s Offensicht- lich wurde dann erst einmal gar keine Tafel ange- bracht, denn 1943, im Vorfeld der Peter Kaiser-Ge- denkfeier, heisst es im Vorstandsprotokoll nun mit umgekehrten Rollen: «Am 1. Oktober sind es 150 Jahre, seit der Geschichtsschreiber und Patriot Pe- ter Kaiser in Mauren geboren wurde. Der Verein wird bei diesem Anlasse eine Gedenkfeier durch- führen. Bei der fürstlichen Regierung soll angeregt werden, dass an Kaisers Geburtshaus in Mauren bei diesem Anlasse eine Gedenktafel angebracht werde.»9 Als das Wohnhaus nach dem Krieg ab- brannte, wurde dann in der Tat eine Tafel gebor- gen, deren Wortlaut aber nicht mehr festzustellen war.10 Sie wurde 1949 in die Sammlung des Ver- eins übernommen und in den «Engländerbau» ver- bracht." Wo sie wohl heute ist und was drauf stand? Die lapidare Einschätzung Rat Ospelts hat sich seither in historischen und politischen Kreisen Liechtensteins gewiss geändert. Es sollte aber ein weiteres halbes Jahrhundert vergehen, bis 1989 mit Arthur Brunharts zweibändiger kritischer Aus- gabe des wichtigsten Liechtenstein-Buches aus dem 19. Jahrhundert der Boden für die weitere Be- schäftigung mit Kaiser gesichert war. Wenn man von Quellen spricht, darf man die materiellen Zeugen der Ur- und Frühgeschichte nicht vergessen. Es ist aus heutiger Sicht bemer- kenswert, dass die Statuten von 1901 die Ur- und Frühgeschichte als Aufgabe des Historischen Verei- nes gar nicht erwähnen, zumindest nicht explizit. Erst 1909 fiel im Verein die Anregung für eine se- parate «Sammlung Liechtensteinischer Altertü- mer» im Anschluss an einen Vortrag von Albert Schädler über die Urgeschichte des Landes, und das Vorstandsmitglied Egon Rheinberger wurde zu deren erstem «Konservator» bestellt. In der pro- grammatischen Statutenänderung von 1912 er-scheint 
dann als dritte Massnahme zur Erreichung des Vereinszweckes die Pflege und Erweiterung ei- ner Altertümer-Sammlung, und als Aufgabe für das Jahrbuch, «Berichte über archäologische Funde und Erwerbungen» zu veröffentlichen.12 Bei den ersten grösseren archäologischen Unternehmun- gen in Schaanwald (römische Badeanlage), auf Gutenberg, auf dem Borscht und am Lutzengüetle am Eschnerberg in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren stand der Vorarlberger Landesmu- seumsdirektor Adolf Hild dem Vereinskonservator zur Seite. Deren Nachfolge trat der 1930 zusam- men mit Kanonikus Anton Frommelt in den erwei- terten Vorstand aufgenommene David Beck an, der von den späten 1930er Jahren bis zu seinem Tode 1966 die Archäologie in Liechtenstein leitete und von 1955 bis 1966 Präsident des Historischen Ver- eins war. Beck eignete sich durch den Besuch zahl- reicher Kurse im Ausland, vor allem bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühge- schichte, ein profundes praktisches wie auch theo- retisches Wissen an und führte die liechtensteini- sche Archäologie durch professionelle Arbeit auf den damals neuesten Stand der urgeschichtlichen Forschung. Die liechtensteinische Archäologie der Jahre 1930 bis 1960 erwarb sich internationale Aufmerksamkeit, die Verleihung der Ehrendoktor- würde durch die Universität Basel an David Beck zu Anfang der 1960er Jahre war Ausdruck dieser gewachsenen Wertschätzung. Mit dieser Tätigkeit machte sich der Historische Verein weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen und vernetzte sich erfolgreich mit den ur- und frühgeschichtli- chen Instituten der umliegenden Universitäten. In diesem Zusammenhang muss auch das Lan- desmuseum genannt werden, dessen Kernbestand zweifellos die archäologischen Sammlungen dar- stellen. Norbert Hasler beschreibt den Werdegang des Museums an anderer Stelle in diesem Jahr- buch. Es hat eine nicht endenwollende Odyssee durch das ganze Säkulum hinter sich. Die ersten Stücke aus der Sammlung von Landesverweser Friedrich Stellwag von Carion wurden zunächst auf Schloss Vaduz aufbewahrt. Als dieses vor dem Ers- ten Weltkrieg renoviert wurde, kamen die Bestände 18
        

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