GEOLOGIE Wenden wir uns nun der Geologie zu. Auf der Jah- resversammlung des Historischen Vereins im Jahre 1933 in Schaan hielt Pfarrer Anton Frommelt, Landtagspräsident, Regierungschef-Stellvertreter und Vorstandsmitglied des Vereins, einen Vortrag über 
den «Steinbruch Limseneck, Ruggell», der im Jahr darauf, 1934, im Jahrbuch redigiert als Bei- trag veröffentlicht wurde. Es handelte sich, wie Frommelt betonte, um die «erstmalige, eingehen- dere Aufsammlung von paläontologischem Materi- al in unserer Heimat und für unsere Heimat» (S. 19). Im Ruggeller Steinbruch waren zum Teil gut erhaltene Versteinerungen fossiler Schalentiere, unter anderem spektakuläre Ammoniten aus der Kreidezeit zum Vorschein gekommen. Frommelt, selbst «nicht vom Fach» (S. 19), wie er freimütig bekannte, gab eine vorläufige Gesteinsbeschrei- bung und stellte eingehendere Untersuchungen in Aussicht. Für die Begutachtung des Gesteinsprofils und die in den einzelnen Schichten vorkommenden Versteinerungen hatte er sich des fachkundigen Rates zweier Experten versichert: Arnold Heim aus Zürich und Otto Seitz von der Geologischen Lan- desanstalt in Berlin halfen bei der Sichtung und er- sten Bestimmung des Materials. Damit war der Grundstein gelegt für eine Sammlung naturge- schichtlicher Dokumente, die später in das Landes- museum eingegliedert wurde. Programmatisch formulierte Frommelt bei die- ser Gelegenheit in der Einleitung zu seinem Bei-trag: 
«Die folgenden Ausführungen ... möchten die Aufmerksamkeit sowohl des Fachmannes als auch der Allgemeinheit auf diesen Gegenstand hinwei- sen und hoffen, damit, und besonders durch die angelegte Aufsammlung des Materials, eine Vorar- beit im Dienste der heimatlichen Naturgeschichte zu leisten. Der Historische Verein für das Fürsten- tum Liechtenstein beschränkt seine Aufgaben nicht auf rein Menschengeschichtliches, sondern zieht auch, wie besonders dieser Jahrgang dartut, Na- turgeschichtliches in seinen Bereich. Es ist dies zu begrüssen, weil eine besondere Vereinigung mit naturwissenschaftlichen Aufgaben für unser Gebiet fehlt» (S. 19). Der zweite naturkundliche Beitrag dieses Jahrgangs war die bereits erwähnte Hierazi- en-Arbeit von Schack und Schwimmer. Es mag in diesen Worten Frommelts auch eine Neubewertung der Naturwissenschaft anklingen, die im Verein nach dem Tode von Prälat Büchel im Jahre 1927 und der Übernahme des Vorsitzes durch den Fürst- lichen Rat Joseph Ospelt deutlicher artikuliert wur- de. Jedenfalls braucht man nicht tief zwischen den Zeilen zu lesen, um die abschliessende Bemerkung Frommelts als eine späte Replik auf Büchels Eschner Rede von 1921 zu verstehen. Man werde durch «diese wunderbaren Zeugen alten, längst ausgestorbenen Lebens» angeregt, darüber nach- zudenken, «wie lange wohl diese Lebewesen schon im Stein geborgen liegen mögen, wie sie einst ge- lebt und den Meeresgrund bevölkert, wie lange es gedauert, bis endlich die Krone der materiellen Schöpfung - der denkende Mensch - auftrat, diese 210
        

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