polemischer Form die Ausführungen Kleiner als pseudowissenschaftlich zurück; er trat in mehreren Artikeln in den «Innsbrucker Nachrichten» vom 23. April und 27. April 1907 den Vorarlberger Se- parationswünschen entgegen, wobei er es auch an persönlichen Untergriffen gegen Kleiner nicht feh- len liess-. Kleiner, den man von einem Bäckerjun- gen zum Landesarchivar emporgeschnellt habe, sei als Historiker einfach überfordert.2" Die Invektiven Zösmairs gegen Kleiner tragen einiges dazu bei, uns auch seine überzogene Kritik an Büchel ver- ständlicher zu machen. Wie schon angedeutet, nahm Viktor Kleiner auch direkt Einfluss auf den Historischen Verein. Kleiner hatte sich 1910 in Bregenz vergeblich da- rum bemüht, den Heimatschutz in die Statuten des Vorarlberger Landesmuseumsvereins einzufüh- ren;21 in Liechtenstein hatte er hingegen mit die- sem Anliegen Erfolg. Auf der Jahresversammlung des Historischen Vereins in Vaduz am 11. Dezem- ber 1910 teilte der Vorsitzende mit, «dass von dem k.k. Konservator und Archivar Viktor Kleiner in Bregenz, der auch Mitglied unseres Vereins sei und für die Heimatkunde Vorarlbergs eine rührige Tätigkeit entfalte, die Gründung eines Vereins für Heimatschutz in Liechtenstein angeregt worden sei». Der Vereinsvorstand unterbreitete der Jahres- versammlung den Vorschlag, zwar keinen eigenen Verein zu gründen, wohl aber «die Pflege des Hei- matschutzes unter die Bestrebungen des bestehen- den historischen Vereins einzureihen».22 Dieser Antrag wurde angenommen und der Heimatschutz damit in den Statuten festgeschrieben. Neben die Förderung der vaterländischen Geschichtskunde trat nun als weiterer Vereinszweck, «zur Erhaltung der natürlichen und geschichtlich gewordenen liech- tensteinischen Eigenart den Heimatschutz zu pflegen».23 Die Beziehungen zwischen der Vorarlberger und der liechtensteinischen Geschichtsforschung wur- den seit 1914 durch die damals gegründete Histori- sche Kommission für Vorarlberg und Liechtenstein auf eine neue Grundlage gestellt. Die Initiative kam von Adolf Helbok (1883 bis 1968)24, einem promo- vierten (1910) und später auch habilitierten (1919) 
Historiker, dem es gelang, den LIistorischen Verein für das Fürstentum Liechtenstein mit dem Vorarl- berger Landesmuseumsverein zusammenzuführen, gleichzeitig aber auch das Vorarlberger Landesar- chiv in diese künftige gemeinsame Arbeit zu inte- grieren. Damit wurde einmal ein höheres Niveau der landesgeschichtlichen Forschungen angestrebt; denn es sollten nicht nur politische und weltan- schauliche Gräben überwunden werden, wie sie in dem Konflikt Zösmairs gegen Büchel und Kleiner ans Licht gekommen waren; vielmehr sollte auch durch ein solides Konzept die Arbeit der histori- schen Vereine und Institutionen konzentriert und professionalisiert werden. Durch die geistige Füh- rung eines habilitierten Historikers sollte zudem ein gewisser Ausgleich dafür geschaffen werden, dass beide Länder über keine Universität verfügt haben. Die Historische Kommission wurde auf liechtenstei- nischer Seite vor allem durch Johann Baptist Büchel und Dr. Albert Schädler gefördert.25 Adolf Helbok stellte in einer Versammlung des Vorarlberger Landesmuseums am 18. Juli 1914 in Bregenz den Antrag auf Errichtung einer Histori- schen Kommission für Vorarlberg und Liechten- stein, um mit deren Hilfe die geschichtswissen- schaftliche Forschung beider Länder zu konzentrie- ren und über grössere Projekte der Landesfor- schung bestimmte Ziele zu setzen.26 Helbok legte auch bereits Grundzüge für die Statuten dieser Historischen Kommission vor, die in Jahresfrist wei- ter ausgearbeitet und den Generalversammlungen der beiden Vereine zur Billigung vorgelegt werden sollten. In den Arbeitsausschuss wurden neben Adolf Helbok der Feldkircher Jesuit Wilhelm Maria Peitz (1876 bis 19 5 3)27 und Johann Baptist Büchel berufen. Wie geplant erfolgte dann die Gründung der His- torischen Kommission für Vorarlberg und Liechten- stein. Am 3. Februar 1915 fand in Feldkirch die ers- te Sitzung der Kommission statt.28 Adolf Helbok schreibt, «sie wurde von mir im Jahre 1915 gegrün- det, um die landesgeschichtliche Forschung beider Länder durch Herausgabe der grundlegenden Quel- len und Erforschung wichtiger Einzelfragen zu för- dern».2'1 228
        

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