NATURWISSENSCHAFTLICHE UND NATURHISTORISCHE BEITRÄGE IM JAHRBUCH / HANS-JÖRG RHEINBERGER Obwohl die naturkundliche und naturhistorische Erforschung des Landes nie einen ausdrücklichen Schwerpunkt in der Arbeit des Historischen Ver- eins darstellte, verstand er sich aufgrund des Feh- lens einer naturforschenden Vereinigung doch lan- ge Zeit als Wahrer diesbezüglicher Interessen. So stellt das Jahrbuch denn auch so etwas wie einen Spiegel der Aktivitäten dar, die sich im Zusammen- hang mit der Natur- und Landschaftsgeschichte Liechtensteins im Laufe des vergangenen Jahrhun- derts entwickelt haben. Die Paläontologie nimmt im Rahmen der Ausgrabungstätigkeit vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg einen zunehmend breiteren Raum ein. Eine mehr oder weniger chro- nologische Übersicht, in die sich jedoch systemati- sche Gesichtspunkte mühelos einpassen, mag am besten erfassen, was in den verschiedenen Jahr- zehnten Aufmerksamkeit beanspruchte und in wel- cher Weise das Jahrbuch unter den aufeinanderfol- genden Präsidentschaften die Entwicklung der na- turbezogenen Forschung in Liechtenstein doku- mentiert. Bei grosszügiger Erfassung können im Jahrbuch über 50 Artikel naturkundlich-naturhis- torischen und naturwissenschaftlichen Inhalts ge- zählt werden, immerhin fast zehn Prozent der in der Reihe erschienenen Aufsätze. Als Ergänzung zu dieser Übersicht haben auch die wissenschafts- und medizinhistorischen Arbeiten Erwähnung ge- funden. 
DIE ANFÄNGE Das Jahr 1922 ist in unserem Zusammenhang in mancher Hinsicht ein bemerkenswertes Jahr. Im Juni starb der langjährige erste Präsident des Ver- eins, Dr. Albert Schädler. Sein Nachfolger wurde der Geistliche Rat Kanonikus Johann Baptist Büchel. Das erste unter seiner Federführung erschienene Jahrbuch Band 22 druckte seine auf der Jahresver- sammlung des Historischen Vereins in Eschen 1921 gehaltene Philippika 
über «Die Naturwissenschaft als Quelle für die Geschichtsforschung». Es ist dies ein schillernder Farbtupfer im Jahrbuch des Histo- rischen Vereins, der erste Artikel, in dem die Natur- wissenschaften zitiert werden, und es sollte zu- gleich der letzte dieser besonderen Art religiösen Kulturkampfes bleiben. Kanonikus Büchel Hess es sich angelegen sein, gegen die von ihm als «Affen- theoretiker» (S. 41) beschimpften «Darwinianer» insbesondere und gegen den «Materialismus» im allgemeinen zu Feld zu ziehen. In scharfer Ableh- nung der «Hypothesen» über eine Millionen Jahre dauernde Abstammungsgeschichte des Menschen vom Affen beharrte er auf den «festen Tatsachen» der Geschichtsforschung, die für ihn durch die bibli- sche Schöpfungsgeschichte mit ihrem Zeithorizont von 6 000 Jahren umschrieben waren. Selbst die zeitliche Aufeinanderfolge von Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit in der Geschichte der Menschheit hielt er mit einem nicht näher genannten Gewährs- mann für einen «Schandfleck der heutigen Archäo- logie» (S. 39). Der ein Jahr später von Rom zum päpstlichen Hausprälaten ernannte Kanonikus focht noch Anfang der 1920er Jahre auf einem Schlacht- feld, das seit Büchels Studienjahren vor einem hal- ben Jahrhundert die grosse Mehrheit der Naturwis- senschaftler längst verlassen hatte. 207
        

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