DIE SAMMELTÄTIGKEIT DES HISTORISCHEN VEREINS UND DES LIECHTENSTEINISCHEN LANDESMUSEUMS / N. W. HASLER Der südliche Teil des Saales ist für die neuere Geschichte und für die volkskundliche Sammlung vorgesehen. Dieser Teil unseres  soll in Bälde weiter ausgebaut werden. Eine durch die fürstliche Regierung von Herrn Reallehrer Hu- bert Bühler in Eschen erworbene Sammlung von Türschlössern und -Beschlägen findet in diesem Teil des Museums besondere Beachtung. Durch Überlassung von Leihgaben durch die Herren Rheinberger vom Roten Haus in Vaduz konnten die bereits vorhandenen Stücke einer Abteilung liech- tensteinisches Militär) ergänzt werden. Die Glei- chen haben auch die viel beachtete Metallschale von Gutenberg als Leihgabe zur Verfügung gestellt. ... Auch andere Leihgaben waren sehr willkom- men. Die Beschriftung der ausgestellten Gegenstände zum besseren Verständnis der Besucher wird bald- möglichst durchgeführt werden. Für den kunstgeschichtlichen Teil der Samm- lung steht bei dem beschränkten Raum leider nur eine kleine Schauwand zur Verfügung. Sie bietet ei- nen kleinen Überblick aus dem im Lande vorhan- denen Kunstgute. Das Hauptgewicht liegt auf den zeitlich älteren Resten: Thronende Madonna mit Kind ca. 1350 aus dem Nachlass von Professor Fer- dinand Nigg, St. Wolfgang, kleinere Bildtafel ca. 1400, Bruchstücke eines alten Altarflügels von 1450 mit der Darstellung der Marter der Zehntau- send, vom Lande aus dem Nachlass Ferdinand Niggs gekauft und von Professor Heischeck in Wien fachgemäss restauriert, zwei Altarflügel mit der Darstellung der Verkündigung vom Altar der St. Ma- mertuskapelle 1492.75 ... Ferner finden sich vor: zwei Relieffiguren aus einem Altar von St. Florin in Vaduz, ein hl. Sebastian und zwei kleine Krippenfi- guren von Kern ca. 1630, aus dem Nachlass von Professor Nigg. Als Beispiel neuzeitlicher Kunst zeigt sich ein kleiner Wandteppich mit der Weih- nachtsdarstellung, ein Eigenwerk von Professor F. Nigg. ... Wir hoffen, den kunstgeschichtlichen Teil der Sammlung weiter ausgestalten zu können und setzen gerne voraus, dass auch andere Gemeinden dem löblichen Beispiel von Triesen folgen und das eine oder andere Stück, das nicht mehr in prakti-scher 
Verwendung steht, der Sammlung zur Verfü- gung stellen werden. In dem an den grossen Saal anstossenden Raum befindet sich eine Münzensammlung, die den soge- nannten Schellenberger Münzfund mit mittelalter- lichen Münzen, eine Reihe von Münzen des fürstli- chen Hauses, sowie sämtliche Landesmünzen ent- hält. Die letztere Gruppe, nämlich die der Landes- münzen, wurde in diesem Jahre noch durch eine Widmung der Sparkasse für das Fürstentum Liech- tenstein, Liechtensteinische Landesbank, vervoll- ständigt. ... Im gleichen Räume sind auch die Zei- chen des fürstlich liechtensteinischen Verdienst- ordens und des Verdienstkreuzes ausgestellt».76 Eine erste Besucherstatistik wird veröffentlicht: «Bis Anfang November [1954] wurde das Landes- museum von beiläufig 1300 Personen besucht. Nach dem aufliegenden Gästebuch waren unter diesen Besuchern 221 aus Deutschland, 121 aus der Schweiz, 88 aus England, 33 aus Nordamerika, gleichviel aus Frankreich und weitere Besucher aus verschiedenen anderen europäischen Ländern, sowie solche aus Ägypten und der Türkei. Mehrere Mitglieder des fürstlichen Hauses beehrten das Mu- seum mit ihrem Besuch».77 Der Historische Verein hatte damit ein mühsam verfolgtes Ziel erreicht, die Sammlungen hatten - so schien es zumindest - einen definitiven Platz und das Fürstentum Liechtenstein ein «Landesmu- seum» erhalten. Sammlungs- und Museumsbetreu- ung war weiterhin Aufgabe des Historischen Ver- eins. Schon bald stellte sich aber heraus, dass auch diese Lösung nur von mittelfristiger Dauer sein sollte und im nachhinein nur als ein weiteres, wenn auch entscheidendes Etappenziel betrachtet werden kann. 73) JBL 53 (1953). S. 218. 74) JBL 54 (1954), S. 135. 75) Der spätgotische Flügelaltar aus St. Mamertus wurde im Mai 1994 zurückgefordert und wird seitdem als Chorretabel in der Pfarrkirche Triesen verwendet. 76) JBL 54 (1954). S. 135-138. 77) Ebenda. S. 138. 265
        

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